Abo
  • Services:
Anzeige
Noch sieben Schlösser mehr und es ist garantiert NSA-sicher.
Noch sieben Schlösser mehr und es ist garantiert NSA-sicher. (Bild: Niklas Halle'n/AFP/Getty Images)

Anonymität: Sicher wie eine Hintertür mit neun Schlössern

Noch sieben Schlösser mehr und es ist garantiert NSA-sicher.
Noch sieben Schlösser mehr und es ist garantiert NSA-sicher. (Bild: Niklas Halle'n/AFP/Getty Images)

Wie kann eine Verschlüsselung gleichzeitig sicher sein und eine Hintertür für Ermittler beinhalten? Die Krypto-Koryphäe David Chaum macht einen gefährlichen Vorschlag.
Von Patrick Beuth

David Chaum sagt, er könne den Krypto-Krieg beenden. Der US-Kryptologe und Pionier der Online-Anonymität arbeitet an einem Verschlüsselungssystem, das zwei Dinge vereinen soll, die nach Ansicht vieler seiner Kollegen unvereinbar sind: Nutzer sollen sicher und anonym kommunizieren können und Strafverfolgern soll es unter bestimmten Bedingungen möglich sein, die Verschlüsselung und die Anonymität einzelner Verdächtiger aufzuheben.

Anzeige

Das ist das Wunschszenario von FBI-Direktor James Comey, von NSA-Direktor Mike Rogers und von Politikern wie dem britischen Premier David Cameron. Sie haben in den vergangenen Monaten mehrfach die Einführung von Hintertüren in Verschlüsselungstechniken gefordert, die es erlauben, die Kommunikation Einzelner zu überwachen, ohne die Masse der Nutzer zu beeinträchtigen.

Sicherheitsforscher betrachten das als Fortsetzung der Crypto Wars, die ihren Höhepunkt in den neunziger Jahren hatten. Damals hatte die US-Regierung zunächst vergeblich versucht, die Industrie zum Einsatz des Clipper Chips zu bewegen, einem Verschlüsselungschip mit Hintertür. Später setzten sich insbesondere die US- und die britische Regierung für ein Treuhandverfahren namens Key Escrow ein, das vorsah, Schlüssel für Verschlüsselungsverfahren bei einem vertrauenswürdigen Dritten zu hinterlegen.

Mix oder nix?

Schon damals vertraten die meisten Experten die Ansicht, dass eine Hintertür unter keinen Umständen mit sicherer Kommunikation vereinbar ist. Dass mit David Chaum nun ein angesehener Fachmann etwas anderes behauptet, bereitet ihnen Sorgen. Denn Comey, Rogers und Cameron glauben fest daran, dass es einen Mittelweg gibt und dass die Krypto-Koryphäen eben nur härter arbeiten müssten, um ihn zu finden. Chaums Konzept könnte sie bestärken - ungeachtet der Tatsache, dass es schon auf den ersten Blick nicht halten kann, was sein Erfinder verspricht.

Was Chaum zusammen mit Forschern aus den USA, Großbritannien und den Niederlanden entwickelt hat und in einem Paper detailliert beschreibt, ist zunächst einmal ein Protokoll namens cMix. Es soll sogenannte Mix-Netzwerke so effizient machen, dass sie sich für Chat-Apps, Filesharing, Suchen und Veröffentlichen sowie für Bezahlsysteme eignen. Dabei soll es die Metadaten verschleiern und die Inhalte verschlüsseln.

In Mix-Netzwerken, wie sie Chaum schon Ende der siebziger Jahre erdacht hatte, werden Nachrichten nicht direkt vom Sender zum Empfänger geschickt, sondern in mehreren Schichten verschlüsselt und über mehrere Zwischenstationen geleitet. Jede Zwischenstation kann nur eine Verschlüsselungsschicht entfernen, um so an die Information zu gelangen, zu welcher Station die Nachricht als nächstes geleitet werden muss. Keine Zwischenstation kennt sowohl den Sender als auch den Empfänger. Populär wurde das Prinzip mit dem Onion Routing im Tor-Netzwerk. Der Schutz der Anonymität lässt sich aber noch verbessern, wenn mehrere Botschaften gesammelt werden und ihre Reihenfolge geändert wird, bevor sie weitergeleitet werden. Dadurch kann ein Beobachter auch durch den Zeitpunkt von Senden und Empfangen einer Nachricht nicht darauf schließen, wer mit wem kommuniziert.

