Antivirus-Software: Kaspersky Lab erhebt Einspruch gegen US-Verbot

Das russische Unternehmen Kaspersky hat angekündigt, gerichtlich gegen das Verbot ihrer Antiviren-Software in den Bundesbehörden der US-Regierung vorgehen zu wollen.

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Eugene Kaspersky mit dem ehemaligen russischen Präsidenten Medvedev (2009)
Eugene Kaspersky mit dem ehemaligen russischen Präsidenten Medvedev (2009) (Bild: Kreml)

Der Antiviren-Hersteller hat am Montag bekanntgegeben, Einspruch beim amerikanischen Bundesgericht eingereicht zu haben. Die Klage richtet sich laut Kaspersky gegen die Entscheidung der US-Heimatschutzbehörde DHS, US-Ministerien den Einsatz von Kasperskys Software-Produkten zu verbieten.

In dem Einspruch argumentiert das Unternehmen, das Verbot des DHS sei verfassungswidrig, weil es Kaspersky kein "angemessenes ordnungsgemäßes Verfahren" ermöglicht habe, um "die unbegründeten Behauptungen, die ihm zugrunde liegen, zu widerlegen". Auch habe das DHS keine Beweise für ein Fehlverhalten des Unternehmens vorgelegt.

Möglicherweise nur erster Schritt

Der Antiviren-Hersteller macht außerdem geltend, das DHS stütze sich "auf subjektive, nicht fachliche öffentliche Quellen, wie unbestätigte und häufig auf anonymen Quellen beruhende Medienberichte und damit in Zusammenhang stehende Behauptungen und Gerüchte."

Offenbar richtet sich Kasperskys Klage bisher ausschließlich gegen das derzeit gültige DHS-Verbot. Erst vergangene Woche hatte US-Präsident Trump ein neues Gesetz unterzeichnet, welches die DHS-Anordnung zu einem vollwertigen Bundesgesetz macht. Auf Nachfrage von Golem.de sagte ein Unternehmenssprecher, Kaspersky analysiere derzeit die Auswirkungen des Gesetzestexts und halte sich auch dagegen "alle Optionen offen, die eigenen Interessen und Rechte zu schützen". Das Gesetz tritt zum 1. Oktober 2018 in Kraft.

Kleines Geschäft, großer Imageschaden

Laut Reuters beträgt Kasperskys Geschäft mit US-Regierungsbehörden zwar nur weniger als 54.000 US-Dollar, was 0,03 Prozent des Gesamtgeschäfts in den USA betrage. Der Imageschaden und ein daraus folgender Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit könnte aber zu Einbußen auf dem viel größeren Privatkundenmarkt führen. So habe etwa die US-Einzelhandelskette Best Buy Co Kaspersky-Produkte bereits aus dem Sortiment genommen.

Das DHS hat sich auf Nachfrage von Reuters nicht zu der Klage geäußert.

Kaspersky in der Kritik

Das DHS hatte im September bestimmt, dass Bundesbehörden der US-Regierung keine Software-Produkte von Kaspersky mehr verwenden dürfen. Bestehende Installationen mussten innerhalb von 90 Tagen entfernt werden. Hintergrund waren Vorwürfe, das Unternehmen arbeite mit der russischen Regierung und dem Geheimdienst zusammen, um Ziele in den USA auszuspähen.

Firmengründer Eugene Kaspersky hat die Vorwürfe stets bestritten: "Das Unternehmen hat niemals und wird niemals irgendeiner Regierung auf der Welt dabei helfen, Cyberspionage zu betreiben." Das Unternehmen mache 85 Prozent seiner Umsätze außerhalb von Russland.

Kaspersky nutzt den Rummel um das Verbot derweil auch, um für mehr Transparenz zu werben. So hat das Unternehmen angekündigt zum ersten Quartal 2018 eine "unabhängige Überprüfung des Quellcodes des Unternehmens" zu beginnen. "Ähnliche Überprüfungen der Softwareaktualisierungen und der Bedrohungserkennungsregeln des Unternehmens" sollen folgen.

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