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Apple-Facebook-Streit: Die Macht der aufgeklärten Nutzer

Facebook warnt vor hohen Umsatzeinbußen bei Apps , wenn Apple die Trackingvorgaben ändert. Das zeigt den Einfluss informierter Einwilligung.
/ Christiane Schulzki-Haddouti
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Facebook-CEO Mark Zuckerberg (hier bei der Kongress-Anhörung) hat derzeit einige Themen, um die er sich kümmern muss. (Bild: Mandel Ngan/Pool/AFP via Getty Images)
Facebook-CEO Mark Zuckerberg (hier bei der Kongress-Anhörung) hat derzeit einige Themen, um die er sich kümmern muss. Bild: Mandel Ngan/Pool/AFP via Getty Images

Cookiebanner nerven Nutzer schon jetzt gehörig beim Surfen im Internet. Nach dem Willen von Apple soll es künftig auch bei jeder App auf iPhones oder iPads eine Abfrage geben, ob bestimmte Trackingverfahren eingesetzt werden dürfen. Nach einer öffentlichen Warnung von Facebook hat Apple nun die Pläne etwas verschoben. Doch was steckt genau dahinter und wird damit wirklich die Privatsphäre der Nutzer besser geschützt? Und was unterscheidet das Apple-Konzept vom Trackingschutz auf Android-Geräten?

Konkret will Apple den Nutzern die Kontrolle über die sogenannte Werbe-ID, den IDFA (Identifier for Advertisers), geben. Die ID wurde mit iOS 7 eingeführt, um interessenorientierte Werbebanner einblenden zu können. Mit iOS 14 soll der Trackingschutz kommen.

Freischaltung für jede einzelne App

Das Tracking will Apple mit einer Veränderung des Einwilligungsmanagements erschweren. Tracking-Forscher Wolfie Christl vom unabhängigen Forschungsinstitut Cracked Labs(öffnet im neuen Fenster) erklärt: "Bei Apple muss nun jede einzelne App die Nutzer erst fragen, ob die Werbe-ID für Tracking genutzt werden darf. Nach einer Ablehnung können die Apps nicht so schnell nochmal fragen." Facebook nimmt an, dass viele Nutzer keine Einwilligung erteilen. Apple will nun mit der Einführung bis Anfang 2021 warten , um den Entwicklern genügend Zeit zur Anpassung zu geben.

Schon bisher können Nutzer die Übermittlung der IDFA über das Untermenü unter "Einstellungen > Datenschutz > Werbung" einschränken beziehungsweise die ID neu erzeugen lassen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen etwa empfiehlt, die Werbe-ID regelmäßig zurückzusetzen(öffnet im neuen Fenster) , damit unter der ID nicht zu viele Daten gesammelt werden können. Dies erschwere den Werbeanbietern das Tracking. Werden jedoch unveränderliche Identifikationsmerkmale in Kombination mit der Werbe-ID übertragen, wird dies jedoch unterlaufen. Selbst eine neugenerierte ID lässt sich dann wieder eindeutig einem Nutzer zuordnen.

Apple plant außerdem die Einführung einer Art Tracking-Label. So soll der Nutzer bereits im App Store erkennen können, ob eine Anwendung ihre Nutzer trackt. Mit diesem Privacy-Projekt will der Konzern nicht warten, sondern bereits im Herbst damit starten.

Die Macht der transparenten Einwilligung

Die Kritik von Facebook an Apple mutet zunächst etwas willkürlich an, da auch Android-Anwender die Nutzung ihrer Werbe-ID für Trackingzwecke jederzeit einschränken können. "Die Einstellung haben aber vergleichsweise wenige Leute gefunden, weil sie gut im Untermenü vom Untermenü versteckt ist" , sagt Wolfie Christl. Zudem ist bisher die uneingeschränkte Nutzung für Profiling voreingestellt. App-Entwickler versuchten in der Vergangenheit zudem, die Zurücksetzung oder Abschaltung der Werbe-ID zu umgehen, indem sie nach anderen unveränderlichen Identifizierungsmerkmalen suchen .

