Apple Silicon: Funktioniert das Macbook Air 15 als Business-Gerät?

Apples Macbook Air 15 (Test) hat bei vielen Kritikern gut abgeschnitten. Auch Golem.de ist vom neuen Formfaktor überzeugt, da er vor allem ein größeres Display und einen größeren Akku mit sich bringt. Apple selbst ist sich zudem sicher: Es handelt sich um ein perfektes Notebook für den Enterprise-Einsatz.
Golem.de konnte mit Vertretern von Apple über diese Aussage reden. Das Unternehmen sieht das Macbook Air 15 als echte Bereicherung für Business-Kunden an. "User wünschen sich ein größeres Display. Insbesondere gilt das dann, wenn sie nicht die Leistung eines 14 oder 16 Zoll großen Macbook Pro benötigen" , sagt Laura Metz, Marketingdirektorin für Mac-Produkte bei Apple.
Klar ist, dass es im 15-Zoll-Segment noch immer die größte Auswahl an Laptops gibt. Das gilt nicht nur für das Mac-Ökosystem, sondern generell im Notebooksektor. Geräte mit 15,6-Zoll-Panel sind oft günstiger und bieten dafür genug Anschlüsse für die meisten Anwendungsszenarien. Die Displaygröße reicht vielen Menschen zudem aus, so dass keine externen Bildschirme oder Eingabegeräte notwendig sind.
Eine Frage der Arbeitsplatzergonomie
Sehen wir das aus rein ergonomischen Gesichtspunkten, und das tun viele Unternehmen für die Gesundheit ihrer Angestellten, dann reicht ein einzelnes Notebook im stationären Office-Betrieb eigentlich nicht aus. Es ist sinnvoll, zumindest einen größeren Bildschirm einschließlich externer Tastatur und Maus bereitzustellen.


















Oft wollen Kunden zudem mehr als nur einen externen Bildschirm betreiben. Hier kommen die Macbook Air und Air 15 an ihre Grenzen. Denn der M2-Chip unterstützt wie sein Vorgänger nur maximal zwei Displays. Eines davon ist bei beiden Notebooks intern angeschlossen. Es bleibt also Kapazität für ein weiteres Panel.
Ein zusätzliches Problem beim Macbook Air: Schließen wir ein Display an einen der beiden Thunderbolt-Ports an, wird der Platz für mehr Mäuse, Tastaturen oder externe Speichermedien mit nur einem verbliebenen Anschluss schnell knapp. Mac-Admins sollten bei der Neuanschaffung und Einrichtung neuer Mac-Arbeitsplätze also eventuell auch an Dockingstations oder Dongles denken.
Go Pro für mehr Anschlüsse
Auf unsere Frage, warum Apple beim Macbook Air 15 nur das Display vergrößert hat und nicht auch mehr Anschlüsse liefert, konnte das Unternehmen keine direkte Antwort geben. Stattdessen wurde auf die Macbook-Pro-Serie verwiesen, die mit einem zusätzlichen Micro-SD-Kartenleser ausgestattet ist. Der M2 Pro oder M2 Max in den Pro-Modellen unterstützt zudem weitere externe Displays und ist deshalb auch eine Antwort auf die Nachteile des M2-Chips.
Die Frage konnten wir uns also selbst beantworten: Es liegt im Interesse von Apple, nicht mit seinen teureren Produkten zu konkurrieren. Ein Macbook Air 15 mit mehr Anschlüssen könnte nur dann funktionieren, wenn das gesamte Macbook-Sortiment mehr Ports bekäme. Ansonsten gäbe es kaum valide Gründe, die merklich teureren Pro-Modelle (Test des Macbook Pro 14) zu kaufen.


















