Anthropic: EU-Digitalkommissarin kritisiert USA für KI-Exportbeschränkungen
EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen hat die jüngsten US-Exportbeschränkungen für die KI-Modelle von Anthropic kritisiert. "Ich halte die Exportkontrollen der Amerikaner nicht für die richtige Herangehensweise", sagte sie der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster). Sollten Maßnahmen aufgrund von Sicherheitsrisiken notwendig sein, müssten diese aus ihrer Sicht gemeinsam mit internationalen Partnern abgestimmt werden.
Der Fall verdeutliche zugleich die Notwendigkeit, eigene europäische KI-Kapazitäten zu entwickeln, so Virkkunen. Die EU hinke bei der technologischen Souveränität hinterher. Vor diesem Hintergrund habe die EU-Kommission zuletzt mit dem Tech Sovereignty Package ein Maßnahmenpaket zur Stärkung der digitalen Unabhängigkeit vorgestellt. "Uns war es wichtig, klarzumachen: Souveränität heißt nicht Protektionismus", sagte Virkkunen. Die Kommissions-Vizepräsidentin warnte zugleich vor "gefährlichen Abhängigkeiten". Niemand dürfe den "Kill Switch" zur kritischen Infrastruktur Europas haben.
Auch wie lange die Anthropic-Modelle blockiert bleiben, sei "eine Entscheidung der Amerikaner", so Virkkunen. "Demokraten müssen beim Thema KI zusammenarbeiten", forderte sie.
Länderspezifische Sperre nicht so schnell umsetzbar
Die Blockade von Anthropics neuesten Modellen Fable 5 und Mythos 5 durch die US-Regierung erfolgte Mitte Juni 2026. Das US-Handelsministerium erließ eine Dringlichkeitsverfügung auf Basis von Exportkontrollgesetzen unter dem Export Control Reform Act und gab an, dass sie Kenntnis von einer Methode erlangt hätten, mit der die Sicherheitsbarrieren von Fable 5 umgangen werden können. Die US-Regierung befürchtete, dass ausländische Akteure das Modell nutzen könnten, um kritische Software-Schwachstellen in westlichen Systemen aufzuspüren und für Cyberangriffe auszunutzen.
Die Verfügung untersagte es Anthropic, ausländischen Staatsbürgern Zugriff auf diese Modelle zu gewähren. Da Anthropic eine solche länderspezifische Sperre technisch nicht sofort fehlerfrei garantieren konnte, sah sich das Unternehmen gezwungen, die Modelle Fable 5 und Mythos 5 weltweit für alle Kunden komplett abzuschalten.
Senator Mark Warner, Vize-Vorsitzender des Geheimdienstausschusses, gab an, General Joshua Rudd – der die NSA und das US Cyber Command leitet – habe ihm persönlich berichtet, dass Anthropics Mythos-Modell am 11. Juni 2026 in einem autorisierten Red-Team-Test fast alle klassifizierten Systeme der Behörde kompromittierte. Anthropic widerspricht der Darstellung.
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