Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Anthologie: Secret Level präsentiert populäre Games in Kurzfilmform

Die 15 Folgen von Secret Level erzählen jeweils eine eigene Geschichte, die auf einem populären Videospiel basiert.
/ Peter Osteried
2 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Pac-Man ist ein Höhepunkt der Serie. (Bild: Prime Video)
Pac-Man ist ein Höhepunkt der Serie. Bild: Prime Video

Amazon Prime startet am 10. Dezember die US-Anthologieserie Secret Level, die Geschichten aus bekannten Videospielwelten in Kurzfilmen erzählt. Die meisten Filme haben eine Laufzeit von rund 15 Minuten, einige sind aber auch kürzer als 10 Minuten. Entwickelt wurde die Serie von Regisseur Tim Miller, der für Netflix auch die Sci-Fi-Anthologieserie Love, Death & Robots macht. Unterstützung bekam er von Regisseur Dave Wilson, auch Autor JT Petty war maßgeblich beteiligt. Umgesetzt wurde die Serie durch das Blur Studio.

Secret Level besteht aus 15 Folgen, 14 wurden Golem.de bisher zur Rezension bereitgestellt. Die noch fehlende Episode soll verschiedene Playstation-Figuren beinhalten.

Action alleine reicht nicht

Die anderen 14 Kurzfilme basieren auf Warhammer 40.000, Armored Core, Concord, Cross Fire, Dungeons & Dragons, Exodus, Honor of Kings, Mega Man, New World: Aeternum, Pac-Man, Sifu, Spelunky, The Outer Worlds und Unreal Tournament. Mehrheitlich werden Sci-Fi-Geschichten erzählt, die teils die gleichen Probleme haben.

Die Laufzeit ist zu kurz, um eine packende Geschichte zu erzählen. Zudem wird hauptsächlich auf Action gesetzt. Figuren bleiben farblos, die Identifikation fällt schwer. Man fühlt sich in einigen dieser Kurzfilme verloren – egal, wie gut und dynamisch sie aussehen.

Die Kurzfilme haben das typische Problem vieler Videospielverfilmungen: Sie schaffen es nicht, mitreißende und dramatische Geschichten zu erzählen. Action alleine reicht nur, wenn man selbst das Gamepad in der Hand hat. Auf dem Bildschirm wird sie dagegen schnell repetitiv, was umso mehr gilt, da sich einige Kurzfilme in Stil und Design sehr ähneln.

Die Serie bleibt in erster Linie fotorealistisch. Hin und wieder gibt es Computeranimationen, die an Anime erinnern, oder Kurzfilme, die mit der Form spielen – aber bei weitem nicht so originell wie bei Love, Death & Robots. Die Secret-Level-Kurzfilme sind derweil mehrheitlich mit Einsetzen des Abspanns auch schon wieder vergessen.

Die größten Stars, die besten Folgen

Vor dem Start wurde damit geworben, dass ein namhaftes Stimmensemble für die Serie verpflichtet worden sei. Dieses ist dann aber doch weniger aufregend. Große Stars sind lediglich Keanu Reeves und Arnold Schwarzenegger. Ersterer spielt im Armored-Core-Kurzfilm mit, in dem die Figur auch optisch Reeves angepasst ist, letzterer ist in New World: Aeternum König Aelstrom als Muskelberg zu sehen.

Einige weitere bekannte Stimmen sind Temuera Morrison (Boba Fett), Adewale Akinnuoye-Agbaje (Lost), Mark Sheppard (Supernatural), Arianna Greenblatt (die junge Ahsoka Tano ) oder Emily Swallow (The Armorer in The Mandalorian ).

Gefahren im All

Wenige Folgen stechen wirklich aus der Masse heraus. Concord ist eine solche, die gelungen schon in der ersten Minute zeigt, mit welchen Gefahren Weltraumreisende zu rechnen haben – Strahlen, Weltraumschrott oder sich in den Tiefen der Dunkelheit zu verirren. Auch Exodus geht als Space Opera in diese Richtung, hat aber noch etwas mehr Interstellar-Flair, weil es auch um die Relativität der Raumreisen geht. Was für den Reisenden nur wenige Tage sind, sind für die, die zu Hause zurückbleiben, Jahre.

Diese Folgen machen Spaß

Mit großem Abstand am meisten Spaß macht der Kurzfilm New World: Aeternum, in dem Schwarzenegger den trotteligen, aber extrem von sich überzeugten König Aelstrom spielt. Den verschlägt es mit seinem Diener auf eine Insel, auf der niemand sterben muss. Das gefällt dem König, da er die Macht an sich reißen und ewig über seine neuen Untertanen herrschen will. Darum fordert er den amtierenden König der Insel zum Zweikampf um die Krone, aber verliert wieder und wieder und wieder.

Das ist mit Witz, aber auch Gespür für Dramatik erzählt und hat Und täglich grüßt das Murmeltier(öffnet im neuen Fenster) -Flair, das vergnüglich ist und dem König ebenso wie Bill Murrays Figur im Film ermöglicht, zu wachsen und sich zu entwickeln.

Ebenfalls gut ist der Pac-Man(öffnet im neuen Fenster) -Kurzfilm. Eigentlich hätte man hier am wenigsten erwartet, da nur schwer vorstellbar ist, wie dieser Arcade-Klassiker narrativ umgesetzt werden kann. Die Idee ist aber toll. Ein humanoides Lebewesen erwacht, eine goldene Kugel spricht zu ihm und erklärt, dass in dieser Welt nur ein Gebot gilt: fressen oder gefressen werden. Wenn er das Labyrinth verlassen will, muss er besser als alle anderen sein. Die Kugel spornt ihn an, zumal jeder Tod zu einem Neubeginn wird.

Die Pac-Man-Elemente sind vorhanden, aber anders als erwartet, ebenso wie das Ende reichlich fies ist und fast in Form von poetischer Gerechtigkeit daherkommt. Die Kugel wird übrigens von Emily Swallow gesprochen, die mit Rollen, in denen man ihr Gesicht nicht sieht, einige Erfahrung hat – nicht nur durch The Mandalorian, sondern auch durch Castlevania, wo sie Lisa Tepes die Stimme lieh.

Als Fazit gilt, dass Secret Level seinem Potenzial nicht gerecht wird. Angesichts der vielen großen Franchises, die genutzt werden, hätte man mehr erwartet. Schließlich zeigte eine Animationsserie wie Star Wars: Visions, wie man mit dem Kurzfilmformat sowohl Erwartungen erfüllen als auch originell sein kann. Das fehlt Secret Level. Alleine aufgrund der namhaften Games und der Stars wird die Serie aber wohl gut genug laufen, um eine zweite Staffel zu bekommen. Und vielleicht gelingt es Tim Miller und Co. ja dann, etwas Großartiges zu erschaffen.


Relevante Themen