Nicht profitabel, nicht besonders

Schliesche weiß, wovon er spricht. Um die Jahrtausendwende war Napster der Inbegriff der illegalen Downloadszene. Später wurde er legal - und lernte die Regeln der Marktwirtschaft kennen: 2011 schluckte der internationale Musikkonzern Rhapsody den Dienst.

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Branchenkenner Tschmuck ist überzeugt, dass die Kleinen ihr Heil bald nur noch in den Armen der Branchengrößen finden oder untergehen werden. "Binnen der nächsten zwei Jahre wird die Zahl der Musik-Streaming-Dienste in Deutschland deutlich in den einstelligen Bereich fallen", glaubt er. Wann Schluss ist mit der Schrumpfkur, vermag auch der Branchenkenner nicht zu sagen. Das hängt entscheidend davon ab, wie die Dienste in Zukunft ihr Geld machen.

2. Wann verdienen die Dienste endlich Geld?

Egal ob Spotify, Deezer oder Napster: Gewinn wirft keiner von ihnen ab. Streaming-Dienste sind bislang ein Zuschussgeschäft. Nicht nur Expansionen in neue Märkte kosten. Werbung und Weiterentwicklung der Plattformen verschlingen viel Geld - und für die eigentlichen Inhalte werden gewaltige Summen an Lizenzgebühren fällig. Einen zweistelligen Millionenbetrag muss man für den Katalog eines Majors schon auf den Tisch legen, heißt es in der Branche. "Die Markteintrittshürden und die Kosten, um dabei bleiben zu können, sind immens", sagt Tschmuck. "Allein ist das kaum zu stemmen."

Um Geld zu machen, setzen die meisten Anbieter auf ein Abomodell. Für zehn Euro im Monat bieten die Dienste ihren Kunden das gesamte Portfolio. Um Reichweite aufzubauen, erlauben manche Dienste werbefinanziertes Gratishören. So sind 45 der 60 Millionen Spotify-Kunden eigentlich Gratisnutzer. Das Problem: Rentabel ist das Geschäft mit der Werbung nicht. Für die Anbieter bleibt nur die Hoffnung, dass möglichst viele Hörer ins Premium-Lager wechseln.

Streaming stärkt das Kerngeschäft der großen IT-Konzerne

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Bis die Gewinne kommen, sammelt Spotify mit neuen Finanzierungsrunden Millionenbeträge bei Risikokapitalgebern ein. Auch über einen Börsengang wird immer wieder spekuliert. Die Musikindustrie selbst stärkt dem Branchenprimus den Rücken: Wie auch bei Wettbewerbern wie Deezer und Rdio sind Majorlabels an Spotify beteiligt. Napster wird vom größeren Mutterkonzern Rhapsody mitgetragen.

Im Vorteil sind die Streaming-Anbieter der großen IT-Konzerne. "Google, Apple und Amazon ist erstmal egal, ob die Streaming-Dienste profitabel sind", sagt Tschmuck. "Die wollen vor allem ihr Kerngeschäft stärken." Während Google von Traffic und Daten profitiert, wird Apple Beats in sein eigenes Ökosystem einbinden und so die Nutzer bei der Stange halten. Ohne allzu großen wirtschaftlichen Druck können die Dienste in der Nische wachsen, sind aber auch auf das Wohlwollen der Konzerne angewiesen.

3. Wo bleibt das Alleinstellungsmerkmal?

Selbst wer die erste Auslese übersteht, hat mittelfristig ein Problem. Obwohl die Anbieter es vehement bestreiten: Bislang sind die Streaming-Dienste ziemlich austauschbar. 30 bis 40 Millionen Titel haben die meisten im Angebot. Mehr oder weniger ein Standardrepertoire, mit wenigen Ausnahmen. Die Klangqualität ist auf einem ähnlichen Niveau.

"Über die bloße Anzahl der Titel werden sich die Anbieter in Zukunft kaum differenzieren können", sagt Industrieverbands-Chef Drücke. Es braucht ein Alleinstellungsmerkmal. Etwas, das die Dienste von den Konkurrenten abhebt.

Das wiegt umso schwerer, weil sich die Streaming-Dienste nicht nur untereinander Konkurrenz machen. CD, Musikdownloads und selbst Vinyl machen nach wie vor den größten Anteil am Umsatz der Musikindustrie in Deutschland aus. "Viele deutsche Musikhörer sind mit ihrer physischen Welt derzeit durchaus zufrieden", sagt Drücke. Im Vergleich zu Schweden, wo Streaming-Dienste bereits den Löwenanteil am Musikgeschäft ausmachen, ist Deutschland eine Nation von CD-Verrückten und Vinyl-Verliebten. Wollen die Streaming-Dienste sie als Nutzer, müssen sie sich etwas einfallen lassen.

"Die Dienste müssen emotionaler und persönlicher werden", glaubt Tschmuck. "Als anonyme Technikplattform kann es für sie nicht weitergehen. " Erste Ansätze sind bereits gemacht. Anbindungen an die sozialen Netzwerke haben längst die meisten, vorgefertigte Playlisten und computergenerierte Empfehlungen auch. Immer mehr Anbieter wollen aber weg von den maschinell gefertigten Vorschlägen, hin zu Hörtipps von echten Musikredakteuren. Apple geht bei dem Versuch, seinen Diensten einen individuellen Anstrich zu geben, noch einen Schritt weiter - und wertet seinen Beats-Vorgänger iTunes Radio mittlerweile mit hochkarätigen BBC-Moderatoren auf.

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 Apple, Spotify, Napster: Fünf Punkte zur Zukunft des MusikstreamingsAufbegehren der Musiker 
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JimJim 23. Mai 2015

Da hast Du schon recht, aber wo bekommst Du freie Musik so aufbereitet in nem...

stuempel 19. Mai 2015

Mit dem Unterschied, dass der KFZ-Mechaniker 10 Jahre nach dem Lottogewinn wieder in...

serra.avatar 19. Mai 2015

Sry aber mit DAB+ und den zig Tausenden Inet Radio Stationen läuft bei mir auch genau das...

eggsperde 16. Mai 2015

Guter Artikel! Mit der Differenzierung scheinen die alle noch Probleme zu haben. Ich...

packansack 15. Mai 2015

Absolut richtig. Nur fuer echte Arbeit wie Traktor fahren oder Autos bauen sollte es Lohn...



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