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AOMedia: EU-Wettbewerbsbehörde untersucht AV1-Konsortium

Die Pflicht zur freien Lizenzierung des Videocodecs AV1 könnte gegen Wettbewerbsrechte verstoßen. Die EU untersucht dies nun.
/ Sebastian Grüner
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Die EU untersucht die Patentbedingungen der AOMedia. (Bild: Aomedi)
Die EU untersucht die Patentbedingungen der AOMedia. Bild: Aomedi

Die EU-Wettbewerbsbehörde untersucht die Lizenzpraktiken der Alliance for Open Media (AOMedia), die für die Erstellung und Lizenzierung des freien Videocodecs AV1 zuständig ist. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf entsprechende Fragebögen, die an verschiedene Unternehmen verschickt wurden und die Reuters einsehen konnte. Auch ein Sprecher der EU bestätigte entsprechende Untersuchungen.

Das Industriekonsortium AOMedia wurde bereits im Herbst 2015 gegründet , um einen standardisierten Videocodec für das Web zu erstellen, der nicht nur sämtlichen modernen Anforderungen an die Technik gerecht wird, sondern vor allem als freie Software und ohne Lizenzgebühren zur Verfügung steht. Ergebnis dieser Arbeiten ist der Codec AV1, der aus Techniken dreier weiterer Videocodecs zusammengeführt wurde . Standardisiert ist der Codec seit 2018 .

Laut Reuters heißt es in dem EU-Papier: "Der Kommission liegen Informationen vor, dass AOM und seine Mitglieder möglicherweise Lizenzbedingungen (obligatorische gebührenfreie Kreuzlizenzierung) für Innovatoren auferlegen, die zum Zeitpunkt der Schaffung von AV1 nicht Teil von AOM waren, deren Patente jedoch als wesentlich für (dessen) technischen Spezifikationen sind" . Zudem heißt es weiter, dass dieses Vorgehen die Möglichkeiten von Erfindern einschränke, mit der technischen Spezifikation von AV1 zu konkurrieren und dies außerdem die Anreize eliminiere, Innovationen zu schaffen.

Die EU-Behörde sieht den Wettbewerb also explizit dadurch gefährdet, das AV1 frei zur Verfügung steht und sich das Vorgehen von bisherigen Konsortien unterscheidet, die mittels Patentlizenzen Geld einnehmen. Das könnte auch Folgen für weitere ähnliche Konsortien haben, die Patentlizenzen für Open-Source-Software frei vergeben, wie der Linux-Patent-Pool des Open Invention Network(öffnet im neuen Fenster) . Der Beginn einer Voruntersuchung sei jedoch keine Vorwegnahme des Ausgangs eines Verfahrens, sagte ein EU-Sprecher laut Reuters.


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