App-Tipps: So behaltet ihr den Überblick über eure Retrospiele-Sammlung
Retrospiele füllen bei manchen enthusiastischen Sammlern ganze Keller, Dachböden oder eigens dafür eingerichtete Gaming-Zimmer. Doch wie lässt sich eine solche Sammlung ohne Excel-Tabelle übersichtlich und schnell katalogisieren und im Blick behalten?
Eine immer beliebtere Alternative sind maßgeschneiderte Apps für iOS- und Android-Mobilgeräte. Einige davon haben wir uns genauer angesehen und hinsichtlich Funktionsvielfalt, Bedienkonzept, Preis-Leistungs-Verhältnis und weiterer Parameter überprüft.
Retro Game Collector: Besonders beliebt bei Sammlern
Mit mehr als 100.000 Downloads und einem Wertungsschnitt von 4,7 von 5 Punkten (basierend auf rund 1.500 Rezensionen) allein im Google Play Store(öffnet im neuen Fenster) zählt Retro Game Collector zu den beliebtesten Apps für passionierte Spielesammler. Es gibt auch eine Fassung für iOS(öffnet im neuen Fenster).
Nach der Installation der rund 277 Megabyte großen App und dem Start wird man von einer übersichtlich gestalteten Oberfläche begrüßt. Sie ermöglicht das Katalogisieren von mehr als 70 verschiedenen Systemen, darunter alle namhaften Konsolen und Handhelds der vergangenen vier Dekaden.
Für jedes dieser Systeme kann man sich eine maßgeschneiderte Datenbank aufs Mobilgerät laden und dann über ein Eingabefeld am oberen Rand nach dem einzutragenden Spiel suchen. Anschließend klickt man das zu katalogisierende Spiel an, tippt auf "Tap to add Game" und legt fest, über welche Komponenten des Gesamtpakets man verfügt.
Liegt ein physisches Spiel vollständig vor, setzt man bei Cart (Modul), Manual (Handbuch) und Box (Verpackung) ein Häkchen. Über die Schaltfläche "Sealed" lässt sich zudem angeben, dass man das Spiel noch in verschweißtem Zustand besitzt, also in seiner wertvollsten Form inklusive Plastikfolie.
Mit Hilfe all dieser Informationen ermittelt die App den ungefähren Marktwert eines Spiels. Wer alle seine physischen Spiele in die Datenbank einträgt, erhält so schnell einen ersten Überblick über den Gesamtwert seiner Sammlung.
Die Wertangaben basieren dabei nach unserem Kenntnisstand vorrangig auf vergangenen Ebay-Verkäufen, aus denen die App einen durchschnittlichen Marktwert berechnet. Doch Vorsicht: Je nach Zustand kann ein wirklich hervorragend erhaltenes Spiel auch deutlich mehr wert sein.
Wer also plant, eigene Games auf Basis dieser Durchschnittspreise zu verkaufen, sollte unbedingt weitere Recherchen anstellen, um besonders hochpreisige Titel nicht unter Wert zu verkaufen.
Ein praktischer Tipp in diesem Zusammenhang: Um schnell herauszufinden, zu welchem Preis ein bestimmtes Retrospiel zuletzt auf Ebay verkauft wurde, gibt man zunächst den Spielnamen als Suchbegriff ein. Anschließend klickt man oben rechts auf "Erweitert", setzt bei "Verkaufte Artikel" einen Haken und klickt zuletzt auf "Finden".
Doch nun zurück zu Retro Game Collector. Sind alle Informationen eingetragen, taucht das Spiel samt Packshot direkt in der systemspezifischen Listenübersicht auf. Diese lässt sich nach verschiedenen Kriterien (Name, Publisher, Seltenheit, User Score, Wert) auf- und absteigend sortieren.
Optional kann auch zu einer Coverübersicht gewechselt werden. Dort können optionale Highres-Cover heruntergeladen, die Datenbank als CSV-Datei exportiert und gezielt Ebay-Auktionen zu Spielen angezeigt werden, die man besitzt und beispielsweise noch vervollständigen möchte, weil Komponenten fehlen. Sehr praktisch!
