Abo
  • Services:

Antivirensoftware: Die Schlangenöl-Branche

Antivirenprogramme gelten Nutzern und Systemadministratoren als unverzichtbar. Doch viele IT-Sicherheitsexperten sind extrem skeptisch. Antivirensoftware ist oft selbst voller Sicherheitslücken - und hat sehr grundsätzliche Grenzen.

Eine Analyse von Hanno Böck veröffentlicht am
Sind Antivirenprogramme so nutzlos wie Schlangenöl? Die Schutzprogramme sind selbst voller Sicherheitslücken und äußerst umstritten.
Sind Antivirenprogramme so nutzlos wie Schlangenöl? Die Schutzprogramme sind selbst voller Sicherheitslücken und äußerst umstritten. (Bild: Jeremy Weate/Wikimedia Commons/CC-BY 2.0)

Wie schütze ich meinen Computer am besten? Wie unterschiedlich die Einschätzung von Experten und Computernutzern - Fachleuten sowie Durchschnittsnutzern - ist, zeigt nicht zuletzt eine Studie von Google. Die befragten Nutzer hielten Antivirenprogramme für die wichtigste Maßnahme, um sich vor Gefahren zu schützen. Das halten jedoch nur sieben Prozent der Experten für besonders wichtig. Umgekehrt ergibt sich ein ähnlich kontroverses Bild. Auf Platz eins bei den Experten: regelmäßige Updates. Die schafften es bei den Nutzern nicht einmal in die Top fünf.

Diese Ergebnisse überraschen kaum einen, der sich in der IT-Security-Szene umhört. Viele Sicherheitsforscher haben keine sehr hohe Meinung von der Antivirenbranche. Als "Schlangenöl" werden solche Programme oft bezeichnet, vergleichbar mit Heilsversprechen von Wundermitteln, die keinerlei nachweisbaren Effekt haben.

Antivirensoftware und andere Sicherheitssoftware sind selbst oft voller Sicherheitslücken. Tavis Ormandy, der für Googles Project Zero arbeitet, hat in jüngerer Zeit eine ganze Reihe von extrem gravierenden Sicherheitslücken in nahezu allen bekannten Antivirenprogrammen entdeckt. Bemerkenswert ist dabei nicht, dass auch Antivirenprogramme Sicherheitslücken haben, sondern, dass es sich oft um besonders peinliche und absolut vermeidbare Lücken handelt. In Sachen Verteidigung stehen die Antivirenprogramme wiederum oft sehr schlecht da: Kein einziges der Programme nutzt eine Sandbox, Exploit-Mitigation-Mechanismen wie Speicherrandomisierung (ASLR) oder Stack Cookies werden oft abgeschaltet.

Chrome-Entwickler sieht Antiviren als Problem für sichere Browser

Der Chrome-Entwickler Justin Schuh hat kürzlich in einer hitzigen Twitter-Diskussion Antivirensoftware als größtes Hindernis bei der Entwicklung sicherer Browser bezeichnet und seine Kritik später in einem Blogeintrag ausgeführt. Auf Twitter stimmte die Mozilla-Sicherheitsexpertin King zu und schrieb, dass Antivirensoftware oft Sicherheitsprobleme in Firefox verursache.

Stellenmarkt
  1. CSL Behring GmbH, Marburg, Hattersheim am Main
  2. Robert Bosch GmbH, Stuttgart

Was Browserentwickler verärgert: Um neue Dateien möglichst früh scannen zu können, versuchen Antivirenprogramme oft, direkt in den Browserprozess einzugreifen. Das ist fehleranfällig und kann zu schwer zu analysierenden Bugs führen. Es führt außerdem dazu, dass Sicherheitslücken in Antivirensoftware plötzlich Browser unsicher machen können.

Nicht selten gibt es zudem Konflikte zwischen der Arbeitsweise von Antivirenprogrammen und anderen Sicherheitsmechanismen. Besonders deutlich ist das bei der weit verbreiteten Praxis, im Browser ein zusätzliches Root-Zertifikat zu installieren und damit verschlüsselte TLS-Verbindungen mittels Man-in-the-Middle-Angriffen aufzubrechen. Das führt nahezu immer dazu, dass die Sicherheit der TLS-Implementierung beeinträchtigt wird. Oft hebelt es bei schlechten Implementierungen den gesamten Schutz von TLS aus.

