Antriebswende: Übermotorisierung von E-Autos in der Kritik
Die Elektrofahrzeuge der klassischen Hersteller sind teuer, schwer und stark motorisiert. Das sei alles gar nicht notwendig, sagte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM), dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) . Auch ökologisch sei das kritisch zu bewerten, so Bratzel.
Die hohe Leistung sorge dafür, dass die Fahrzeuge einen großen Akku bräuchten, um die gleiche Reichweite zu erzielen und das mache die Fahrzeuge sehr teuer.
44 Prozent der Elektrofahrzeuge sind SUV oder Geländewagen. Das sind 4 Prozentpunkte mehr als im Gesamtmarkt. Diese Elektrofahrzeuge haben den Aussagen von Bratzel nach eine Durchschnittsleistung von 202 Kilowatt (kW). Alle Elektroautos unabhängig von der Fahrzeugkategorie kommen auf durchschnittlich 174 kW.
Der Autoexperte kritisiert, dass zu stark auf Leistung und Reichweite hin optimiert werde und zu wenig auf Schnellladefähigkeit und den Verbrauch.
Ein Extrembeispiel sei der GMC Hummer mit seinem 200 Kilowattstunden (kWh) Akku und einer Leistung, die das gut viereinhalb Tonnen schwere Fahrzeug in weniger als vier Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Ein Drittel des Gesamtgewichts macht der Akku aus.
Kleine und preiswerte Elektroautos seien Mangelware, beklagt Bratzel. Deutsche Hersteller wie Mercedes und BMW konzentrierten sich auf größere Modelle, die höhere Deckungsbeiträge erzielten, anstatt kleine Fahrzeuge zu bauen. Vornehmlich die chinesischen Hersteller sorgten für ein stetig wachsendes Angebot an Klein- und Kleinstfahrzeugen mit Akkus.
Bratzel empfiehlt den Herstellern, sich auf das Laden zu konzentrieren. Die durchschnittliche Ladeleistung der hier verfügbaren Elektroautos betrage lediglich 118 kW. Das Ziel müsse sein, in zehn Minuten Strom für 200 bis 300 Kilometer Reichweite nachzuladen. Das ist bislang bei keinem Elektrofahrzeug möglich.
Der Kia EV6 zeigt laut dem Experten, was möglich ist. Der Akku ist mit 77,4 Kilowattstunden vergleichsweise klein und kann binnen zehn Minuten 197 Kilometer Reichweite nachladen. Der ID.4 von Volkwagen kann bei gleich großem Akku nur 171 Kilometer nachladen, allerdings in 20 Minuten.
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