Abo
  • IT-Karriere:

Apple: Geheim war gestern

Der Umgang mit Leaks zum kommenden iPhone 8 ist hysterisch - und geradezu absurd professionell. Die Steilvorlage kommt in diesem Fall von Apple selbst.

Artikel von Patrick Beuth/Zeit Online veröffentlicht am
Das Ratespiel um das Aussehen des kommenden iPhones geht in die nächste Runde.
Das Ratespiel um das Aussehen des kommenden iPhones geht in die nächste Runde. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Marques Brownlee alias MKBHD hat das iPhone 8 in einem Youtube-Video vorgestellt, schätzungsweise einen Monat, bevor Apple es selbst tun wird. Mehr als 1,6 Millionen Menschen haben es sich bisher angesehen und rund 9.000 haben es kommentiert. Dabei hält Brownlee nur ein funktionsuntüchtiges Gehäuse in der Hand, die physische Manifestation von Gerüchten.

Stellenmarkt
  1. BWI GmbH, München, Meckenheim
  2. Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Berlin

Es ist der bisherige Höhepunkt der professionellen Verwertung von Apple-Leaks. Bereits Ende Juni veröffentlichte der Youtube-Kanal Tigermobiles ein Video mit einem Dummy-Gehäuse, jedoch ohne weitere Erklärungen und ohne simulierte Benutzeroberfläche. Das Video des bekannten US-Videobloggers MKBHD - er hat 4,8 Millionen Abonnenten - ähnelt hingegen in weiten Teilen einer ganz normalen, professionellen Produktbesprechung: Brownlee erklärt neue Funktionen, vergleicht das Design mit dem anderer Smartphones und gibt ein Urteil ab. Dass er das Produkt nicht hat, spielt eigentlich keine Rolle.

Das Ausmaß des Irrsinns ist wenig überraschend. Im Jubiläumsjahr 2017, zehn Jahre nach der Präsentation des ersten iPhones, erwarten Fachwelt und Apple-Fans ein besonderes Produkt. Oder wenigstens einen auf den ersten Blick erkennbaren Entwicklungssprung. Das Design des iPhones hat sich schließlich seit drei Jahren kaum verändert, vor allem das Verhältnis von Bildschirm- und Gehäusegröße ist in der High-End-Liga nicht mehr zeitgemäß.

Selbstverständlich könnte Apple diese Erwartungen getrost ignorieren. Die iPhone-Entwicklung ist schließlich kein Wunschkonzert und selbst die unwahrscheinlichsten Gerüchte sind letztlich kostenloses Marketing. Apple kann also gut damit leben, dass Menschen wie Brownlee daraus ein eigenes Geschäft machen.

Nur ist dem notorisch geheimniskrämerischen Unternehmen in diesem Jahr ein schwerer Ausnahmefehler unterlaufen. Monate vor dem Verkaufsstart seines Lautsprechers Homepod hat Apple die komplette Firmware dafür auf einem öffentlichen Server hinterlegt. Was wahrscheinlich als Update für Apple-Mitarbeiter gedacht war, die erste Homepod-Prototypen testen sollten, gelangte so vor gut einer Woche in die Hände externer Entwickler. Die finden in dem Code seither fast täglich neue Details zu kommenden Apple-Produkten, die irgendwie mit dem Homepod kommunizieren können werden: 4K- und HDR-Unterstützung für Apple TV, neue Workout-Programme für die Apple Watch - und reihenweise Hinweise auf das nächste iPhone, bis hin zum Design.

Aus dem Code lässt sich ableiten, dass das iPhone 8 (oder X oder wie auch immer es heißen wird) auf der Vorderseite fast nur noch aus Display bestehen wird, auch wenn der Gehäuserand nicht ganz so schmal ausfallen dürfte wie der des Samsung Galaxy S8. Für den ikonischen Homebutton mit eingebautem Fingerabdrucksensor ist dementsprechend kein Platz mehr. Stattdessen soll das Gerät per Gesichtserkennung entsperrt werden können - und zwar dank Infrarot auch im Dunkeln und ohne dass Nutzer es sich direkt vor die Nase halten müssen. Auch ein Hinweis auf kabelloses Aufladen des iPhones findet sich in der Homepod-Firmware.

Leaken für den Lebensunterhalt

Es sind alles Gerüchte, die auch schon vorher kursierten. (Weshalb es bestimmt Menschen gibt, die nicht an einen Fehler von Apple, sondern an Absicht glauben.) Im vermutlich versehentlich veröffentlichten Code manifestieren sie sich in Form von Icons, Dateinamen und Funktionsbezeichnungen. Das iPhone-Design mit dem fast randlosen Display etwa taucht darin als extrem vereinfachte schematische Darstellung auf, die Gesichtserkennung in Bezeichnungen wie Pearl ID, resting.pearl.unlock und FaceDetect.