Hervorragendes Tool für Sammler von Retrospielen
Ein Klick auf einen individuellen Eintrag zeigt Zusatzinformationen an, darunter den Wert der Einzelkomponenten, Ebay-Auktionen zu diesem Spiel sowie eine editierbare Übersicht mit Käufen und Verkäufen (inklusive Notizfunktion), die im Zusammenhang mit diesem Titel bereits durchgeführt wurden.
Wer möchte, kann für jedes Spiel außerdem auf einer Fünf-Sterne-Skala den Zustand bewerten, eine persönliche Wertung abgeben und eigene Kommentare ergänzen. Letzteres bietet sich an, wenn man über Zusatz-Items verfügt (etwa von einer Messe) oder sich Notizen zu defekten Komponenten machen möchte.
Daumen hoch auch für die Option, sich wahlweise täglich oder wöchentlich über neue Auktionen zu ausgewählten Titeln informieren zu lassen.
Alles in allem erweist sich Retro Game Collector dank dieser und anderer Funktionen als hervorragendes Tool für Sammler von Retrospielen. Allerdings hat das Ganze auch seinen Preis. In der Grundinstallation ist lediglich die Gesamtdatenbank für Amiibo-Figuren und -Karten, Virtual Boy, Sega 32X und ein weiteres System nach Wahl enthalten.
Wer Spiele weiterer Systeme hinzufügen möchte, hat zwei Möglichkeiten: entweder das Lifetime-Paket für 90 Euro kaufen oder ein Premium-Abo abschließen. Das kostet monatlich 1,50 Euro beziehungsweise jährlich 13 Euro.
CLZ Games: schnelle Bestandserfassung
Eine weitere bekannte App für Spielesammler ist CLZ Games (Android(öffnet im neuen Fenster) und iOS(öffnet im neuen Fenster)). Im Gegensatz zu Retro Game Collector gibt es hier jedoch kein frei definierbares Startsystem, mit dem man herumexperimentieren kann, sondern lediglich eine Sieben-Tage-Testversion.
Nach Ablauf der Probierwoche werden monatlich 2 Euro beziehungsweise bei Abschluss eines Jahresabos 20 Euro fällig. Dieses Geld ist jedoch gut angelegt, denn die Entwickler haben sich viele Gedanken gemacht.
So kann das Eintragen neuer Spiele, Hardware und Toys-to-Life-Figuren in die persönliche Datenbank durch das Scannen des Barcodes auf der Spieleverpackung stark beschleunigt werden. Auf Wunsch ist auch eine manuelle Erfassung möglich.
Anders als Retro Game Collector trägt die App neue Spiele – egal, ob per Barcode-Scan oder manuell hinzugefügt – zunächst als Complete In Box (CIB) in die Datenbank ein, sprich mit dem Hinweis, dass Spiel, Verpackung und Handbuch vorhanden sind. Diese Voreinstellung ist für gut erhaltene Sammlungen sinnvoll.
Wer jedoch viele nur unvollständige Spiele besitzt, muss jeden Eintrag noch einmal nacheditieren und manuell angeben, dass etwa das Handbuch oder die Originalverpackung fehlt. Alternativ lassen sich die Pre-Fill-Voreinstellungen anpassen, beispielsweise so, dass jedes neu eingetragene Spiel zunächst als "Loose" erfasst wird.
Allerdings kommt man auch hier nicht um das nachträgliche Editieren herum, wenn bei Spiel A das Handbuch und bei Spiel C das Modul fehlt. In diesem Punkt ist der Ansatz von Retro Game Collector etwas intuitiver. Das ist aber kaum störend, denn die Präsentation der eingetragenen Spiele ist umso gehaltvoller.
Denn wie bei Retro Game Collector wird auch bei CLZ Games der ungefähre Wert jedes Spiels eingeblendet, der sich hier auf Angaben von Pricecharting(öffnet im neuen Fenster) stützt. Dazu kommen Infos zu Entwickler, Publisher, EAN-Code, Releasejahr, Genre, Jugendschutzeinstufung und sogar die Option, sich die Rückseite der Verpackung anzeigen zu lassen.