Das Prinzip hat einen Nachteil: Es ist langsam. Zu langsam für viele Alltagsanwendungen. In cMix ist das aufgrund eines speziellen Verschlüsselungsverfahrens, das zum Teil auf Vorausberechnungen statt Echtzeitberechnungen beruht, anders.

Smartphone-Apps für anonyme Kommunikation sind das Ziel 

eye home zur Startseite
eblockercom 14. Jan 2016

Überwachung ist wohl nicht ganz das richtige Wort. Transparenz wäre m. E. besser gewählt...

tingelchen 11. Jan 2016

Sehr ausführlich. Dem ist an sich nichts hinzu zu fügen. Aber auch im jeweiligen...

cpt.dirk 11. Jan 2016

Zwar kann ich kein Elbisch, aber: while (true) ++1;

SasX 10. Jan 2016

Du meinst, man könnte die ganzen Bösewichte ja gar nicht erwischen, weil die dann...

tingelchen 10. Jan 2016

Nur welche Firma nimmt bitte ein Verschlüsselungsverfahren mit dem sie ihre Daten...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. operational services GmbH & Co. KG, Berlin, Dresden
  2. ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH, Bonn
  3. FTI Touristik GmbH, München
  4. Bundesversicherungsamt Referat 811, Bonn


Anzeige
Top-Angebote
  1. 30,99€
  2. (heute u. a. mit Soundbars und Heimkinosystemen, ASUS-Notebooks, Sony-Kopfhörern, Garmin...

Folgen Sie uns
       


  1. Drei Modelle vorgestellt

    Elektrokleinwagen e.Go erhöht die Spannung

  2. Apple iOS 11 im Test

    Alte Apps weg, Daten weg, aber sonst alles gut

  3. Bitkom

    Ausbau mit Glasfaser kann noch 20 Jahre dauern

  4. Elektroauto

    Nikolas E-Trucks bekommen einen Antrieb von Bosch

  5. HHVM

    Facebook konzentriert sich künftig auf Hack statt PHP

  6. EU-Datenschutzreform

    Bitkom warnt Firmen vor Millionen-Bußgeldern

  7. Keybase Teams

    Opensource-Teamchat verschlüsselt Gesprächsverläufe

  8. Elektromobilität

    In Norwegen fehlen Ladesäulen

  9. Metroid Samus Returns im Kurztest

    Rückkehr der gelenkigen Kopfgeldjägerin

  10. Encrypted Media Extensions

    Web-DRM ist ein Standard für Nutzer



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Wireless Qi: Wie die Ikealampe das iPhone lädt
Wireless Qi
Wie die Ikealampe das iPhone lädt
  1. Noch kein Standard Proprietäre Airpower-Matte für mehrere Apple-Geräte

Edge Computing: Randerscheinung mit zentraler Bedeutung
Edge Computing
Randerscheinung mit zentraler Bedeutung
  1. Software AG Cumulocity IoT bringt das Internet der Dinge für Einsteiger
  2. DDoS 30.000 Telnet-Zugänge für IoT-Geräte veröffentlicht
  3. Deutsche Telekom Narrowband-IoT-Servicepakete ab 200 Euro

Kein App Store mehr: iOS-Nutzer sollten das neue iTunes nicht installieren
Kein App Store mehr
iOS-Nutzer sollten das neue iTunes nicht installieren
  1. Betriebssystem Apple veröffentlicht Goldmaster für iOS, tvOS und WatchOS
  2. iPhone X Apples iPhone mit randlosem OLED-Display kostet 1.150 Euro
  3. Apple iPhone 8 und iPhone 8 Plus lassen sich drahtlos laden

  1. Re: Als Android-Nutzer beneide ich euch

    TTX | 07:39

  2. Unterschied zum i-MiEV?

    Andy Cirys | 07:37

  3. sieht schrottig aus

    Erster | 07:37

  4. Re: Könnte man bei uns so gar nicht hinstellen.

    chefin | 07:35

  5. Re: Ich dachte, CCleaner selbst ist die Malware ...

    Der Held vom... | 07:31


  1. 07:00

  2. 19:04

  3. 18:51

  4. 18:41

  5. 17:01

  6. 16:46

  7. 16:41

  8. 16:28


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel