Apple Macbook Neo: Einstiegsdroge oder Elektroschrott?
Seit vielen Jahren kann sich ein neues Macbook nur kaufen, wer mindestens 1.000 Euro ausgeben kann. Apple hat sich so einen Ruf als Hersteller von teuren Premium-Laptops erarbeitet. Allerdings wird dabei ein wichtiger Markt außen vor gelassen: die jüngere Zielgruppe, die sich ein Macbook kaufen will, sich das aber nicht leisten kann oder möchte.
Es war also nur eine Frage der Zeit, bis Apple auch ein Macbook für unter 1.000 Euro anbieten würde. Mit dem neuen Macbook Neo ist es nun soweit. Es startet sogar nur bei 700 Euro und konkurriert damit mit Marken wie Acer, Asus, HP und Lenovo, die bei den meisten Menschen einen weitaus schlechteren Ruf haben.
Apples Schachzug scheint auf den ersten Blick genial: ein gut verarbeitetes und schickes Gerät herauszubringen, das sich allein durch Apples selbst aufgebauten Prestige-Faktor bei vielen Kunden schon mit Vorteil positioniert; eine Art Einstiegsdroge in die Welt von MacOS und Co. sozusagen.
Besonders interessant wird es, wenn wir uns den US-Markt anschauen. Speziell für Bildungseinrichtungen will Apple das Macbook Neo für nur 500 US-Dollar anbieten. Für diesen Preis steht der Laptop fast alternativlos da und dürfte entsprechend eine sehr große Verbreitung finden. Vor allem Windows-Geräte mit Snapdragon X Plus müssen nun auf dem wichtigen US-Bildungsmarkt um einiges günstiger werden, wenn sie relevant bleiben wollen.
Ein Macbook mit Vorteilen
Für 700 Euro, das ist der offizielle deutsche Startpreis, kaufen wir als Privatkunden vor allem drei Dinge: Da wäre das in sich geschlossene und unter Apple-Geräten gut vernetzte Ökosystem, in das sich iPhone, iPad und Co. sehr gut integrieren lassen. Die meisten Standardprogramme, die wir in Schule und Uni brauchen, dürften hier ohne Probleme funktionieren. MacOS ist für viele Anwendungen auch einfach besser geeignet als das vergleichsweise träge Windows 11.
Außerdem scheinen die technischen Daten dahingehend vielversprechend, dass wir für unser Geld ein gut verarbeitetes Aluminiumgehäuse, die sehr gute Trackpad-Tastatur-Kombination und ein hell leuchtendes Display bekommen. Das ist in diesem Preissegment keineswegs selbstverständlich.
Und dann wäre da noch das dritte Argument: sozialer Status. Manchmal werden Macbooks einfach wegen ihres Lifestyle-Faktors gekauft – vor allem von jungen Menschen, die auf Marken möglicherweise mehr Wert legen. Ein schickes Macbook Neo sieht im Café oder in der Vorlesung eben cooler aus als ein langweiliges Thinkpad – Informatiksaal mal außen vor gelassen.
Auf den zweiten Blick ist das Macbook Neo jedoch eine ziemlich naive Investition. Denn für 700 Euro machen wir große Abstriche. Der A18-Pro-Chip mit seinen sechs CPU-Cores ist dabei nicht das Problem. Der dürfte auch in einigen Jahren noch für Büroarbeiten und Medienkonsum schnell genug sein, zumal Intel und AMD im Preissegment um 700 Euro oft auch nicht viel besser dastehen.
Einfach ein gebrauchtes Macbook Air kaufen
Die Leistung des A18-Pro-Chips, die in etwa zwischen dem M1 und dem M2 liegen dürfte, ist deshalb völlig ausreichend. Vor allem dürfte er sehr energieeffizient arbeiten und somit die Akkulaufzeit erfreulich hoch sein. Apple spricht von knapp 11 Stunden Websurfen. Das ist genug, selbst für besonders langweilige Vorlesungen.
Viel mehr Sorgen machen uns die 8 GByte RAM. Die dürften im Kontext des Klassenraums vielleicht noch ausreichen. Doch es gibt gute Gründe, warum Apple das Macbook Air seit einigen Generationen nur noch mit mindestens 16 GByte RAM ausstattet. Wollen wir etwa mehr auf unserem Macbook machen als nur Word-Dokumente und Excel-Tabellen zu erstellen, werden 8 GByte RAM schnell knapp, auch wenn MacOS grundsätzlich nicht so viele Ressourcen benötigt wie etwa Windows 11.
Nehmen wir einmal an, wir wollen unser Macbook Neo nach dem Studium auch noch für unsere Homeoffice-Arbeit nutzen. Dann macht uns Apple das Leben erneut schwer. Nicht nur unterstützt das SoC über USB-C 3.2 Gen2 nur ein externes Display, was oft zu wenig für einen gut ausgestatteten Bildschirmarbeitsplatz ist. Wollen wir auch noch einen USB-Dongle an den zweiten Port für mehr Peripheriegeräte anschließen, wird die Transferrate der USB-2.0.Schnittstelle schnell knapp.
Upgrade-Pfad: Neu kaufen
Es ist zudem bekannt, dass sich Apple-Silicon-Macbooks nicht später aufrüsten lassen. Sämtliche Komponenten sind verlötet oder fest integriert. Wir müssen mit unserem eingeschränkten RAM und der SSD eine Weile lang leben oder uns direkt ein neues Gerät kaufen, wenn wir nach dem Studium in unserem ersten Job anfangen.
Das beste Gegenargument zum Macbook Neo liefert aber Apple selbst. Denn für 700 bis 800 Euro können wir uns auf dem Gebrauchtmarkt bereits ein Macbook Air mit schnellerem M3-Chip, neuem Notch-Design, besseren Anschlüssen und mehr RAM kaufen. Allerdings müssen wir hier eben auf schicke Pastellfarben verzichten – ein Opfer, das wir allerdings gerne bringen würden.
IMHO ist der Kommentar von Golem [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]
Oliver Nickel hat schon in Ausbildung und Studium viel mit Laptops und Tablets gearbeitet. Hätte es zu seiner Zeit ein Macbook Neo gegeben, hätte er sich vielleicht dafür entschieden und in seinen späteren IT-Jobs seinen Kauf immer dann bereut, wenn er mal wieder einen USB-Dongle zum Anschließen gebraucht hätte. Als Redakteur für Hardware testet er jährlich viele Laptops, darunter auch die aktuellen Macbooks und Macs.
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