Das ist ein kleines, aber feines Feature, denn das Lesen der rückseitigen Packungstexte weckt fast noch mehr Nostalgie als das Betrachten des Frontcovers. Praktisch ist zudem, dass CLZ Games für viele Retrotitel automatisch ein passendes Trailer- oder Gameplay-Video von Youtube verknüpft. So kann man die Klassiker ohne große Umwege direkt in Bewegung erleben.
Hilfreich für Sammler ist außerdem die im linken, unteren Bereich des Actionmenüs integrierte Schaltfläche Find sold listings on Ebay. Trotz englischer Menüführung kann das Ganze mit wenigen Klicks so konfiguriert werden, dass die App Ebay als Datenquelle nutzt.
Leider kein Lifetime-Abo
Kostenlose Backups der gesamten Datenbank in der Cloud sind ebenfalls möglich. Wer sich von den vielen Optionen überfordert fühlt, kann in aller Ruhe das gut strukturierte Onlinehandbuch durchstöbern oder sich im englischsprachigen Forum mit Gleichgesinnten austauschen.
Alles in allem eine der besten Apps für Retrospiele-Sammler. Dass der Entwickler jedoch kein Lifetime-Abo anbietet, ist schade. Spätestens nach viereinhalb Jahren kommt man rechnerisch mit Retro Game Collector günstiger weg.
My Video Game Collection: sinnvolle Verknüpfung mit IGDM
Auch bei My Video Game Collection ist der Name Programm. Bevor mit dem Katalogisieren begonnen wird, legt man in der nur für Android(öffnet im neuen Fenster) verfügbaren App eines oder mehrere persönliche virtuelle Regale an, beispielsweise für PC-Spiele, Spiele aus den 90ern oder Hits aus Japan. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt.
Anschließend können beliebige Titel über eine Onlinesuche auf Basis der Datenbank IGDB(öffnet im neuen Fenster) oder durch Scannen des Barcodes auf der Verpackung der eigenen Sammlung hinzugefügt werden.
In der Praxis klappte Letzteres in neun von zehn Fällen sehr gut. Den Strichcode der PAL-Fassung von Super Mario Galaxy 2 erkannte die App jedoch nicht, anders als CLZ Games.
Beim Katalogisieren fiel zudem auf, dass die App zwar das Keyart samt Logo des Spiels einblendet, jedoch nicht den Packshot für das entsprechende System, wie es bei Retro Game Collector und CLZ Games vorbildlich der Fall ist. Grund dafür ist die IGDB-Datenbank, die diese Packshot-Daten nicht führt.
Einmal erfasste Titel können auch hier mit weiteren Informationen versehen werden, darunter eine Bewertung auf der bekannten Fünferskala, persönliche Notizen, Angaben zum Spielstatus sowie ein farblich codiertes Label mit eigener Bezeichnung (zum Beispiel 16-Bit Sci-Fi).
Wer seine Spiele häufig an Freunde und Familienmitglieder verleiht, wird sich zudem über die Eingabemaske Leihstatus freuen. Darin kann man angeben, an wen etwas verliehen wurde und bis wann der- oder diejenige es zurückgeben soll. Sehr gut!
Der Hauptmenüpunkt Erkunden, der zufällige Titel für eine oder alle Plattformen anzeigt, wirkt indes etwas halbgar. Eigentlich ist es eine gute Idee, um neue Entdeckungen zu machen. Leider greift das Feature aber nur für aktuelle Plattformen, also Nintendo Switch, PS4, PS5, Xbox One (was Xbox Series X/S einschließt) sowie PC.
Ein Stöbern in der kompletten Spielesammlung für SNES, N64, PS2, Dreamcast, Neo Geo und Co. (wie in Retro Game Collector) ist also nicht möglich. Deutlich störender ist allerdings die Tatsache, dass die App keine ungefähren Preise einblendet. Sie kommt für Flohmarkt- und Ebay-Profis daher kaum infrage.
Positiv ist, dass Nutzer, die sich kostenlos online registriert haben, ihre Datenbank mit Freunden teilen können. Alles in allem ist es eine solide App, aber mit viel Luft nach oben für Verbesserungen. Insbesondere Preisinformationen würden das Gesamtpaket aufwerten. Wer mal reinschnuppern möchte, kann bis zu 50 Spiele kostenlos katalogisieren. Danach werden für ein Jahresabo faire 5 Euro fällig.