Die Evolution der App Ads Monetarisierung bei Facbook (Vortrag auf F8 2019)
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App-Hersteller können die Art, wie sie die Nutzer nach ihrer Einwilligung fragen, bei Apple künftig nur begrenzt anpassen. "Apple gibt sehr viel vor" , sagt Christl. So werde laut der von Apple veröffentlichten Dokumentation zwingend ein Text eingeblendet, der sehr deutlich vor der Datenweitergabe an "andere Firmen" warnt. Daraus könnten die App-Hersteller nicht einfach ein die Datenweitergabe verschleierndes "Wir möchten die Werbe-ID nutzen, um deine Nutzererfahrung zu verbessern" machen.

Weniger manipulativ

Christl vermutet, dass Facebooks Befürchtungen nicht übertrieben sind: "Wenn das alles so bleibt, könnte es dazu kommen, dass ein so großer Teil der Nutzer diese Einwilligung ablehnt, dass die App-Hersteller gar nicht erst fragen möchten." Damit wäre deutlich: "Einwilligung ist nicht gleich Einwilligung. Es kommt sehr auf die konkrete Gestaltung an." Wird beispielsweise nur davon gesprochen, dass das Nutzererlebnis irgendwie optimiert werden soll, klingt das weniger alarmierend, als wenn erklärt wird, dass dafür die Nutzungsdaten an Drittfirmen übermittelt werden. Die von Apple geplante Gestaltung der Einwilligung sei jedenfalls "weniger manipulativ als viele andere Einwilligungen – und ein Fortschritt."

Zufrieden ist der Wiener Datenschutzexperte jedoch nicht, da jede Einwilligung an sich die Nutzer nerve. "Apple hätte die Werbe-ID besser gleich ganz abschaffen sollen" , findet er. Möglicherweise könnten sich die geplanten Änderungen aber "wirklich so positiv entwickeln, wie es scheint." Dem Anschein nach meint es Apple durchaus ernst damit, die Privatsphäre seiner Nutzer besser zu schützen.

Es gibt noch offene Fragen

Einige Fragen blieben jedoch noch ungeklärt. Dürfen beispielsweise App-Hersteller die Nutzung einer App verweigern, wenn die Einwilligung zum firmenübergreifenden Tracking verweigert wird? Und inwieweit dürfen App-Hersteller den Nutzern Anreize für die Einwilligung bieten? Außerdem dürfen App-Hersteller die Werbe-ID auch in Zukunft immer noch für einige Zwecke ohne Einwilligung verwenden. "Was das konkret bedeutet, ist noch nicht ganz klar" , sagt Christl.

Facebook geht es in der Auseinandersetzung um Anteile am Werbe-Onlinemarkt. Ein weiterer Streitpunkt zwischen Apple und Facebook ist daher auch der Umgang mit dem Facebook-Angebot Audience Network. Dabei handelt es sich um eine Funktion, mit der ausgewählte Influencer und Facebook-Nutzer Live-Online-Veranstaltungen anbieten und über eine Zugangsgebühr bei der Registrierung der Gäste monetarisieren können.

Facebook warnt davor(öffnet im neuen Fenster) , dass die Umsätze für App-Anbieter um 50 Prozent auf iOS-14-Geräten ohne personalisierte Werbung zurückgehen könnten. Das Unternehmen befürchtet sogar, dass die Nutzung des Audience Network unter iOS 14 so unwirksam sei, dass es in Zukunft gar keinen Sinn ergebe, es auf iOS 14 anzubieten.

In diesem Zusammenhang hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg in dieser Woche in einem Interview (öffnet im neuen Fenster) die strikte Zugangskontrolle durch Apple auf dessen Endgeräte kritisiert. Apple verfüge über eine "einseitige Kontrolle" , was den Wettbewerb einschränken könne. Im Gegensatz dazu erlaube Google, dass Apps auf Android-Geräten auch aus anderen Quellen als dem Play Store installiert werden könnten. Das Vorgehen Apples sei fragwürdig und rechtfertige eine genauere Prüfung, sagte Zuckerberg.


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