Denn schon der M2-Chip ist für die meisten Büroarbeiten und sogar leistungsintensivere Workloads schnell genug. Er liegt auf einem Level mit Intels und AMDs x86-Chips und benötigt dabei weniger Energie. Das Macbook Pro mit M2 Pro oder M2 Max ist dann für solche User interessant, die neben mehr CPU-Performance auch mehr RAM benötigen. Apple schränkt den maximal konfigurierbaren Arbeitsspeicher beim Macbook Air und Air 15 nämlich auf maximal 24 GByte ein.
Außerdem sollten Enterprise-Kunden darauf achten, wie nachhaltig und langlebig ihr Mac-Ökosystem potenziell ist - oder eben nicht ist.
Das Problem der fest verbauten Hardware
Ein klares Argument für das Macbook Air 15 ist laut Enterprise-Marketing-Chef Thomas Tan: "Es bietet eine neue Plattform für den alltäglichen Produktivitätseinsatz, während der Preis auch für Unternehmenskunden, die Mac in großem Maßstab einsetzen, sehr attraktiv ist." Tatsächlich ist das Macbook Air 15 eines der günstigeren Notebooks von Apple. Nur das Macbook Air und Macbook Pro 13 kosten gleich viel oder weniger.
Kunden können das Air 15 dadurch etwa auf eine Ebene mit anderen beliebten Business-Geräten wie der Lenovo-Thinkpad-T-Serie oder dem HP Elitebook stellen. Apple bietet zudem mit Apple Care for Enterprise(öffnet im neuen Fenster) wahlweise zwei, drei oder vier Jahre Kundenservice an. Darin enthalten ist auch ein Vor-Ort-Reparaturdienst, über den ein Apple-Spezialist direkt bei den Kunden Troubleshooting und mögliche Reparaturen durchführt.
Austauschen statt reparieren
Apple verspricht im Apple-Care-Paket, bis zu vier Prozent der damit abgedeckten Computer ohne Zusatzgebühr zu reparieren. Bei einem Hardwarefehler ist dabei meist ein Austausch des gesamten Systems vonnöten. Schließlich werden seit dem Umstieg auf Apple Silicon RAM, SSD, CPU und GPU auf dem Mainboard fest verlötet.
Das mag einigen Enterprise-Kunden nicht gefallen, vor allem, wenn sie bisherige Hardware durch eigene RAM-Upgrades, SSD- oder Akkutausch möglichst lange im Umlauf behalten. Im großen Stil, beispielsweise bei mehreren Tausend Arbeitsplätzen, werden solche Anpassungen aber immer weniger wahrscheinlich, da sie auch mit Arbeitszeitaufwand und damit zusätzlichen Kosten einhergehen.


















Gebrauchte Macs haben für gewöhnlich einen relativ hohen Wiederverkaufswert. Das sehen wir etwa bei M1-Macbooks, die für einen hohen Prozentsatz ihres ursprünglichen Preises verkauft werden. Einmal abgeschriebene Geräte können also bei Privatkunden oder anderen Geschäftspartnern weiterhin Verwendung finden. Apple bietet zudem ein Recyclingprogramm(öffnet im neuen Fenster) an. Das Unternehmen kauft beispielsweise gebrauchte Notebooks ab und stellt sie als Refurbished-Geräte im Onlineshop oder über Drittanbieter zur Verfügung.
Azure AD nur bedingt kompatibel
Eine weitere Frage ist: Wie lassen sich Apple-Geräte in eine meist von Microsoft Azure Active Directory gesteuerte Business-Umgebung integrieren? Eine native Einbindung von Macs in Microsofts Infrastruktur ist aktuell nur über Umwege möglich, was zusätzliches Mikromanagement und einige Tools erfordert.
Admins können etwa Microsoft Intune nutzen(öffnet im neuen Fenster) , um Mac-Geräte in Azure Active Directory zu integrieren. Auch bietet Apple mit seinem Business Manager(öffnet im neuen Fenster) eine Lösung an, um Azure-AD-Accounts mit Apple-IDs für die Anmeldung in diverse Dienste und Programme zu verknüpfen. Möglicherweise werden über diese Umwege aber nicht alle Funktionalitäten unterstützt.


















Das gilt auch für Programme auf den lokalen Geräten selbst. Gerade Legacy-Applikationen werden von der ARM-Hardware im Macbook Air 15 nicht unterstützt. Unternehmen müssen also entweder auf alternative Lösungen setzen oder Windows per Virtualisierung auf dem Mac laufen lassen. Es existieren diverse Anbieter wie Parallels Desktop(öffnet im neuen Fenster) , die sich darauf spezialisiert haben, eine Windows-Umgebung möglichst problemlos in MacOS zu integrieren.
Hier ist aber wieder das gleiche Problem zu nennen: Mehr Softwarelösungen bedeuten mehr Komplexität bei deren Verwaltung, zumal Parallels und andere Anbieter ihre Dienste nicht einfach kostenlos zur Verfügung stellen - schon gar nicht im Enterprise-Umfeld.
Laut Apple lässt sich durch Mac-Hardware aber viel Geld sparen. Wir sind skeptisch.
Eine gekaufte Studie ist kein Argument
Der beste Weg, ein Macbook Air 15 im Unternehmensumfeld zu etablieren, ist also eine homogene Mac-Infrastruktur. Das ist laut Enterprise-Marketing-Manager Thomas Tan sowieso am besten, um Geld zu sparen. Er macht uns dabei auf eine Studie des Institutes Forrester(öffnet im neuen Fenster) aufmerksam, die vor einigen Jahren als Unterstützung für Apple Silicon durchgeführt wurde.
Das Ergebnis: Über drei Jahre sollen durch den Wechsel auf MacOS und Apple Silicon bei den befragten Institutionen im Schnitt 101 Millionen US-Dollar eingespart worden sein. Das entspricht 843 US-Dollar pro Mac-Computer über eine Abschreibungsdauer von drei Jahren. MacOS scheint also viel Geld zu sparen, oder?
Die Daten wirken auf den ersten Blick beeindruckend und sind für Tan und andere Marketing-Manager ein gutes Argument, wenn sie mit Kunden und Pressepartnern kommunizieren. Allerdings wurde die Forrester-Studie primär von Apple in Auftrag gegeben. Sie ist also nicht als neutral zu betrachten.
Außerdem hat sich Forrester laut eigenen Aussagen mit zehn Unternehmen unterhalten. Die Chance, dass hier kein repräsentatives Abbild des eigentlichen und vor allem lokalen Marktes geschaffen wurde, ist sehr hoch. Eine solche Studie kann für uns also nicht als Argument für den Umstieg gelten.


















