Abo
  • Services:

Anonymisierung: Tor könnte bald in jedem Firefox-Browser stecken

Ein großer Browser-Hersteller will den Anonymisierungsdienst Tor fest integrieren. Für die NSA wäre das ein Problem, für Millionen Nutzer der Weg in ein zweites Internet.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Beuth/Zeit Online
Firefox möglicherweise bald mit Tor-Modus
Firefox möglicherweise bald mit Tor-Modus (Bild: Tor-Browser/Screenshot: Golem.de)

Knapp zweieinhalb Millionen Menschen weltweit nutzen die Open-Source-Software Tor, um sich anonym im Internet zu bewegen. Geht es nach Andrew Lewman, könnten es in Zukunft 500 Millionen sein.

Inhalt:
  1. Anonymisierung: Tor könnte bald in jedem Firefox-Browser stecken
  2. Ein verstecktes Internet, das neu bevölkert werden könnte

Lewman ist der Executive Director des Tor-Projekts. Tor ist eine Open-Source-Software, die Nutzern hilft, sich im Internet vor Überwachung zu schützen. Sie verschleiert die IP-Adresse eines Nutzers, indem es seine Anfragen nicht direkt an die Zieladresse im Netz schickt, sondern über eine zufällig ausgewählte Kette von Proxyservern leitet.

Diese Server, auch Relays oder Nodes (Knoten) genannt, bilden das Tor-Netzwerk. So kann zum Beispiel der Betreiber einer Website nicht erkennen, welcher Computer auf seine Seite zugreift. Und es ist auch nicht ohne Weiteres möglich, von außen zu beobachten, wer mit Tor welche Seite aufruft (Details zur Funktionsweise hier).

Vor einigen Tagen stand in der Mailingliste für Tor-Entwickler, ein bestimmtes Unternehmen wolle Tor in seinen Browser integrieren, als "privaten Browsing-Modus". Der Browser, um den es geht, habe "einen weltweiten Marktanteil von zehn bis 20 Prozent, bei grob geschätzt 2,8 Milliarden Internetnutzern". Am besten passt diese Beschreibung auf Firefox von Mozilla. Bekäme er einen Tor-Modus, der sich einfach per Button aktivieren lässt, wäre eines der mächtigsten Programme zum Schutz der Privatsphäre plötzlich ein Mainstream-Produkt.

Tor attraktiver machen

Stellenmarkt
  1. Hella Gutmann Solutions GmbH, Ihringen bei Freiburg im Breisgau
  2. Hanseatisches Personalkontor, Dachau (Erdweg)

Weder Lewman noch Mozilla wollen bestätigen, dass sie miteinander verhandeln. Mozilla teilt auf Anfrage mit, man diskutiere schon lange und regelmäßig mit dem Tor-Projekt, wie man kollaborieren könnte, um das offene Netz zu stärken. Zu spezifischen Projekten habe man derzeit nichts zu sagen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Macher des Tor-Projekts nach Wegen suchen, ihre Nutzerbasis erheblich zu vergrößern. Lewman selbst hat es schon öffentlich gesagt, und auf einem Entwicklertreffen in Island in diesem Winter wurde eine ganze Reihe von Projekten besprochen, die das Tor-Netzwerk attraktiver machen sollen. Darunter sind zum Beispiel ein Instant Messenger, ein Tor-Router und ein ganzes Tor-Betriebssystem für mobile Geräte.

Der einfachste Weg, heute Tor zu nutzen, ist der sogenannte Tor-Browser. Der basiert auf einer bestimmten Firefox-Version. Die Schlussfolgerung, dass Mozillas Firefox der erste weit verbreitete Browser mit Zugang zum Tor-Netzwerk werden könnte, liegt also nahe.

Die Tor-Macher würden aber auch mit Hardware-Herstellern, Internet-Providern und Software-Entwicklern über eine Integration ihres Anonymisierungsdienstes sprechen, schreibt The Daily Dot. Ziel sei es, mehrere Hundert Millionen Nutzer zu erreichen. Dafür ist das Tor-Netzwerk aber derzeit nicht ausgelegt. Die heutige Infrastruktur aus rund 6.000 Relays würde einen solchen Ansturm nicht verkraften, weiß auch Lewman. Er sucht nun nach Wegen, das Netzwerk zu stärken.

Theoretisch kann zwar jeder Tor-Nutzer Teil des Netzwerks werden, wenn er an seinem Computer ein Relay einrichtet. Und ein bisschen Bandbreite "spendet". Benötigt würden aber vor allem sehr viel mehr leistungsfähige Server mit viel Bandbreite. Lewman setzt darauf, dass Unternehmen, die Tor in ihre Produkte integrieren wollen, auch personelle und finanzielle Ressourcen einsetzen, um das Netzwerk entsprechend anzupassen.

