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Anzeigen: Twitter lockert Verbot politischer Werbung

Da dem Unternehmen offenbar die Werbekunden weglaufen, will Twitter frühere Geschäftsfelder wieder aktivieren.
/ Friedhelm Greis
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Twitter hebt das Verbot politischer Anzeigen wieder auf. (Bild: Carlos Barria/Reuters)
Twitter hebt das Verbot politischer Anzeigen wieder auf. Bild: Carlos Barria/Reuters

Der Kurznachrichtendienst Twitter will offenbar wieder politische Anzeigen auf seinen Seiten zulassen. "Heute lockern wir unsere Anzeigenpolitik für Werbung zu sozialen Belangen in den USA. Außerdem planen wir, in den kommenden Wochen die erlaubte politische Werbung zu erweitern" , teilte das Unternehmen am 3. Januar 2023 mit(öffnet im neuen Fenster) . Künftig sollten die Werberichtlinien "an die des Fernsehens und anderer Medien" angeglichen werden.

Twitter entschied im Oktober 2019 unter dem damaligen Chef Jack Dorsey, keine politischen Werbeanzeigen mehr auf seiner Plattform veröffentlichen . "Wir glauben, dass man sich politische Botschaften verdienen muss und nicht erkaufen sollte" , schrieb Dorsey damals. Als Grund gab er an, dass die Entscheidung darüber, eine politische Botschaft zu unterstützen, nicht durch Geld kompromittiert werden sollte.

Internetanzeigen seien ein "sehr mächtiges und effizientes Mittel für Werbetreibende" , schrieb Dorsey weiter und fügte hinzu: "Diese Macht bringt bedeutende Gefahren für die Politik, wo sie genutzt werden kann, um Stimmen zu beeinflussen, was das Leben von Millionen betrifft." Politische Anzeigen bedeuteten große Herausforderungen für den politischen Diskurs. Dorsey verwies auf die Möglichkeiten durch KI-basierte Optimierung der Botschaften und Micro-Targeting, ungeprüfte irreführende Informationen und sogenannte Deep Fakes.

Nach der Übernahme des Dienstes durch Elon Musk dürfte Twitter jedoch darauf angewiesen, seine Werbeeinnahmen zu steigern. Denn nach dem chaotischen Agierens Musks an der Firmenspitze sollen zahlreiche Werbekunden abgesprungen sein.

Gefahren durch Micro-Targeting

Twitter will bei der Zulassung politischer Anzeigen sicherstellen, "dass unser Konzept zur Überprüfung und Genehmigung von Inhalten die Nutzer auf Twitter schützt" . Weitere Details sollen nach Fortsetzung der Pläne genannt werden. Bislang wurde die entsprechende Richtlinie(öffnet im neuen Fenster) noch nicht geändert. Ausnahmen sind bislang nur für Nachrichtenmedien zulässig(öffnet im neuen Fenster) .

Bisher heißt es in den Richtlinien für Werbung zu sozialen Belangen (engl.: cause-based ads): "Werbung, in der Micro-Targeting eingesetzt wird, stellt völlig neue Herausforderungen an den gesellschaftlichen Diskurs dar, die erst noch verstanden werden müssen." Daher sei das Targeting auf Geo-Targeting, Keyword-Targeting und Interessen-Targeting beschränkt. Nicht zulässig seien zudem Begriffe wie "konservativ" , "liberal" oder "politische Wahlen" .


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