Apple, Beats, Bose, Sony und andere: Kopfhörer enthalten gesundheitsschädliche Substanzen
In einer umfangreichen Studie sind 81 Kopfhörermodelle auf schädliche, chemische Substanzen untersucht worden. In allen Kopfhörern und Hörstöpseln wurden Stoffe wie Bisphenol, Phthalate und Flammschutzmittel nachgewiesen. Dazu gehörten auch Geräte großer Markenhersteller wie Apple, Beats, Bose, Huawei, Jabra, JBL, Logitech, Marshall, Samsung, Sennheiser, Razer, Sony und andere.
Besonders schlecht schnitten allerdings Produkte von Onlinemarktplätzen wie Temu ab, bei denen eine besonders hohe Belastung gefunden wurde. Die Forscher fanden in fast allen Kopfhörern Bisphenole, die den Hormonhaushalt stören können. Auch das weitgehend verbotene Bisphenol A (BPA) wurde in 98 Prozent der Proben nachgewiesen.
Der Ersatzstoff Bisphenol S (BPS) war in mehr als 75 Prozent der untersuchten Modelle zu finden. Die maximalen Konzentrationen erreichten 351 mg/kg und lagen damit weit über dem ursprünglich von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) vorgeschlagenen Grenzwert von 10 mg/kg.
Gefährliche Chemikalien quer durch alle Preisklassen
Im Rahmen der Untersuchung wurden 180 Proben von Hart- und Weichkunststoffkomponenten aus 81 Kopfhörerprodukten untersucht. Die Untersuchung fand im vergangenen Jahr statt, so dass nur Produkte untersucht wurden, die vor Anfang 2025 auf den Markt kamen. Viele erschienen demnach bereits 2024 oder vorher.
Die gefährlichen Chemikalien fanden sich in Kopfhörern aller Preisklassen. Wer mehr bezahlt, kann sich also nicht darauf verlassen, ein sicheres Produkt zu erhalten. "Unsere derzeitigen Gesetze sind zu langsam und veraltet, um gefährdete Verbraucher zu schützen, die schädlichen Chemikalien ausgesetzt sind", kritisierte Emese Gulyás, Leiterin des Projekts Toxfree Life for All. "Wir brauchen sofortige, harmonisierte EU-Vorschriften, die ganze Klassen giftiger Chemikalien verbieten."
Die Studie bestätige einen allgemeinen Trend in der Industrie bei der Herstellung von Produkten, dass bereits verbotene Chemikalien lediglich durch leicht modifizierte Verwandte ersetzt werden, die sich fast genauso verhalten.
Die Risiken für die Gesundheit
"Diese Chemikalien sind nicht nur Zusatzstoffe, sie können aus den Kopfhörern in unseren Körper gelangen", erklärte Karolina Brabcová, eine Chemikerin, die bei der Untersuchung beteiligt war. "Die tägliche Verwendung – insbesondere beim Sport, wenn Hitze und Schweiß vorhanden sind – beschleunigt diese Migration direkt auf die Haut."
Sie ergänzte: "Obwohl kein unmittelbares Gesundheitsrisiko besteht, ist die langfristige Exposition, insbesondere bei gefährdeten Gruppen wie Teenagern, sehr besorgniserregend. Es gibt keinen 'sicheren' Grenzwert für endokrine Disruptoren, die unsere natürlichen Hormone nachahmen."
Auch wenn die einzelnen Mengen schädlicher Chemikalien in bestimmten Produkten gering sind, sehen die Forscher darin ein Risiko, weil Menschen mitunter unterschiedlichen Chemikalien ausgesetzt sind, die als gesundheitsschädlich eingestuft sind. Denn durch den Mix verschiedener gefährlicher Stoffe kann potenziell ein schwerwiegendes langfristiges Gesundheitsrisiko entstehen.
Systematisches Versagen
Die Autoren der Studie sehen die Ergebnisse als ein systemisches Versagen der Verbraucherschutzvorschriften in der gesamten Elektronikindustrie. Es wird empfohlen, nach Möglichkeit lieber Lautsprecher statt Kopfhörer zu verwenden und diese nur zu tragen, wenn sie tatsächlich gebraucht werden.
An der Studie beteiligten sich die fünf Verbraucherschutzvereinigungen Verein für Konsumenteninformationen (VKI) aus Österreich, Arnika aus Tschechien sowie dTest aus Tschechien, TVE aus Ungarn und ZPS aus Slowenien. Alle fünf Organisationen haben sich zum Projekt Toxfree Life for All zusammengeschlossen, das durch EU-Gelder unterstützt wird. Das Projekt setzt sich zum Ziel, über die Gefährdung von Chemikalien in Alltagsprodukten hinzuweisen und Bürger darüber aufzuklären.
Erste Ergebnisse dieser Untersuchung wurden bereits im Oktober 2025 von der VKI veröffentlicht(öffnet im neuen Fenster); damals berichteten darüber fast ausschließlich österreichische Medien. Arnika hat vier Monate später die vollständige Studie(öffnet im neuen Fenster) mit ausführlichen Testresultaten veröffentlicht.
Nachtrag vom 21. Februar 2026, 10:30 Uhr
Wir haben uns das Ergebnis der Studie genauer angeschaut und einen gesonderten Bericht dazu veröffentlicht, welche Kopfhörer und Hörstöpsel als besonders gesundheitsschädlich eingestuft wurden.
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