Anschluss von 100.000 Gebäuden jährlich: Fernwärme-Offensive der Bundesregierung
Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wollen die Potenziale der Fernwärme zur Dekarbonisierung in der Wärmeerzeugung nutzen: Sie planen, jährlich 100.000 neue Gebäude an Wärmenetze anzuschließen, was etwa 400.000 bis 700.000 Wohneinheiten entspricht. 2022 wurden etwa 6,1 Millionen Wohnungen mit Fernwärme versorgt, das sind rund 14,3 Prozent aller Wohnungen.
Anlässlich des Fernwärmegipfels(öffnet im neuen Fenster) beider Ministerien wurde auch mehr Verbraucherschutz gefordert. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Deutsche Mieterbund verlangten in einem Positionspapier ( PDF(öffnet im neuen Fenster) ), dass es künftig keinen Anschluss- und Benutzungszwang geben solle, sondern Wahlfreiheit am Markt. Fernwärmeanbieter sind Monopolisten, die Kunden keine Wahlmöglichkeit bei Preisen oder Anbietern lassen. Der deutsche Mieterbund fordert daher eine bundesweite Preisaufsicht.
Auch der Verband kommunaler Unternehmen will gesetzliche Regelungen und Förderungen, um die Investitionen in den Ausbau und die Erzeugung sowie Erschließung klimaneutraler Wärmequellen zu stemmen. Der Verband wies darauf hin, dass das Bundesprogramm BEW(öffnet im neuen Fenster) 2026 auslaufe und eine Anschlusslösung notwendig sei.
Vielseitige Energiequellen für die Fernwärme
Nur 20 Prozent der Fernwärmeproduzenten nutzen den Angaben der Deutschen Energie-Agentur (Dena)(öffnet im neuen Fenster) zufolge derzeit erneuerbare Energien. Der Schlüssel zur Umsetzung der Pläne, eine möglichst CO 2 -neutrale Wärmeversorgung zu ermöglichen, liegt deshalb in der Nutzung anderer Energiequellen. Neben erneuerbaren Energiequellen wie Biomasse und Biogas, die in den kommenden Jahren zur Speisung der Fernwärmenetze genutzt werden könnten, gibt es weitere Ansätze. Beispielsweise könnten Flusswasser-Wärmepumpen oder die Nutzung von Restwärme aus Abwasser neue Möglichkeiten eröffnen. Bislang wird vor allem die Wärme von Gas- und Kohlekraftwerken für die Wärmeerzeugung genutzt.
Ein Ergebnis des Gipfels ist auch eine Aufweichung der Vorgaben: Die Verpflichtung, dass ab 2030 mindestens die Hälfte der Fernwärme jedes Netzes mit erneuerbaren Energien oder durch Abwärme produziert werden muss, wurde aufgeweicht: Sie soll nun insgesamt für alle Netze gelten und nicht mehr für jedes Netz individuell.
Der Autor meint dazu:
Die geplante Fernwärme-Offensive ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Wärmewende in Deutschland. Es wird jedoch ein ausgewogenes Zusammenspiel aus technischen Innovationen, klaren politischen Vorgaben und finanziellen Anreizen benötigen, um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen. Die Bundesregierung steht dabei vor der Aufgabe, eine nachhaltige und zukunftsweisende Energiepolitik zu gestalten, die sowohl ökologischen als auch ökonomischen Ansprüchen gerecht wird.
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