Entwickler wie Steve Troughton-Smith haben sich darauf spezialisiert, solche Hinweise zu finden und zu interpretieren. Der Ire hat mittlerweile eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um seinen Lebensunterhalt mit derlei Analysen zu finanzieren.

Zuvor hatte Evan Blass alias @evleaks versucht, als hauptberuflicher Leaker über die Runden zu kommen. Zwischen 2012 und 2014 war er geradezu berüchtigt für seine Vorabveröffentlichungen von Produkten der Hersteller HTC, Nokia, Sony, LG, Motorola und anderen. Doch mit seiner werbefinanzierten Website nahm er zu wenig ein, auch weil seiner Ansicht nach zu viele Leser einen Adblocker benutzten. Heute arbeitet er als Journalist für Venturebeat.

Wie Apples Management selbst einräumt, gibt es noch einen weiteren Weg, mit Informationen über kommende iPhones Geld zu verdienen: Arbeiter von Apples Zulieferern in China würden mitunter von Schwarzmarkthändlern dafür bezahlt, Fotos oder Bauteile aus den Fabriken zu schmuggeln. Einzelheiten zu solchen Vorfällen und zu dem, was Apple dagegen unternimmt, wurden ... geleakt.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 349,00€
  2. 529,00€

Bujin 11. Aug 2017

Der Trend zeichnet sich schon seit Jahren ab. Große Firmen versuchen entweder direkt...

berritorre 10. Aug 2017

ähm, ich habe kein Jolla. Auch kein Iphone. Du musst da in der Baumstruktur irgendwie...

Icestorm 10. Aug 2017

Gestern noch bei Monty Python, heute schon im Internet *g*

vertical 10. Aug 2017

Interessante Tipps, danke. Das erste ist übrigens auch auf Deutsch erschienen: https...

Trollversteher 10. Aug 2017

Und warum ist "weil es ein Apple ist" es ein Kaufgrund? Denk mal drüber nach - wenn...


Folgen Sie uns
       


Doom 1 in der Doom 3 Engine angespielt

Doom Reborn benötigt eine Vollversion von Doom 3 und ist bei moddb.com kostenlos erhältlich. Die Mod wurde von Michael Hanlon entwickelt.

Doom 1 in der Doom 3 Engine angespielt Video aufrufen
Energie: Wo die Wasserstoffqualität getestet wird
Energie
Wo die Wasserstoffqualität getestet wird

Damit eine Brennstoffzelle einwandfrei arbeitet, braucht sie sauberen Wasserstoff. Wie aber lassen sich Verunreinigungen bis auf ein milliardstel Teil erfassen? Am Testfeld Wasserstoff in Duisburg wird das erprobt - und andere Technik für die Wasserstoffwirtschaft.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Autos Elektro, Brennstoffzelle oder Diesel?
  2. Energiespeicher Heiße Steine sind effizienter als Brennstoffzellen
  3. Klimaschutz Großbritannien probt für den Kohleausstieg

In eigener Sache: Neue Workshops zu agilem Arbeiten und Selbstmanagement
In eigener Sache
Neue Workshops zu agilem Arbeiten und Selbstmanagement

Wir haben in unserer Leserumfrage nach Wünschen für Weiterbildungsangebote gefragt. Hier ist das Ergebnis: Zwei neue Workshops widmen sich der Selbstorganisation und gängigen Fehlern beim agilen Arbeiten - natürlich extra für IT-Profis.

  1. In eigener Sache ITler und Board kommen zusammen
  2. In eigener Sache Herbsttermin für den Kubernetes-Workshop steht
  3. Golem Akademie Golem.de startet Angebote zur beruflichen Weiterbildung

Radeon RX 5700 (XT) im Test: AMDs günstige Navi-Karten sind auch super
Radeon RX 5700 (XT) im Test
AMDs günstige Navi-Karten sind auch super

Die Radeon RX 5700 (XT) liefern nach einer Preissenkung vor dem Launch eine gute Leistung ab: Wer auf Hardware-Raytracing verzichten kann, erhält zwei empfehlenswerte Navi-Grafikkarten. Bei der Energie-Effizienz hapert es aber trotz moderner 7-nm-Technik immer noch etwas.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Navi 14 Radeon RX 5600 (XT) könnte 1.536 Shader haben
  2. Radeon RX 5700 (XT) AMD senkt Navi-Preise noch vor Launch
  3. AMD Freier Navi-Treiber in Mesa eingepflegt

    •  /