Antiterrorgesetze: Aldi Talk in Belgien wird eingestellt

Die belgischen Filialen des Lebensmitteldiscounters Aldi werden ab dem 6. Juni dieses Jahres keine Prepaid-Karten mehr verkaufen, der Dienst wird eingestellt(öffnet im neuen Fenster) . Hintergrund ist ein Antiterrorgesetz in Belgien, das die anonyme Nutzung von Prepaid-Karten einschränken soll. Ähnliche Regelungen werden auch in Deutschland im Sommer in Kraft treten .
Aldi begründet den Schritt mit dem aufwendigen Registrierungsprozess. Aus Rücksicht auf andere Kunden könne dieser nicht an der Kasse durchgeführt werden. Die belgische Verbraucherschutzorganisation Achat bedauert den Schritt, da Aldi gerade für Gelegenheitsnutzer sehr günstige Tarife im Angebot habe. Kunden von Aldi Talk in Belgien wird ein Wechsel auf Base-Prepaid angeboten, sie bekommen dann ein Startguthaben von 15 Euro. Bestehende Karten werden am 6. Juni abgeschaltet, Guthaben sollten vorher aufgebraucht werden.
Wie reagiert Aldi in Deutschland?
Unklar ist, ob sich Aldi auch in Deutschland aus dem Geschäft mit Prepaid-Mobilfunk-Angeboten zurückzieht, wenn die Registrierungspflicht im Sommer beginnt. Mit Aldi Talk ist das Unternehmen Marktführer bei Prepaid-Karten in Deutschland. Auch in Deutschland sollen Kunden künftig nicht an der Kasse des Supermarktes registriert werden. Alternativ wäre es möglich, dass Nutzer sich über ein Onlineportal mit Hilfe eines Verfahrens wie WebID oder IDnow registrieren. Diese Dienstleistung ist aber kostspielig.
Außerdem ist nicht eindeutig, ob die Regelungen den gewünschten Effekt haben und für Kriminelle und Terroristen tatsächlich keine anonyme Nutzung von Mobilfunkanschlüssen möglich sein wird. Experten sagen Hamsterkäufe vor Inkrafttreten der Regelung, den vermehrten Kauf im Ausland sowie einen Gebrauchtmarkt für Prepaid-Karten voraus.
Nachtrag vom 11. April 2017, 9:34 Uhr
Eine Sprecherin von Aldi-Süd sagte auf Anfrage von Golem.de: "Grundsätzlich können wir Ihnen mitteilen, dass Aldi-Süd nicht plant, den Verkauf von Prepaid-Karten in Deutschland einzustellen." Wie genau die Regelung umgesetzt werden soll, werde derzeit noch untersucht.



