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Wenn es nicht anders geht, braucht es die Chipkarte

Apple hat neben Apple Pay mit einer physischen EMV-Karte noch eine Alternative im Angebot. Sie funktioniert aber nach derzeitigem Stand nicht kontaktlos und hat einen kleineren Rabattsatz von nur einem Prozent. Apple will offenbar nicht, dass Anwender diese Karte nutzen, sondern dass sie per NFC an EMV-Contactless-Terminals bezahlen - also mit Apple Pay. Das geht aber nur, wenn EMV Contactless unterstützt wird. Die EMV-Chip-Kontaktflächen sind also offenbar nur für die Notfälle gedacht, wenn die Drahtlosfunktion nicht von einem Terminal unterstützt wird oder es damit Probleme gibt. Das kann nach Erfahrungen von Golem.de in Ausnahmefällen durchaus mal passieren.

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Mutig ist dabei Apples Ansatz zur Sicherheit der physischen Karte. Der Karte fehlt nicht nur EMV Contactless, sondern auch die Hochprägung und mutmaßlich der Magnetstreifen. Zumindest ist auf den Bildern keiner zu erkennen. Gerade in den USA braucht man diesen bei kleinen Händlern aber oft noch zum Bezahlen. In einigen Ländern ist die EMV-Bezahlung per Chip zudem noch nicht so verbreitet. Die Karte hat außerdem keine aufgedruckte Kreditkartennummer. Auch die Sicherheitsnummer gibt es nicht. Das heißt, die geklaute Karte ist für Online-Bestellungen nutzlos.

Das ist ein Ansatz, den sich die traditionellen Banken bisher kaum trauen. Sie setzen auf maximale Kompatibilität. Deswegen ist eine Girocard beispielsweise auch oft mit Maestro oder V-Pay kompatibel, sind Magnetstreifen vorhanden und Kreditkarten haben in aller Regel noch eine Hochprägung, obwohl die sogenannten Imprinter alias Ritschratsch-Geräte bereits mehreren Generationen nicht oder kaum bekannt sind. Die Branche ist langsam und Apple wirft diese Altlasten einfach über Bord - zulasten der Kompatibilität mit dem Finanzwesen.

Für Apple und die Bankpartner, in den USA Goldman Sachs, dürfte das aber weniger Geldaufwendungen für Betrugsfälle bedeuten. Entsprechende lukrative Angriffsmodelle müssten erst entwickelt werden. Während eine EMV-Contactless-Karte geklaut und für Einkäufe zwischen jeweils 25 und 50 Euro einfach so verwendet werden kann, bringt der Diebstahl der EMV-Karte erst einmal nichts, solange der Dieb keinen Automaten findet, der EMV-Chipkontakt-Zahlungen ohne PIN zulässt. Zumal zu erwarten ist, dass beim ersten betrügerischen Einsatz der Anwender eine Benachrichtigung auf sein iPhone bekommt. Bei kontaktlosen Kredit- oder Debitorenkarten hilft als Diebstahlschutz da nur der Gang zur Bank samt der Bitte um die Sperre von kontaktlosen Zahlungen. Apple hingegen verlangt auch auf dem Smartphone per NFC die Freigabe per Authentifizierung, unabhängig von der Summe.

Solche Funktionen sind noch längst nicht bei allen Banken Standard. Vor allem Kreditkarten, die nicht Teil eines Girokontos sind, sind hier weit weg von der Moderne. Da kostet der SMS-Service, der eigentlich die Sicherheit auch für die Bank erhöht, extra Geld und die SMS kommen auch mal verspätet an. Eine App zur Kontrolle ist ebenfalls noch kein Standard und es gibt sogar Banken, die bei Umstellung auf papierbehaftete Rechnung den Onlinezugang samt Live-Umsatzübersicht kappen. Entweder oder, heißt es da. Nicht zu vergessen, das Konzept der angefragten Umsätze. Hier dauert es selbst online mitunter Tage, bis der Nutzer weiß, was da eigentlich auf dem Kartenkonto los ist. All das verspricht Apple, vernünftig zu lösen. Und bei diesen Smartphone-Details ist Apples Ansatz ebenfalls spannend.

Abseits der Zahlungsmodalitäten und technischen Details ist die Apple Card noch in anderer Hinsicht sehr interessant: bei der Transparenz der Zahlungen selbst. Die Möglichkeit zu erkennen, wofür der Anwender etwas gezahlt hat und idealerweise auch, wo gezahlt wurde. So einfach, wie es Apple darstellt, ist es aber nicht. Apple zufolge erkennt man in einer Abrechnung eigentlich gar nichts, da dort Händler-IDs und scheinbare Zufallszahlen zu sehen sind. Banken bemühen sich durchaus, hier mehr Übersicht in die Systeme zu bringen, Zahlungen etwa zu klassifizieren, um dann Übersichten zu ermöglichen. Zudem lässt sich ein spezielles Geschäft doch recht oft in der Abrechnung identifizieren. Es gibt also Banken, die mehr bieten als die Kreditkartenrechnung mit kaum dechiffrierbaren Einträgen.