Retrollect: vollständig kostenlos
Retrollect des Entwicklers Synsi ist noch recht unbekannt und kaum verbreitet. Dafür ist die für Android(öffnet im neuen Fenster) und iOS(öffnet im neuen Fenster) verfügbare App komplett kostenfrei und zum Katalogisieren von Spielen und Hardware durchaus brauchbar.
Über ein übersichtliches Interface, das an eine Onlinedatenbank angebunden ist, erstellt man in kurzer Zeit einen Index seiner Sammlung. Dabei lassen sich viele praktische Zusatzinformationen wie Länderregion, Edition und Extras (Soundtrack, Artbook, Karte, Poster, Season Pass, T-Shirt etc.) über umfangreiche Drop-down-Listen ergänzen.
Für jede Komponente eines Spiels (Verpackung, Disk, Handbuch und Extras) lässt sich zudem der Zustand auf einer Fünferskala (von Poor bis Mint) definieren. Gut gefiel uns die Möglichkeit, für jedes sowohl physisch als auch digital erworbene Spiel Kaufdatum und Kaufpreis anzugeben. Eine persönliche Bewertung und ein Notizfeld runden die Katalogisierungsfunktionen ab.
Einmal erstellte Grundeinträge präsentiert die App mit dem passenden Packshot aus der Onlinedatenbank in einer Regalansicht. Nach der Bearbeitung eines Eintrags können Angaben zum Spielfortschritt (angefangen bis abgeschlossen, plus auf Halde usw.) sowie Screenshots aus der lokalen Mediengalerie hinzugefügt werden.
Aus den bereits eingetragenen Daten erstellt die App automatisch verschiedene Listen wie Fabrikneu oder Durchgespielt, was bei größeren Sammlungen hilft, den Durchblick zu behalten.
Schade ist hingegen, dass die App weder über eine Barcodescannerfunktion noch eine Anbindung an Preisdatenbanken verfügt. Der ungefähre Wert der Sammlung bleibt somit ein Fragezeichen. Wer lediglich kostenlose Katalogisierungsfunktionen nutzen möchte, kann trotzdem nichts falsch machen.
Gameye: leistungsstark und kostenlos
Gameye ist so leistungsstark wie Retro Game Collector und CLZ Games, aber kostenfrei und für Android(öffnet im neuen Fenster) und iOS(öffnet im neuen Fenster) verfügbar.
Auch diese App glänzt mit wichtigen Funktionen wie einem integrierten Barcodescanner, der Anbindung an Pricecharting, der Anzeige von Packshots, Verpackungsrückseiten und Screenshots, umfangreichen Verknüpfungen zu Ebay, Amazon und Youtube sowie der Option, den aktuellen Spielstatus anzugeben.
Bei genauerer Betrachtung fallen noch einige nützliche Zusatzfunktionen auf. So zeigt Gameye für jedes Spiel den Metacritic(öffnet im neuen Fenster)-Score (eine Durchschnittswertung, die auf internationalen Presserezensionen basiert) und die ungefähre Spielzeit, basierend auf Angaben von How Long to Beat(öffnet im neuen Fenster) an. Bei vielen älteren Retrotiteln (etwa aus der C64-Ära) verknüpft die App zudem automatisch ein PDF-Handbuch.
Sammler werden die Funktion zum Eintragen von Peripheriegeräten, Toys-to-Life-Figuren und gedruckten Medien zu schätzen wissen. Letzteres bezieht sich vor allem auf englischsprachige Medien, also Werke wie das Nintendo Power Magazin, offizielle Lösungsbücher oder Bücher zum Thema Computer- und Videospiele.
Auch der Menüpunkt Kommend ist einfallsreich: Spielefans sehen dort auf einen Blick, welche Neuheiten demnächst erscheinen und können diese direkt ihrer Wunschliste hinzufügen. Ein Rundum-Sorglos-Tool, das obendrein auf Deutsch angeboten wird. Lediglich die Spielebeschreibungstexte bleiben englisch, da die App sie aus thegamesdb.net extrahiert.
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