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Drohne mit einer Hand im Griff

Nett gelöst ist ein Sicherheitsdetail: Wenn die Drohne wegen Verbindungsabbruchs eine automatische Notlandung hinlegt, sendet sie beim Aufsetzen ein niedrig aufgelöstes Video an die Brille. Damit lässt sich die ungefähre Position leichter wiederfinden, falls die A1 im hohen Gras oder hinter einem Busch gelandet ist.

Free Motion statt Sticks

Geflogen wird nicht mit zwei Sticks, sondern mit dem sogenannten Free-Motion-Modus. Der Griff-Controller funktioniert im Prinzip wie ein Laserpointer. Ich richte ihn in die gewünschte Richtung, ziehe am Trigger, und die Drohne fliegt los. Die Geschwindigkeit hängt vom Druck auf dem Hebel ab.

Das klingt simpel, und das ist es auch. Nach kurzer Eingewöhnung fühlt sich die Steuerung sehr intuitiv an, weil sie unseren natürlichen Gesten recht nahekommt. In Verbindung mit der Rundumsicht durch die Brille entsteht tatsächlich ein Fluggefühl, das näher an "Ich fliege selbst"- als an klassisches Drohnenpiloten-Feeling herankommt.

Trotzdem wünsche ich mir eine klassische Fernbedienung als Option. Gerade, wenn ich schnell mal eine Szene ohne Brille festhalten möchte, wäre eine konventionelle Steuerungsoption hilfreich.

Fliegen im 360-Grad-Kokon

In der Luft zeigt die A1 ihre Stärken: Ich kann mit relativ simplen Flugmanövern – langsame Kurven, leichte Höhenwechsel – Aufnahmen erzeugen, die aussehen, als hätte ich die Drohne sehr viel aufwendiger geflogen. Entscheidend ist, dass ich nicht jeden Flugwinkel im Moment perfektionieren muss.

Spezifikationen des Displays der Antigravity A1
Antigravity A1 - Heads-up-Display
Abmessungen 200 × 106 × 115 mm
Gewicht ca. 340 g (ohne externen Akku)
Display 1.03" Micro-OLED pro Auge
Auflösung 2.560 × 2.560 Pixel pro Auge
Bildfrequenz 72 Hz
Sichtfeld DFOV 90 Grad
IPD-Einstellung 5.9–72 mm
Dioptrien −5.0 D bis +2.0 D
See-through-Kamera Ultraweitwinkel, DFOV 115 Grad
Videoaufnahme MP4-Bildschirmausgabe direkt aus dem Headset
Interner Speicher knapp 30 GByte (+ MicroSD-Slot)

Ein Flug liefert das komplette Rohmaterial. Später im Schnitt wähle ich aus, ob ich, wie bei einer klassischen Kameradrohne, nach vorn blicke, top-down über ein Feld schwebe oder seitlich an einer Felswand entlangfliege.

Das geht mit den üblichen Reframe-Werkzeugen in der Antigravity-Software oder per Plug-in (Premiere Pro) im Schnittprogramm. Die App von Antigravity (Android, iOS, Windows und MacOS) ist funktionell fast identisch mit der von Insta360; die Firmen gehören zusammen.

Das Reframing vereinfacht meinen Workflow: Bei klassischen Drohnen muss ich mir während des Flugs oft schon sicher sein, welchen Ausschnitt und welche Kameraposition ich später brauche, sonst ist die Szene am Ende unbrauchbar oder wirkt hektisch nachkorrigiert.

Mit der A1 habe ich diese Entscheidung nicht mehr im Moment des Fliegens, sondern ganz entspannt im Schnitt. Ich konzentriere mich also auf eine saubere Flugbahn und kann den finalen Bildausschnitt später in Ruhe festlegen. Auch das Tracking eines Objekts oder von Menschen lässt sich dort verwenden – das geht zwar auch im Flug, ist dort aber recht umständlich.

Für mich ist das ein Vorteil, weil ich nicht dauernd überlegen muss: "Hätte ich lieber weiter nach links schwenken sollen?" Wenn alles ohnehin im Material steckt, nimmt das viel Druck aus der Flugphase, sie kann auch viel kürzer ausfallen – oft ein Vorteil.

Es ist aber auch schade, denn das Fliegen mit der A1 macht viel Spaß und bietet neue Möglichkeiten. Etwa für touristische Zwecke: Ohne komplexe Flugmanöver kann man sich über interessanten Orten frei umblicken und Details so lange anschauen, wie man möchte – sofern das Fliegen mit Drohnen überhaupt erlaubt ist. Praktisch dürfte die Rundumsicht auch in der Landwirtschaft sein, beispielsweise bei der Suche nach Rehkitzen im Feld.


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