Apples Ansatz geht aber weiter in Verbindung mit den eigenen Standortdaten, die sonst nur die Banken kennen und für sich behalten. Apple speichert gewissermaßen ein Zahlungsbewegungsprofil auf dem Smartphone mit dem Versprechen, dass diese Daten nicht mit Apple geteilt werden. Die Bank hat diese Daten ohnehin. Neu ist, dass Anwender selbst so genau nachvollziehen können, wo jeweils bezahlt wurde. Das ist ein Service, den klassische Banken mit ihren Altsystemen äußerst schwer anbieten können. Es bleibt aber abzuwarten, wie gut das System funktionieren wird, da offenbar vieles durch das Verbinden von Daten geschlussfolgert wird.

Für die weltweite Nutzung sieht es mit der Wahl für das Kartenschema Master Card gut aus. Die Akzeptanz ist weltweit gut, selbst in Ländern, in denen andere Kreditkartensysteme stärker genutzt werden, wie etwa Japan Credit Bureau (JCB) oder Chinas Unionpay. In Ländern, in denen die bargeldlose Zahlung eine große Akzeptanz in der Bevölkerung genießt, sind nur sehr wenige Probleme zu erwarten.

Münzen und Scheine bleiben

Auch der Apple Card wird es aber wohl kaum gelingen, das Bargeld abzuschaffen. Der kleine Händler von nebenan hat vielleicht noch ein Magnet-Kartenlesegerät, verlangt für die Kartenzahlung einen Mindestumsatz oder besteht ganz und gar auf Bargeld. Ältere Menschen haben mitunter Schwierigkeiten mit modernen Zahlungsmitteln. Die sinkende Nutzung der Bargeldinfrastruktur treibt derweil die Kosten für diese Infrastruktur nach oben. Ein Teufelskreislauf. Apple Pay und bald auch Apple Card werden hier verstärkend einwirken.

Bis es so weit ist, vergehen aber noch einige Monate bis Jahre. Für den Sommer 2019 hat Apple die Apple Card für die USA angekündigt, eine Erweiterung auf weitere Regionen dürfte folgen. Bis dahin dürften auch noch einige Details ausgearbeitet werden, die bisher unklar sind. Das gilt vor allem für Zahlungsmodalitäten, auch wenn Apple während der Vorstellung die Apple Card als besonders kundenfreundlich dargestellt hat.

Wer in die Schuldenfalle gerät, wird auch bei Apple hohe Kosten tragen müssen. Die Variable APR - also die variablen, jährlich zu zahlenden Zinssätze - liegt zwischen 13,24 und 24,24 Prozent. Wer als nicht besonders kreditwürdig eingestuft wird, muss am meisten zahlen. So ist es aber immer bei Finanzgeschäften und diesbezüglich wird Apple sich nicht groß von der Konkurrenz unterscheiden. Apples Kreditkarte arbeitet mit Zinssätzen, die in den USA durchaus im unteren Mittelfeld sind - insbesondere angesichts einiger Kreditprodukte mit Zinssätzen jenseits der 100 Prozent, die in Deutschland als unverschämt empfunden würden, in den USA aber normal sind. Hierzulande liegen Zinssätze bei Kreditkarten oft zwischen 10 und 15 Prozent.

Dass Apple zu einem Finanzdienstleister - wenn auch nur mit Partner - wird, dürfte große Auswirkungen auf die Branche haben. Es wird Innovationsdruck geben, denn den Banken fehlen Komfortmerkmale wie bei den Abrechnungen, auch wenn erste Ansätze schon vorhanden sind. Auch bei der Transparenz müssten die Banken erst einmal aufschließen, die Zinsen und deren Berechnung doch gerne möglichst versteckt positionieren. Zu guter Letzt dürfte auch das kontaktlose Bezahlen stärker in den Fokus rücken. Das ist allerdings ein Bereich, bei dem Händler in Deutschland mittlerweile international aufgeholt haben. Es gibt aber noch Länder, die nun diesen Druck verspüren werden.

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 Hohe Rabatte, wenige Gebühren
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GourmetZocker 09. Apr 2019

Passt jetzt vielleicht nicht zum Thema aber schon interessant, dass ich in Nepal an...

HabeHandy 29. Mär 2019

Wird dann zum offiziellen interbankenkurs abgerechnet? Mit ungünstigen Kursen kann man...

robinx999 29. Mär 2019

Sind sogar etwas mehr wie Maximal 30 Tage. Ich bekomme von Amex immer die Rechnung am...

heikom36 29. Mär 2019

Gut, dass ich am Waldrand lebe. Waldmeister, Bärlauch, Reh und Wildschwein :-D

Lemo 29. Mär 2019

Ich dachte wir sprechen von Apple Pay? Sorry, da haben wir aneinander vorbeigeredet.


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