Apple TV+: Apples Videostreamingdienst ist nicht konkurrenzfähig

Bei so einem mickrigen Angebot hilft auch ein mickriger Preis nicht: Apples Streamingdienst hat der Konkurrenz von Netflix, Amazon und bald Disney nichts entgegenzusetzen - und das wird sich auf Jahre nicht ändern.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Die Konkurrenz von Apple TV+ ist übermächtig.
Die Konkurrenz von Apple TV+ ist übermächtig. (Bild: Noah Berger/AFP/Getty Images)

Weniger als zehn Serien gegen mehr als 1.100 - so sieht die Konkurrenzsituation zwischen Apple und Netflix aus, wenn Apple TV+ Anfang November 2019 startet. Das mickrige Sortiment gleicht nicht einmal ansatzweise den geringeren Preis für Apples eigenen Videostreamingdienst aus - damit ist der Dienst nicht konkurrenzfähig.

Der Apple-Chef Tim Cook versuchte bei seiner Keynote-Ansprache am 10. September, die Zuschauer davon zu überzeugen, dass 4,99 Euro respektive 4,99 US-Dollar im Monat für Apple TV+ ein günstiger Abopreis seien. Dafür verglich Cook den Preis mit der Ausleihe eines digitalen Films, der ähnlich viel koste. Falls eine erfolgversprechende Strategie hinter Apples Streamingplänen stecken sollte, so erschließt sie sich jedenfalls nicht. Es macht vielmehr den Eindruck, als habe Apple nicht verstanden, wodurch Videostreamingabos so beliebt geworden sind.

Die Masse macht's

Denn das Geschäft von Videostreamingabos funktioniert komplett anders als das von Einzelausleihen. Die Streamingdienste von Amazon und Netflix sind vor allem wegen ihrer großen Auswahl an Filmen und Serien so erfolgreich. Aktuell können sich Netflix-Kunden knapp 1.120 TV-Serien anschauen und aus knapp 2.700 Filmen auswählen. Prime-Video-Abonnenten können auf etwas mehr als 600 TV-Serien und knapp 3.400 Spielfilme zugreifen.

Sowohl Amazon als auch Netflix setzen sich zum Ziel, die Kunden das ganze Jahr über an ihre Dienste zu binden. Amazons Dienst Prime Video kostet 7,99 Euro pro Monat - inklusive 4K-Inhalten und bis zu zwei parallelen Streams. Bei Abschluss eines Prime-Jahresabos sinken die monatlichen Abokosten auf 5,75 Euro. Damit ist Amazons Angebot deutlich günstiger als Netflix. Dessen Zwei-Stream-Abo mit Full-HD-Auflösung kostet 11,99 Euro und 15,99 Euro fallen für 4K-Inhalte und bis zu vier parallele Streams an. Das Einstiegsabo von Netflix für 7,99 Euro liefert nur SD-Auflösung und deckt keine parallele Nutzung auf einem weiteren Gerät ab. Damit sind beide Konkurrenten zwar deutlich teurer als Apple TV+, bieten aber auch eine Menge für den Preis.

Netflix, das zunächst mit eingekauften Inhalten erfolgreich wurde, bietet mittlerweile auch ein breites Sortiment von Eigenproduktionen an, und zwar zusätzlich. Die gleiche Strategie verfolgt Amazon und neuerdings auch Sky. Exklusive Inhalte werden zwar wichtiger, aber nur im Zusammenspiel mit einer breiten Auswahl an zugekauften Inhalten.

Und ein neuer Dienst, der wie Apple TV+ im November startet, setzt vor allem auf bereits vorhandene Inhalte sowie neu produzierte Inhalte: Disney+ wird zum Monatspreis von 6,99 US-Dollar mit einem großen Katalog an Filmen und Serien des Hollywood-Studios an den Start gehen, darunter viele populäre wie die Star-Wars-Filme. Das Kalkül dahinter: Kunden sollen Disney+ aufgrund des vergleichsweise günstigen Preises einfach zusätzlich buchen - oder ganz von der Konkurrenz zum Disney-Dienst wechseln. Zugleich könnte der niedrige Preis Kundengruppen erschließen, die bisher keine Streamingabos nutzen.

Kunden von Apple TV+ erhalten wenig für ihr Geld

Apple TV+ konzentriert sich dagegen auf einige wenige Eigenproduktionen und stellt zum Start nicht einmal ganze Staffeln oder gar mehrere Staffeln bereit. Mit dabei ist eine Serie über eine fiktive Frühstücksfernsehsendung, die den Titel The Morning Show trägt und mit Reese Witherspoon, Jennifer Aniston sowie Steve Carell prominent besetzt ist. Vom Produzenten von Kampfstern Galactica kommt die Serie For All Mankind sowie eine Biografie-Verfilmung über Emily Dickinson. Zudem ist die Endzeitserie See mit Jason Momoa geplant. Wie gut die Inhalte sein werden, lässt sich im Vorfeld nur erahnen.

Die wenigen Inhalte sollen kein Bug sein, sondern ein Feature: Apple will keine Inhalte zukaufen. Der Dienst wird ausschließlich selbst produzierte Inhalte haben. In der Pesseankündigung zu Apple TV+ wird der Dienst mit folgenden Worten beworben: "Der erste Video Abonnement-Service, der ganz auf Originals setzt".

Auch in einem anderen Punkt agiert Apple ganz anders als die Konkurrenz: Bei Netflix und Prime Video können Neukunden den Dienst für einen Monat kostenlos testen. Bei Apple TV+ sind es gerade mal sieben Tage - vermutlich, weil bei dem geringen Sortiment ein Monat reichen würde, um das komplette Angebot durchzuschauen.

Angesichts dessen ist es von zweifelhaftem Nutzen, dass Käufer neuer Apple-Geräte den Dienst ein Jahr kostenlos nutzen können. Zwar will Apple das Sortiment in den kommenden Monaten erweitern, aber es wird noch viele Jahre dauern, bis Apple beim Sortiment auch nur ansatzweise an die Auswahl von Netflix und Prime Video heranreicht. Apple hat vor, jeden Monat eine neue Serie zu veröffentlichen. Bleibt der iPhone-Hersteller bei dieser Frequenz, dauert es also noch über 80 Jahre, bis Kunden von Apple TV+ eine vergleichbare Auswahl wie bei Netflix erhalten werden.

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jo-1 14. Sep 2019

Weil das Apple TV flüssiger, besser und gleichbleibend ist. Hatte jetzt zwei Tage das...

Peter Brülls 13. Sep 2019

Die interessante Frage ist: Wie viele Serien *kaufen* die Leute für vergleichbar viel...

Peter Brülls 13. Sep 2019

Wenn Du meinst ein Angebot ohne Sex und Gewalt sei langweilig und keine würde das...

Peter Brülls 12. Sep 2019

Microsoft hat da meines Erachtens viel zu schnell aufgeben. Erst zu lange rumgesessen...



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