Apple-Tablet als Schnäppchen: Mediamarkt verkauft iPad für 15 Euro und will es zurück
Ein iPad von Apple zum Angebotspreis von 15 Euro statt zum Listenpreis von 879 Euro – da haben Kunden zugeschlagen. Diesen Fall gab es in Italien bei Mediamarkt, wo die Elektronikmarktkette unter der Bezeichnung Mediaworld aktiv ist. Einige Tage später möchte das Unternehmen die verkauften iPads zurück – oder verlangt eine Nachzahlung von 714 Euro.
Über den Vorfall berichtet Wired(öffnet im neuen Fenster) und zitiert viele Kunden, die das iPad online für 15 Euro bezahlt und dann in einer Mediaworld-Filiale abgeholt hatten. Den Kunden wurde das iPad zum Preis von 15 Euro ohne Probleme ausgehändigt.
Erst elf Tage später fiel Mediaworld auf, dass es eigentlich nicht geplant war, die iPads für 15 Euro zu verkaufen und schickte den Käufern daraufhin eine E-Mail. Darin bat das Unternehmen die Käufer darum, das Tablet zurückzugeben oder einen ordentlichen Preisaufschlag zu zahlen.
Mediaworld spricht von einem für alle erkennbaren Fehler
Wer das iPad zurückgibt, soll den vollen Kaufpreis von 15 Euro erstattet und einen Einkaufsgutschein von 20 Euro für Mediaworld erhalten. Wer das Tablet nach fast zwei Wochen doch behalten möchte, solle die Differenz bezahlen – mit einem Rabatt von 150 Euro.
Mediaworld bestätigte Wired den Vorfall. In einer Stellungnahme erklärte der Händler, dass es einen "offensichtlich erkennbaren technischen Fehler" gegeben habe. Dieser sei durch eine "außergewöhnliche und unvorhergesehene technische Störung auf unserer E-Commerce-Plattform" passiert.
Dadurch seien "einige Produkte innerhalb kürzester Zeit" zu falschen "Preisen angeboten" worden. Laut Händler hätten die Produkte "aufgrund ihrer offensichtlichen und objektiven Diskrepanz zum tatsächlichen Marktwert und zum korrekten Aktionspreis niemals hätten angeboten werden dürfen" .
Mediaworld sieht sich im Recht – Anwalt widerspricht
Das Unternehmen bestätigte, dass Käufer des 15-Euro-iPads zwei Angebote erhalten hätten – eben Rückgabe oder behalten mit Nachzahlung. Dies sei auf Basis "der geltenden Rechtsvorschriften" erfolgt, der "bei Fehlern dieser Größenordnung das vertragliche Gleichgewicht" wahren solle.
Laut Mediaworld wurden alle betroffenen Kunden "umgehend" informiert. Das Unternehmen lässt offen, warum der Vorfall erst nach 11 Tagen bemerkt wurde. Mediaworld sieht sich im Recht, dass Kunden im Zweifel die Tablets zurückgeben müssten, falls sie nicht bereit sind, die Differenz von 714 Euro zum Kaufpreis zu zahlen.
Wired sprach über den Fall mit dem Anwalt für Verbraucherrecht, Massimiliano Dona, der die Lage anders einschätzt. Zwar gebe es in italienischen Gesetze eine Regelung, die eine Aufhebung eines Vertrags erlaubt, wenn ein Fehler wesentlich und erkennbar ist. Aber genau hier sieht er die Rechtslage weniger eindeutig als das Unternehmen.
Anwalt beurteilt die Sachlage weniger eindeutig
"Um einen Vertrag zu widerrufen, muss nachgewiesen werden, dass der Verbraucher sich des Fehlers des Verkäufers bewusst war" , erklärt Dona. "Um diesen Nachweis zu erbringen, reicht es jedoch nicht aus, zu behaupten, dass der Rabatt von 98 Prozent den Fehler für den Kunden offensichtlich macht."
Allgemein seien "die Preise heute nicht mehr so standardisiert" wie früher. "Zwischen zeitlich begrenzten Angeboten, Flash-Sales, Werbeaktionen und Gewinnspielen (die vor allem in sozialen Netzwerken oder Apps angeboten werden, wie in diesem Fall) ist alles viel variabler" geworden.
Warum haben Mitarbeiter von Mediaworld den offensichtlichen Fehler nicht bemerkt?
Die E-Mail vom Mediaworld sei lediglich ein "Vorschlag für eine bilaterale Vereinbarung" , denn das Unternehmen habe kein Mahnschreiben geschickt. Und ohne Einschreiben könne das Unternehmen nicht beweisen, dass Kunden das Angebot erhalten hätten. Falls Kunden das Schreiben ignorierten, müssten sie aber damit rechnen, dass Mediaworld "formelle Schritte" einleiten werde.
In dem ganzen Fall bleiben Fragen offen: Wenn der Fehler so offensichtlich war, wie es das Unternehmen betont, warum bemerkten dann die Mitarbeiter von Mediaworld dies nicht, sondern händigten stattdessen die bestellten Geräte in den Filialen aus? Und warum brauchte das Unternehmen elf Tage, um diesen so eindeutigen Fehler zu bemerken?
Derzeit ist nicht absehbar, wie sich die Käufer der iPads verhalten werden. Und davon hängt ab, ob Mediaworld deswegen vor Gericht zieht, um den Fall zu klären.
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