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"Apple-GPT": Wie Apples eigene KI aussehen wird

Apple plant eine eigene KI, wahrscheinlich schon im nächsten iOS-Update – und die Gerüchte sind handfester als bei Apple üblich. Wir geben eine Übersicht.
/ Christian Rentrop
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So stellt sich Dall-E das kommende "Apple-GPT" vor. (Bild: KI-generiert mit Dall-E)
So stellt sich Dall-E das kommende "Apple-GPT" vor. Bild: KI-generiert mit Dall-E

Wie alle Big-Tech-Unternehmen bastelt auch Apple derzeit an einer generativen KI in Form eines Large Language Models (LLM). Das inzwischen von IT-Journalisten spaßeshalber als "Apple-GPT" bezeichnete KI-System soll baldmöglichst Siri und so manche andere Systemfunktion von Apple-Geräten unterstützen und Nutzern bei der Bewältigung ihrer Aufgaben helfen. Der Clou: Anders als etwa bei Microsoft mit seinen inzwischen tief integrierten OpenAI-Lösungen soll Apples KI lokal auf Apple-Endgeräten laufen.

Und das wahrscheinlich schon ab September 2024: Dann erscheint voraussichtlich iOS 18. Und glaubt man den Gerüchten, soll die neue iPhone-Systemversion laut Mark Gurmann von Bloomberg das wohl "größte iOS-Update aller Zeiten" werden. Reichlich KI-Funktionen sollen schon drin sein.

Tim Cook deutete diese Entwicklung Anfang Februar – apple-typisch vernebelt – im Rahmen des vierteljährlichen Earnings-Call(öffnet im neuen Fenster) zu den Quartalszahlen an: Apple investiere in die Zukunft: "Dazu gehört auch die künstliche Intelligenz, für die wir weiterhin viel Zeit und Mühe aufwenden. Wir freuen uns darauf, im Laufe des Jahres Einzelheiten über unsere laufenden Arbeiten in diesem Bereich bekanntzugeben." Gemeint kann nur die WWDC 2024 sein, die jährliche Entwicklerkonferenz, auf der Apple traditionell neue iOS- und MacOS-Versionen präsentiert.

Ferret: Apples Allround-KI

Doch was wird da kommen? Im Oktober 2023 veröffentlichte Apple unter nicht-kommerzieller Lizenz bei Github ein Multimodal Large Language Model namens Ferret(öffnet im neuen Fenster). Gleichzeitig erschien ein Preprint Paper von Forschern bei Apple und der Columbia University (PDF)(öffnet im neuen Fenster), das die Funktionen des Models genauer beschreibt. Ferret hat laut den Autoren "räumliches Bewusstsein" und kann Bildinhalte sehr präzise analysieren. Dadurch soll es zum Beispiel möglich werden, Rezepte anhand eines Fotos des fertigen Gerichts abzurufen.

Apples eher ungewöhnlicher Schritt, ein wichtiges Produkt vorab per Open-Source-Veröffentlichung zu verraten, hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass Apple derzeit nicht die Kapazitäten besitzt, um aufwendige KI-Systeme vollständig inhouse zu entwickeln. Der Konzern ist schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach KI-Ingenieuren(öffnet im neuen Fenster). Zudem fehlt es an eigenen Hyperscaler-Lösungen, wie die Konkurrenten Amazon, Google und Microsoft sie mit AWS, Azure und Google Cloud Platform besitzen. Daher wird die Open-Source-Community angezapft.

Machine-Learning-Projekte auf Apples AI-Playlist

Doch nicht nur Ferret ist auf Apples AI-Playlist: Mit HUGS(öffnet im neuen Fenster) (Human Gaussian Splats) forscht der Konzern zusammen mit dem Max Planck Institute for Intelligent Systems an animierbaren menschlichen 3D-Avataren, die aus Videoszenen generiert und anschließend anderswo eingesetzt werden können. Dass hier vor allem Apples Augumented Reality und die Apple Vision Pro das Ziel sind, dürfte auf der Hand liegen. Der passende Sourcecode ist bereits wieder von Github verschwunden.

