Kosten auf einem völlig anderen Niveau
Nicht nur technische Feinheiten, auch die Art der Finanzierung hat sich spürbar verändert. Eine Kontrolle der Kosten gab es bei Apollo kaum. Die Planetary Society(öffnet im neuen Fenster), ein gemeinnütziger Verein, unter anderem von Carl Sagan gegründet, hat sich die Mühe gemacht, beide Programme finanziell zu vergleichen, natürlich kaufkraftbereinigt.
In den neun Jahren bis zur Mondlandung kostete Apollo demnach 290 Milliarden US-Dollar. Artemis steht nach zwölf Jahren bei 105 Milliarden. Bis zu einer erfolgreichen Mondlandung dürften 20 bis 25 Milliarden hinzukommen. Artemis liegt damit bei weniger als der Hälfte von Apollo.
Wiedereintritt neu gestaltet
Ganz neue Ideen gibt es beim Wiedereintritt der Kapsel, wobei der Hitzeschutz gleich geblieben ist. Nach wie vor kommen sogenannte Avcoat-Materialien zum Einsatz. Sie schmelzen bei Wiedereintritt und transportieren dadurch auch einen Teil der Wärme von der Kapsel weg. Hitzekacheln, wie sie beim Spaceshuttle zum Einsatz kamen, werden nicht genutzt.
Ein durchaus überlebenswichtiger Aspekt ist die Art des Eintritts in die Atmosphäre. Die Apollo-Kapsel wählte den direkten Weg durch die Atmosphäre. Die Orion-Kapsel bei Artemis vollführt einen Hopser.
Nach Eintritt in die obere Atmosphäre trifft die Kapsel auf dichtere Atomsphärenschichten und wird dort noch einmal nach oben abgestoßen. So wird einerseits der Weg durch die Atmosphäre verlängert, was eine gleichmäßigere Hitzeverteilung und geringere Maximaltemperaturen ermöglicht, weil der Bremsweg länger ist.
Andererseits erfolgt die Landung wesentlich zielgenauer. Bei Apollo konnten Abweichungen von mehreren Tausend Kilometern auftreten. Rettungsschiffe benötigten entsprechend lang, um die Crew zu erreichen. Orion dagegen landete fast zielsicher vor der kalifornischen Pazifikküste bei San Diego.
Menschen sind in den Mittelpunkt gerückt
Es bleibt festzuhalten, dass Artemis etwas mehr auf die menschliche Besatzung ausgerichtet ist. In der Kapsel ist mehr Platz, jemand hat an die Toilette gedacht und das Überleben ist im Weltall eine Woche länger möglich, während ein paar Risiken der Landung eliminiert worden sind.
Die große internationale Beteiligung, von Angola über Thailand bis zu Japan, Indien und der EU, macht Artemis zudem zu einem Gemeinschaftsprojekt, zumindest bis jetzt. Zuletzt wurde die internationale Ausrichtung immer wieder infrage gestellt, was zum aktuellen politischen Kurs in den USA passt. Auch angedrohte Budgetkürzungen bei der Nasa könnten die weiteren Pläne gefährden.
Denn noch ist niemand auf dem Mond gelandet. Bisher wurden nur vier Menschen in den Weltraum befördert, die nicht den Mond betreten haben. Und nicht auf dem Mond gewesen zu sein, können sehr viele Menschen von sich behaupten.