Effektiv gegen anlasslose Massenüberwachung

Sollte der Ausbau gelingen, wird das zunächst einmal die Geheimdienste dieser Welt sehr unglücklich machen. Bisher senden Tor-Nutzer praktisch ein Warnsignal: Achtung, ich tue etwas, wobei ich nicht beobachtet werden will. NDR und WDR hatten im Juli berichtet, die NSA betrachte jeden, der sich auch nur für Tor interessiert, als Extremisten und speichere seine Daten in einer speziellen Datenbank. Wenn künftig 100 Millionen Menschen oder mehr Tor benutzen, ist dieses Signal wertlos.

Die Darstellung von NDR und WDR mag übertrieben gewesen sein, aber dass Tor der NSA zumindest bis 2012 ein Dorn im Auge war, weil sie nur einen Bruchteil der Nutzer deanonymisieren konnte, belegen die Snowden-Dokumente. Tor gilt deshalb als eines der wirksamsten Anti-Überwachungswerkzeuge, wenn es richtig benutzt wird. (Wer mit dem Tor-Browser surft, sich dabei aber mit seinem echten Namen bei Facebook anmeldet, ist natürlich nicht anonym im Internet unterwegs.) Eine massive Verbreitung wäre eine sehr effektive Maßnahme gegen die anlasslose automatisierte Massenüberwachung durch NSA, GCHQ und ihre Verbündeten.

Ein verstecktes Internet, das neu bevölkert werden könnte 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 127,75€ + Versand

crmsnrzl 06. Okt 2014

Stimmt, und damit haben die "Stördaten" nicht nur nichts davon, mit etwas Pech pissen...

Korashen 04. Okt 2014

Pass auf, verstehen tu ich deine Aussage, klar, aber ... ich hab doch schon zu viel in...

Bosancero 04. Okt 2014

So geht das nicht! Ab hier gibts dann keine Demokratie und Mozilla wird eben platt gemacht!

Rulf 04. Okt 2014

es ist doch ganz einfach: der standart-user oder auch otto-normal-dau klick generell bei...

Rulf 04. Okt 2014

ist für mich ein klares indiz, daß es den geheimdiensten endlich gelungen ist, tor...


Folgen Sie uns
       


Nokia 1 - Test

Das Nokia 1 ist HMD Globals günstigstes Android-Smartphone, wirklich Spaß macht die Nutzung uns allerdings nicht. Trotz Android Go weist das Gerät Leistungsschwächen auf.

Nokia 1 - Test Video aufrufen
Xperia XZ2 Compact im Test: Sonys kompaktes Top-Smartphone bleibt konkurrenzlos
Xperia XZ2 Compact im Test
Sonys kompaktes Top-Smartphone bleibt konkurrenzlos

Sony konzentriert sich beim Xperia XZ2 Compact erneut auf die alte Stärke der Serie und steckt ein technisch hervorragendes Smartphone in ein kompaktes Gehäuse. Heraus kommt ein kleines Gerät, das kaum Wünsche offenlässt und in dieser Größenordnung im Grunde ohne Konkurrenz ist.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Xperia XZ2 Premium Sony stellt Smartphone mit lichtempfindlicher Dualkamera vor
  2. Sony Grundrauschen an Gerüchten über die Playstation 5 nimmt zu
  3. Playstation Sony-Chef Kaz Hirai verabschiedet sich mit starken Zahlen

HTC Vive Pro im Test: Das beste VR-Headset ist nicht der beste Kauf
HTC Vive Pro im Test
Das beste VR-Headset ist nicht der beste Kauf

Höhere Auflösung, integrierter Kopfhörer und ein sehr bequemer Kopfbügel: Das HTC Vive Pro macht alles besser und gilt für uns als das beste VR-Headset, das wir bisher ausprobiert haben. Allerdings ist der Preis dafür so hoch, dass kaufen meist keine clevere Entscheidung ist.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. SteamVR Tracking 2.0 36 m² Spielfläche kosten 1.400 Euro
  2. VR-Headset HTCs Vive Pro kostet 880 Euro
  3. HTC Vive Pro ausprobiert VR-Headset hat mehr Pixel und Komfort

Digitalfotografie: Inkonsistentes Rauschen verrät den Fälscher
Digitalfotografie
Inkonsistentes Rauschen verrät den Fälscher

War der Anhänger wirklich so groß wie der Ring? Versucht da gerade einer, die Versicherung zu betuppen? Wenn Omas Erbstück geklaut wurde, muss die Versicherung wohl dem Digitalfoto des Geschädigten glauben. Oder sie engagiert einen Bildforensiker, der das Foto darauf untersucht, ob es bearbeitet wurde.
Ein Bericht von Werner Pluta

  1. iOS und Android Google lanciert drei experimentelle Foto-Apps
  2. Aufstecksucher für TL2 Entwarnung bei Leica

    •  /