Begrenzte Ressourcen? Kein Problem, meint Apple

Doch zurück zu iOS 18: Anfang Januar 2024 veröffentlichte Apple, ebenfalls auf arXiv, ein Paper über die "Effiziente Inferenz großer Sprachmodelle mit begrenztem Speicher (PDF)(öffnet im neuen Fenster)". Es verwundert nicht, dass Apple in diese Richtung forscht, schließlich ist, soviel Sarkasmus sei erlaubt, "begrenzter Speicher" eine Spezialität aus dem Hause Cupertino.

Hier forscht der Konzern daran, das gesamte MLLM auf den begrenzten Ressourcen eines iPhones laufen zu lassen, mit erstaunlichen Ergebnissen: Apples Technik reduziert den für den Betrieb notwendigen Datenaustausch zwischen RAM und Flash-Speicher massiv durch statistische Routinen, die bereits bei einigen anderen Machine-Learning-Anwendungen von Apple zum Einsatz kommen: Die iPhone-KI schätzt sozusagen, was als Nächstes passieren wird – und erzielt laut den Autoren dadurch eine Leistungssteigerung um den Faktor 25 gegenüber vergleichbaren Modellen auf solchen Plattformen.

All diese Projekte haben eines gemeinsam: Sie sind Teile eines großen Ganzen, das Apple derzeit aber noch vor der Öffentlichkeit verbirgt. Die Resultate sind interessant und es ist erkennbar, wohin die Reise geht. Das eigentliche "Apple-GPT" als umfassendes, sprachgestütztes KI-Modell allerdings ist noch nicht deutlich erkennbar. Wahrscheinlich ist jedoch, dass Apple das System eng mit dem hauseigenen Sprachassistenten verknüpft.

Siri und Co. sind ins Hintertreffen geraten

Als Apple 2011 Siri(öffnet im neuen Fenster) vorstellte, waren Fachwelt und Nutzer zwar begeistert: Endlich mit dem Handy sprechen – eine Revolution, wenn auch damals noch mit sehr wenig Machine Learning. Apples Siri geriet allerdings schnell ins Hintertreffen: Im Vergleich zu später erschienen Mitbewerbern wie etwa Amazons Alexa(öffnet im neuen Fenster) (2014) oder Google Assistant(öffnet im neuen Fenster) (2016) ist Siri vergleichsweise störrisch.

Für Apple wäre der Zeitpunkt optimal: Zwar hat Microsoft seinen Sprachassistenten Cortana bereits Mitte 2023 beerdigt und gegen den KI-basierten Copilot ausgetauscht. Dessen Integration lässt aber noch zu wünschen übrig. Auch Amazon(öffnet im neuen Fenster) und Google(öffnet im neuen Fenster) sind noch dabei, ihre ebenfalls nicht mehr zeitgemäßen Sprachassistenten ins KI-Zeitalter zu hieven, aber hier sind für Endkunden noch wenig konkrete Ergebnisse zu erkennen.

Apple: der erste Hersteller mit umfassender lokaler KI für Otto Normalnutzer?

Wie bei Apple üblich, dürfte es sich dabei um eine umfassende Lösung handeln, die sich tief ins Betriebssystem integriert und sämtliche System-Apps auf einen Schlag mit der KI verbindet. Gleichzeitig besitzt Apple durch seine Neural Engine in den Apple-Silicon-Prozessoren eine gute technische Basis.

Durch den lokalen Ansatz – sofern dieser tatsächlich realisiert wird – hätte Apple zudem einen enormen Vorteil in Sachen Datenschutz und Sicherheit. Kurzum: "Apple-GPT"kann, zumindest nach aktuellen Standards, ein hervorragendes KI-Produkt werden. Sofern es Apples MLLM tatsächlich ins iOS-18-Update schafft, könnte Apple in Sachen KI für Endbenutzer ab September wieder vorne liegen – so wie seinerzeit bei Siri.


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