Anthony Levandowski: Ex-Google-Mitarbeiter droht Haft wegen Technologiediebstahl

Anthony Levandowski war einer der führenden Entwickler autonomer Autos in den USA. Nun steht der frühere Mitarbeiter von Google und Uber wegen Diebstahls von Firmengeheimnissen vor Gericht. Ein Warnsignal an Entwickler im Silicon Valley.

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Anthony Levandowski bei der Anklageerhebung in San José
Anthony Levandowski bei der Anklageerhebung in San José (Bild: Stephen Lam/Reuters)

Im langjährigen Streit zwischen Google und Uber über die Entwicklung autonomer Autos gibt es ein weiteres Gerichtsverfahren. Nachdem sich die beiden Firmen Anfang 2018 in dem Streit geeinigt hatten, steht nun derjenige Entwickler vor Gericht, der die Firmengeheimnisse von Googles Schwesterfirma Waymo illegal kopiert und mit zu seinem neuen Arbeitgeber Uber gebracht haben soll. Ermittler der US-Bundespolizei FBI werfen Anthony Levandowski laut Anklageschrift (PDF) Technologiediebstahl in 33 Fällen vor. In jedem der Fälle droht ihm eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren und eine Geldstrafe in Höhe von 250.000 US-Dollar.

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Der 39 Jahre alte Levandowski arbeitete seit 2007 beim Suchmaschinenkonzern Google. Nachdem er zunächst für das Kartierungsprojekt von Google Maps zuständig war, entwickelte er seit 2009 zusammen mit Sebastian Thrun im "Projekt Chauffeur" selbstfahrende Autos. Im Jahr 2015 soll er damit begonnen haben, Kollegen zur Gründung einer eigenen Firma zu überreden, die selbstfahrende Lkw entwickelt, berichtete der New Yorker im Oktober 2018 in einer ausführlichen Reportage über den Fall. Bis damals soll der Entwickler schon 120 Millionen Dollar für seine Arbeit bei Google erhalten haben.

Waymo in Erklärungsnöten vor Gericht

Doch Levandowski verließ das Unternehmen Anfang 2016 und präsentierte im Mai 2016 sein Startup Otto, das Lkw mit einem Nachrüstsatz für das autonome Fahren tauglich machen sollte. Nach der Übernahme Ottos durch den Mitfahrdienst Uber im August 2016 schöpfte Google bereits Verdacht, dass bei dem Mitarbeiterexodus etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Anfang 2017 verklagte die inzwischen ausgegründete Firma Waymo den Konkurrenten. Dabei ging es vor allem um Unterlagen für den Bau von rotierenden Laserscannern, die bei Googles autonomen Autos auf dem Dach montiert sind und eine gute Rundumsicht ermöglichen sollen. Durch den Kauf von Otto für angeblich 680 Millionen Dollar habe Uber Zugriff auf die von Google in jahrelanger Arbeit entwickelte Lidar-Technik bekommen.

Im Laufe des Prozesses gerieten die Waymo-Anwälte jedoch in Schwierigkeiten, die angeblichen Entwicklungen und Firmengeheimnisse dem Gericht plausibel darzustellen. Levandowski verweigerte hingegen jede Aussage. Weil eine Einstellung des Verfahrens drohte, akzeptierte Waymo am Ende einen Vergleich, bei dem auf den geforderten Schadenersatz in Höhe von 1,85 Millionen US-Dollar weitgehend verzichtet wurde. Stattdessen erhielt Waymo einen Anteil an dem Fahrdienst, der nach der damaligen Bewertung rund 245 Millionen US-Dollar wert war.

Silicon Valley "nicht der Wilde Westen"

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Die Vorwürfe, die Waymo damals gegenüber Uber erhob, richten sich nun direkt gegen Levandowski. Demnach soll er rund 14.000 Dateien mit etwa 9,7 GByte an Datenvolumen kopiert haben. Davon waren 2 GByte zur Lidar-Technik. Nach dem Kopieren soll Levandowski den benutzten Laptop neu formatiert haben, um Spuren zu löschen. Dem New Yorker zufolge soll Google den Ermittlern weitere Unterlagen zukommen gelassen haben, die zuvor vor den Behörden oder der Öffentlichkeit geheim gehalten werden sollten. Zwar habe Google anfänglich nicht bei den strafrechtlichen Ermittlungen kooperieren wollen, doch nachdem der Prozess gegen Uber nicht so gut verlaufen sei, hätten sie sich dafür offener gezeigt, zitiert das Blatt einen Anwalt. Den FBI-Agenten sei Zugriff auf private Aussagen von Waymo-Mitarbeitern und Log-Dateien gegeben worden.

Die Staatsanwälte streben einem Bericht des Wall Street Journals zufolge nicht an, die theoretische Höchststrafe von 330 Jahren zu fordern. "Uns allen steht generell gesagt frei, von einem Job zum nächsten zu wechseln. Aber wir können uns auf dem Weg zur Tür nicht die Taschen vollstopfen", sagte US-Bundesanwalt David Anderson. Der zuständige FBI-Agent John Bennett sagte: "Das Silicon Valley ist nicht der Wilde Westen. Die schnelle und konkurrierende Umgebung bedeuten nicht, dass Bundesgesetze nicht gültig sind oder ignoriert werden können."

Waymo droht Ex-Mitarbeitern

Für Waymo und Google dürfte es unter anderem auch darum gehen, mit dem Prozess ein Warnsignal an frühere Mitarbeiter zu senden. Einige Ex-Waymo-Mitarbeiter sagten dem New Yorker, "angsteinflößende Briefe" erhalten zu haben, in denen davor gewarnt worden sei, veruntreute Technik anzuwenden. Falls erforderlich werde Waymo die Ex-Mitarbeiter verklagen. Nach Darstellung eines früheren Waymo-Mitarbeiters ist diese Taktik effektiv gewesen: "Wir haben uns ausdrücklich entschieden, nichts zu tun, was in irgendeiner Weise mit Waymo konkurrieren könnte. Es ist eine erschreckende Vorstellung, dass sie einen verfolgen könnten."

Levandowskis Anwälte halten die Vorwürfe für unberechtigt. Keine einzige der angeblich geheimen Unterlagen sei jemals an Uber, ein anderes Unternehmen oder eine andere Person gegangen, sagte Anwalt Miles Ehrlich nach Angaben des Wall Street Journals zum Prozessauftakt. Levandowski entwickelt nach seinem Rauswurf bei Uber weiterhin autonome Fahrzeuge. Sein neues Unternehmen Pronto AI entwickelt aber keine Technik für Pkw, sondern - wie Levandowskis erstes Unternehmen - für Lkw. Das System mit der Bezeichnung Copilot ist ein Assistenzsystem, das Lkw-Fahrern die Arbeit erleichtern soll. Mit einem umgebauten Toyota Prius fuhr er Ende 2018 bereits autonom von Kalifornien nach New York.

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