Apple-Chef im Interview: Tim Cook über Android, Apple-TV, Steuern und Google Glass

Nein, zu neuen Produkten verrät Tim Cook im Gespräch mit Walt Mosberg und Kara Swisher(öffnet im neuen Fenster) vom Wall Street Journal nichts, zumindest nichts Konkretes. Und so bleibt der Apple-Chef einmal mehr sehr vage in seinen Aussagen und nutzt die Gelegenheit, Apples Positionen zu erläutern, ohne Ankündigungen zu machen oder auch nur etwas zu sagen, woraus sich eine Ankündigung ableiten lässt. Mit einer kleinen Ausnahme: Cook verspricht mehr Offenheit.
Seine geschlossenen Plattformen wolle Apple in Zukunft mehr öffnen, sagt Cook, schränkt aber direkt ein, dies werde nicht soweit gehen zu riskieren, dass Kunden ein "schlechtes Produkterlebnis" hätten. "Wir gehen davon aus, dass Kunden uns dafür bezahlen, dass wir ihnen einige Entscheidungen abnehmen."
Beim Fernsehen lässt sich viel verbessern
Der Apple-Chef wehrt sich gegen den Vorwurf, dass Apple seinen Nimbus, die Welt verändern zu können, verloren habe. Apples Kultur sei weiterhin intakt, die meisten Leute seien noch dabei und Apple arbeite an einigen "Game-Changers" .
Ein solches Projekt soll nach wie vor ein Apple-Fernseher sein, bislang gibt es mit Apple-TV aber nur eine kleine Set-Top-Box. Von dieser habe Apple mittlerweile 13 Millionen Stück verkauft, allein die Hälfte davon im letzten Jahr, sagt Cook. Apple könne daraus viel für die weitere Arbeit in Sachen Fernsehen lernen. Das Unternehmen habe hier eine "große Vision" .
Android: Es geht um die Nutzung, nicht um die Verkaufszahlen
Über den wachsenden Marktanteil von Android, das Markforschern zufolge Apples iOS überholt hat, mache er sich keine Sorgen, beteuert Cook. Er schaue sich die Zahlen an, steigere sich da aber nicht rein. Apple sei es nie darum gegangen, die meisten Geräte zu verkaufen. Auch bei PCs und Telefonen sei das so: Apple verkaufe die besten, aber nicht die meisten.
Für ihn sei ein wichtiger Indikator zur Beurteilung des eigenen Stands die Nutzung der Geräte. Und hier liege Apple vorn. So habe Apple beispielsweise beim Webbrowsing mit Tablets einen Marktanteil von 80 Prozent. Cook verweist auf eine Studie von IBM, die untersucht hat, mit welchen Geräten am letzten Black Friday in den USA welcher E-Commerce-Umsatz gemacht wurde. Über das iPad allein sei dabei mehr Umsatz gemacht worden als über alle Android-Geräte, Tablets und Smartphones zusammengenommen. Für das iPhone gelte das Gleiche.
Apple gehe es darum, das Leben seiner Kunden zu bereichern, sagt Cook. Es würden weltweit zwar viele Smartphones verkauft, aber nur wenige auch als solche genutzt. So würden viele Android-Smartphones verwendet wie einfachere Feature-Phones. Zudem sei so manches Tablet eines anderen Herstellers gekauft und ausprobiert, aber dann beiseite gelegt worden. Das sei beim iPad anders. Es habe die Art und Weise, wie Computer genutzt werden, verändert. Er selbst nutze das iPad für einen großen Teil seiner Arbeit, das höre man von Android-Nutzern eher selten.
Neben Nutzung und E-Commerce-Umsatz sei die Kundenzufriedenheit ein wichtiger Indikator für Erfolg. Auch hier liege Apple weit vorn.
Google Glass nur ein Nischenprodukt
Google Glass hält Cook nicht für ein Produkt, das die breite Masse ansprechen wird. Er selbst trage eine Brille, weil er müsse, sagt Cook, er kenne aber nur wenige Menschen, die freiwillig eine Brille trügen. Auch sei es vielen Brillenträgern wichtig, dass die Gestelle leicht und kaum sichtbar seien. Daher werde Google Glass vermutlich ein Nischenprodukt bleiben.