Vor allem Antivirenlösungen, die auf Netzwerkebene arbeiten, nutzen Man-in-the-Middle-Proxys, um TLS-Verbindungen mitzulesen. Teilweise nutzt aber auch auf dem Client installierte Software ähnliche Mechanismen. Über Sicherheitslücken in der TLS-Interception von Kaspersky und anderen Antivirenprogrammen hat Golem.de vor einiger Zeit berichtet.

Um zu verstehen, warum Sicherheitsexperten so wenig von Antivirensoftware halten, hilft es, sich anzuschauen, wie diese eigentlich funktioniert.

Komplexe Parser mit wenig Schutz 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6.  


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. 3 Blu-rays für 15€, 2 Neuheiten für 15€)
  2. (u. a. Logan, John Wick, Alien Covenant, Planet der Affen Survival)

Potrimpo 05. Okt 2017

Als Ausnahme definieren?

elcaron 28. Sep 2017

Nein, sind sie nicht. Verschlüsselung hat auf einem kompromittierten System absolut...

elcaron 28. Sep 2017

Die Browserhersteller haben es doch auch gelernt. Bei wirklich komischen Situationen...

elcaron 28. Sep 2017

Ich habe noch nie einen Online-Virenscanner benutzt (sondern nur c't desinfec't Scanner...

helgebruhn 02. Jan 2017

Selbst wenn, lieber 60% dank Virenscanner, als 0% ohne oder? :) 100% sicher ist nur...


Folgen Sie uns
       


Der Güterzug der Zukunft - Bericht

Auf der Innotrans 2018 haben Verkehrsforscher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ein Konzept für den Güterzug der Zukunft vorgestellt.

Der Güterzug der Zukunft - Bericht Video aufrufen
Autonome Schiffe: Und abends geht der Kapitän nach Hause
Autonome Schiffe
Und abends geht der Kapitän nach Hause

Weite Reisen in ferne Länder, eine Braut in jedem Hafen: Klischees über die Seefahrt täuschen darüber hinweg, dass diese ein Knochenjob ist. Doch in wenigen Jahren werden Schiffe ohne Besatzung fahren, überwacht von Steuerleuten, die nach dem Dienst zur Familie zurückkehren. Daran arbeitet etwa Rolls Royce.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. Elektromobilität San Francisco soll ein Brennstoffzellenschiff bekommen
  2. Yara Birkeland Autonome Schiffe sind eine neue Art von Transportsystem
  3. Power Pac Strom aus dem Container für Ozeanriesen

Key-Reseller: Das umstrittene Geschäft mit den günstigen Gaming-Keys
Key-Reseller
Das umstrittene Geschäft mit den günstigen Gaming-Keys

Computerspiele zum Superpreis - ist das legal? Die Geschäftspraktiken von Key-Resellern wie G2A, Gamesrocket und Kinguin waren jahrelang umstritten, mittlerweile scheint die Zeit der Skandale vorbei zu sein. Doch Entwickler und Publisher sind weiterhin kritisch.
Von Benedikt Plass-Fleßenkämper und Sönke Siemens


    Apple Mac Mini (Late 2018) im Test: Tolles teures Teil - aber für wen?
    Apple Mac Mini (Late 2018) im Test
    Tolles teures Teil - aber für wen?

    Der Mac Mini ist ein gutes Gerät, wenngleich der Preis für die Einstiegsvariante von Apple arg hoch angesetzt wurde und mehr Speicher(platz) viel Geld kostet. Für 4K-Videoschnitt eignet sich der Mac Mini nur selten und generell fragen wir uns, wer ihn kaufen soll.
    Ein Test von Marc Sauter

    1. Apple Mac Mini wird grau und schnell
    2. Neue Produkte Apple will Mac Mini und Macbook Air neu auflegen

      •  /