Es ist Geschmackssache, welche Kultur innerhalb eines Unternehmens gelebt wird. Ein Unternehmen, das Apps für MacOS oder iOS entwickelt, wird sich über eine zusätzliche Macbook-Air-Option natürlich sehr freuen. Gleiches gilt für eine Consultingfirma, die seit jeher auf MacOS setzt. Auch Start-ups und kleinere Unternehmen setzen häufig auf ein Mac-Ökosystem.
MacOS als sicheres Betriebssystem
Generell bietet Apple mit allen Apple-Silicon-Geräten eine sehr kompetitive Hardware, die auf die im Vergleich zu x86 sparsamere ARM64-Architektur setzt. In Verbindung mit der für gewöhnlich sehr guten Verarbeitungsqualität und dem Image der Marke Apple als eine Art Luxus-Tech-Brand sehen wir einige Gründe, warum immer mehr Menschen auch MacOS und dem Macbook eine Chance geben.
Thomas Tan bringt ein weiteres Argument an. Er sagt: "Wir beobachten, dass viele Benutzer aus Sicherheitsgründen vom PC auf den Mac umsteigen." In den meisten Fällen würden wir da zustimmen. Apple setzt sehr strikte Regeln durch, wenn es um die Veröffentlichung von Applikationen im App Store für MacOS oder iOS geht.
Außerdem werden Macs ab Werk so konfiguriert, dass sämtliche ausführenden Aktionen Admin-Rechte und Userinteraktion durch die Eingabe des Master-Passwortes erfordern. Ein typischer Windows-Computer muss im B2B-Umfeld vorher entsprechend konfiguriert werden, was durch Gruppenrichtlinien und Azure AD normalerweise schnell erledigt ist.


















Apple hat zudem zwei Vorteile: Zum einen ist es für böswillige Parteien lukrativer, massenweise Angriffe auf Windows-PCs durchzuführen. Das Microsoft-OS ist einfach wesentlich weiter verbreitet. Zum anderen werden die meisten Hardwaresicherheitslücken, die x86-Prozessoren aufweisen, durch das auf ARM64 basierende Apple Silicon verhindert - siehe Spectre und Meltdown.
Das heißt nicht, dass Sicherheitslücken im Apple-Ökosystem gar nicht existieren. So konnte Golem.de schon über einige Zero-Day-Lücken und Sicherheitsprobleme berichten, die ausschließlich MacOS-Systeme betrafen. Wir sollten also auch bei MacOS aufpassen, egal was der Hersteller behauptet.
Guter Wert für den Preis
Alles in allem können wir sagen: Apple bringt mit dem Macbook Air 15 ein bekanntes und bewährtes Notebook mit neuem Format heraus, das sicher auch bei Enterprise-Kunden Anklang finden wird. Die Auswahl zwischen mehreren Bildschirmgrößen ist an sich auch zu begrüßen. Unternehmen müssen nicht zu den für viele Finanzabteilungen zu teuren Pro-Geräten greifen, wenn sie ein größeres Notebook anschaffen wollen.
Zusatzangebote wie Apple Care und der generell wertstabile Gebrauchtmarktwert von Apple-Notebooks sind weitere Argumente für das Macbook Air 15. Die wenigen Anschlüsse, das zu Azure AD weniger kompatible Ökosystem und der doch recht hohe Anschaffungspreis sprechen dagegen.
Und - ach ja: Haben wir erwähnt, dass das bis aufs Display und den Akku fast identische Macbook Air 13 (Test der M2-Version) merklich günstiger und gleich schnell ist?