Etwas am Handgelenk zu tragen, sei dagegen natürlich. Deshalb halte er das Thema "Wearables", also am Körper getragene Technik, für sehr spannend, sagt Cook, der selbst ein Nike Fuelband trägt. Bei Teenagern sei das allerdings anders, denn sie trügen oft nicht einmal mehr Uhren und müssten daher erst durch tolle Produkte überzeugt werden.
Nach Ansicht von Cook sind dabei vor allem Geräte erfolgreich, die nur eine Aufgabe übernehmen, nicht mehrere zugleich. Konkreter will er aber nicht werden. Er räumt auf Nachfrage lediglich ein, dass das Thema Sensoren "explodieren" werde.
Warum gibt es nur ein iPhone-Modell?
Die Frage, warum Apple nur ein iPhone-Modell anbietet, während es vom iPod diverse Modelle gab, beantwortete Cook wie folgt: Es sei sehr aufwendig ein Telefon zu entwickeln, wenn man es richtig machen wolle und dabei Hardware, Software und Dienste unter eigener Kontrolle habe. Darauf habe sich Apple konzentriert. Das müsse aber nicht so bleiben.
Der iPod Shuffle sei ein ganz anderes Produkt mit anderem Funktionsumfang als die anderen iPod-Modelle. Auch der iPod Mini habe sich deutlich vom klassischen iPod unterschieden. Die unterschiedlichen Modelle hätten unterschiedliche Bedürfnisse erfüllt. Es müsse sich erst zeigen, ob das bei Telefonen funktioniere.
Die Displaygröße sei nur ein Faktor unter vielen, sagt Cook auf explizite Nachfrage: Für Kunden würden auch korrekte Farben, die Helligkeit des Displays und die Akkulaufzeit des Geräts zählen. Doch diese Faktoren stehen zum Teil im Widerspruch zueinander. Apple müsse diese Faktoren daher abwägen und eine gute Antwort auf diese Tradeoffs finden.
Mehr Übernahmen
Die Zahl seiner Übernahmen hat Apple laut Cook erhöht. Allein im aktuellen Geschäftsjahr, das im Oktober 2012 startete, habe Apple bereits neun kleinere Unternehmen gekauft, rede aber nicht darüber. Große Übernahmen, die Apple auch öffentlich machen müsste, seien derzeit nicht geplant. Apple schließe eine große Übernahme aber auch nicht aus, wenn sie sinnvoll sei. Cook geht aber eher davon aus, dass Apple die Zahl der kleinen Übernahmen weiter erhöhen wird.
Cook für Vereinfachung des Steuersystems
Viel Kritik gab es zuletzt an Apple wegen dessen Steuervermeidungsstrategien, die Cook kürzlich vor dem US-Senat erklären musste. Apple wende keine Steuertricks an, sagt Cook. Das Unternehmen zahle in den USA einen effektiven Steuersatz von 30,5 Prozent, in Summe rund 6 Milliarden US-Dollar.
Im Gespräch mit Mosberg und Swisher wirbt Cook erneut für eine Steuerreform für eine aufkommensneutrale Steuer mit geringeren Steuersätzen, aber weniger Ausnahmen. Ein so extrem vereinfachtes Steuersystem könne dazu führen, dass bisher im Ausland versteuerte Gewinne wieder in die USA zurückgeholt würden. Wie viele andere multinationale Konzerne habe Apple Töchter außerhalb der USA, beispielsweise in Irland, die mit eigenen Mitteln die Forschung und Produktentwicklung in den USA finanzierten und in ihren lokalen Märkten die daraus resultierenden Produkte verkauften, sagt Cook. Dadurch fielen diese Einnahmen den lokalen Töchtern zu, die sie dann in den jeweiligen Ländern versteuerten.
Cook warnt davor, die Steuergesetze in den USA so zu verändern, dass sämtliche Gewinne mit Produkten, die in den USA entwickelt werden, auch dort versteuert werden müssen. Unternehmen, die wirtschaftliche Entscheidungen treffen müssen, hätten dann einen Anreiz, ihre Produkte in anderen Ländern zu entwickeln, was sich negativ auf die Arbeitsplätze in den USA auswirken könne.



