Abo
  • IT-Karriere:

Anwaltspostfach: Die unnötige Ende-zu-Mitte-Verschlüsselung von BeA

Beim besonderen elektronischen Anwaltspostfach wird angeblich eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eingesetzt - dabei sind die privaten Schlüssel nicht in der Hand der Nutzer, sondern in einem Hardware Security Module gespeichert. Wir erklären, wie es besser gehen würde.

Artikel von Hanno Böck veröffentlicht am
In dieser leicht verständlichen Darstellung erläutern Atos und die Bundesrechtsanwaltskammer, wie man eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umsetzt.
In dieser leicht verständlichen Darstellung erläutern Atos und die Bundesrechtsanwaltskammer, wie man eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung umsetzt. (Bild: BRAK / Atos)

Das besondere elektronische Anwaltspostfach (BeA) der Bundesrechtsanwaltskammer ist zur Zeit offline - aufgrund von Sicherheitslücken mit HTTPS-Zertifikaten. Doch die Zertifikate sind nicht das einzige Problem des BeA.

Inhalt:
  1. Anwaltspostfach: Die unnötige Ende-zu-Mitte-Verschlüsselung von BeA
  2. Rechtsanwältin Alice fährt in den Urlaub

Laut der Informationsseiten der Bundesrechtsanwaltskammer nutzt das BeA eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Allerdings stimmt das nicht. Denn die Nachrichten werden nicht mit dem öffentlichen Schlüssel des Empfängers verschlüsselt, sondern mit einem Postfachschlüssel, der sich in einem Hardware Security Module (HSM) befindet. Das HSM nimmt dann eine "Umschlüsselung" vor, bei der die Nachrichten mit dem Schlüssel des Empfängers neu verschlüsselt werden.

Ende-zu-Ende oder eher Ende-zu-Mitte-Verschlüsselung?

Dass es sich dabei trotzdem um eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung handelt, begründet die Bundesrechtsanwaltskammer so: Bei der Umschlüsselung wird nur ein symmetrischer Schlüssel entschlüsselt, mit dem die eigentliche Nachricht verschlüsselt ist. Die Nachricht liegt also nie im Klartext vor - wenn alles so arbeitet wie vorgesehen. Die gesamte Sicherheit des Systems hängt also davon ab, dass das HSM korrekt arbeitet und die Schlüssel auch nicht extrahiert werden können. Überprüfen kann ein Anwender das natürlich nicht, er muss auf die Infrastruktur vertrauen.

Hardware Security Modules sind so gebaut, dass eine Extraktion des Schlüssels möglichst schwierig ist. Dabei soll sowohl eine Extraktion mittels Software als auch eine gewaltsame Öffnung der Hardware verhindert werden. Doch ein solcher Schutz ist nie perfekt: Die im HSM arbeitende Software kann beispielsweise wie jede Software Bugs enthalten. Auch lässt sich eine gewaltsame Öffnung nie mit Sicherheit verhindern.

Stellenmarkt
  1. Modis GmbH, Köln
  2. UnternehmerTUM GmbH, Garching bei München

Auf einer neu bereitgestellten Informationsseite beantwortet die Bundesrechtsanwaltskammer nun einige Fragen dazu und erläutert auch die Verschlüsselung, wenngleich nur sehr oberflächlich. Auch hat die Rechtsanwaltskammer Hamburg Slides von einer Präsentation des Herstellers bereitgestellt.

HSM ist alternativlos - oder nicht?

"Die funktionalen Anforderungen und die Sicherheitsanforderungen an das BeA-System können nur unter Verwendung einer Umschlüsselungs-Komponente umgesetzt werden", heißt es auf der Informationsseite der Rechtsanwaltskammer. "Ein HSM ist hierfür die einzige zur Verfügung stehende Lösung zur Umsetzung der Anforderungen an das System."

Man könnte das so lesen: Der Einsatz eines HSMs ist zwar keine besonders elegante Lösung, aber für die Anforderungen des BeA quasi alternativlos. Der Grund dafür ist, dass ein Postfachinhaber festlegen können soll, dass seine Nachrichten an andere Personen weitergeleitet werden.

Doch eine solche Weiterleitungsfunktion ließe sich auch ganz ohne ein HSM lösen - und mit einer echten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Rechtsanwältin Alice fährt in den Urlaub 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. 139,00€ (Bestpreis!)
  2. (aktuell u. a. Speedlink Velator Gaming-Tastatur für 9,99€, Deepcool New Ark Gehäuse für 249...
  3. 104,90€

Gromran 20. Mär 2018

Das Thema ist rechtlich deutlich komplexer. Es geht ja nicht nur um Urlaubsvertretung...

Gromran 20. Mär 2018

Es "macht" nie etwas Sinn, es "hat" höchstens etwas Sinn. So schwer ist die deutsche...

pommesmatte 29. Jan 2018

Eve liest nur mit (Eavesdropping). Ein Man in the Middle wäre Mallory.

pommesmatte 29. Jan 2018

Du hast in allen Punkten an mir vorbei geredet.

beA-Veteran 28. Jan 2018

...wenn die Anwältin dauerhaft verschiedene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Postfach...


Folgen Sie uns
       


NXP Autoschlüssel erklärt

VW hat ein Konzeptauto mit einem Schließsystem ausgestattet, das vor Hackerangriffen sicher sein soll. Das Video stellt das System vor.

NXP Autoschlüssel erklärt Video aufrufen
E-Auto: Byton zeigt die Produktionsversion des M-Byte
E-Auto
Byton zeigt die Produktionsversion des M-Byte

IAA 2019 Die Premiere von Byton in Frankfurt ist überraschend. Da der M-Byte im kommenden Jahr in China startet, ist die Vorstellung des produktionsreifen Elektroautos in Deutschland etwas Besonderes.
Ein Bericht von Dirk Kunde

  1. IAA 2019 PS-Wahn statt Visionen

Party like it's 1999: Die 510 letzten Tage von Sega
Party like it's 1999
Die 510 letzten Tage von Sega

Golem retro_ Am 9.9.1999 kam in den USA mit der Sega Dreamcast die letzte Spielkonsole der 90er Jahre auf den Markt. Es sollte auch die letzte Spielkonsole von Sega werden. Aber das wusste zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
Von Martin Wolf


    Manipulierte Zustimmung: Datenschützer halten die meisten Cookie-Banner für illegal
    Manipulierte Zustimmung
    Datenschützer halten die meisten Cookie-Banner für illegal

    Nur die wenigsten Cookie-Banner entsprechen den Vorschriften der DSGVO, wie eine Studie feststellt. Die Datenschutzbehörden halten sich mit Sanktionen aber noch zurück.
    Ein Bericht von Christiane Schulzki-Haddouti

    1. Chrome & Privacy Google möchte uns in Zukunft anders tracken
    2. Tracking Google und Facebook tracken auch auf vielen Pornoseiten
    3. Android Apps kommen auch ohne Berechtigung an Trackingdaten

      •  /