Anno 1800 angespielt: Klassisch mit Klasse(n)

Früher war alles besser - das gilt auch in Anno 1800: Die Rückkehr zu einem historischen Setting und altbekannten Gameplay tut der Serie gut, hinzu kommen feine Änderungen. Bauern etwa wollen zwar auf der Farm arbeiten, aber keine stinkende Schwerindustrie um die Ecke haben.

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Eine Siedlung in Anno 1800 im Postkartenmodus
Eine Siedlung in Anno 1800 im Postkartenmodus (Bild: Blue Byte/Screenshot: Golem.de)

Eben noch zieht der Mob streikend und zündelnd durch die Straßen der Stadt - nur um ein paar Minuten später fröhlich das Bierfest zu feiern. In Anno 1800 sind unsere Inselbewohner aber nicht einfach besonders launisch, sondern schlicht feinfühliger als in vorherigen Serienteilen. Der neue Ableger spielt zur Zeit der Industriellen Revolution und zumindest die uns vorliegende englische Version hat eine herrlich britische Sprachausgabe, welche die einzelnen Klassen immer wieder humorig herauskehrt.

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Anno 1800 orientiert sich spürbar an früheren Titeln wie Anno 1404 und ignoriert einige Änderungen der in der fiktiven Zukunft angesiedelten Teile. So starten wir bei nicht aufgedeckter Karte und suchen uns eine Insel für ein Kontor. In kurzer Zeit fährt der Fischer auf See, ein Holzfäller sorgt für Baumaterial und die ersten Bauern ziehen in ihre Hütten. Dabei fällt eine sinnvolle Neuerung ins Auge: Der Blueprint-Modus lässt uns Gebäude ohne Kosten schon einmal platzieren, für die es uns eigentlich an beispielsweise Stahl fehlt. Haben wir später genug davon, entsteht der Pub mit einem Klick an der geplanten Stelle.

Das hilft dabei, Warenketten aufzubauen und den Überblick zu behalten, wie wir unsere Insel besiedeln. Zu eng stehende Gebäude provozieren Feuer, und wenn Bauern ständig der Gestank von Schweinefarmen in die Nase steigt, werden sie übellaunig, selbst wenn ansonsten alles zu ihrer Zufriedenheit steht. Zwar können wir Aufstände mit der Polizei unter Kontrolle bekommen, das bekämpft aber nur die Symptome und keinesfalls die eigentliche Ursache. Der Pöbel verlangt schnell nach mehr: Brot, Wurst und Schnaps gehören auf den Tisch jedes Arbeiters, ansonsten können wir sie nicht zu höhere Steuern zahlenden Handwerkern befördern. Den Aufstieg müssen wir für jedes Haus einzeln vornehmen, was uns anfangs unnötig sperrig vorkam.

Wenig später haben wir aber den Kniff kapiert: In Anno 1800 klappt es nicht, auf einer Insel eine dicht gepackte Aristokraten-Stadt hochzuziehen, die von anderen Eiländern aus mit Waren versorgt wird. Stattdessen benötigen alle Betriebe die richtige Bevölkerungsklasse, um zu produzieren. Bei der Kartoffelernte oder in der Getreidemühle schlägt sich das nicht direkt in einer Hungersnot nieder, es verlangsamt aber die Herstellung teils drastisch oder stoppt sie gar. Uns ist es beim Schiffsbau aufgefallen, denn die Werft zieht temporär viele Arbeiter ab, die dann woanders fehlen. Um schnell entgegenzuwirken, drosseln wir die Erzförderung oder legen den Segeltuchbetrieb still, weil die Menge für eine Fregatte sowieso schon ausreicht.

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Kämpfe zu See führten wir primär gegen eine rothaarige Piratin Anne, deren horrenden Schutzgeldforderungen wir nicht nachkommen wollten. Deren Schiffe legen im schlimmsten Fall unsere Handelsrouten lahm, denn wir müssen Waren zwischen unseren Inseln transportieren oder handeln mit der KI-gesteuerten Konkurrenz. Unbewaffnete Schoner fallen der Freibeuterin schnell zum Opfer, da sie obendrein langsamer sind als Kanonenboote. Früher oder später müssen wir also in eine Flotte investieren, denn unsere Handwerker fordern unter anderem teure Pelze, um zu Ingenieuren und später zu Investoren aufzusteigen. In der Vorschauversion von Anno 1800 waren die unteren drei Klassen freigeschaltet.

Das bedeutete aber alles andere als weniger Arbeit oder Spaß: Die Ingenieure etwa wollen Dosengulasch, wofür wir Paprika benötigen - das können wir auf unserer Hauptinsel aber nicht anbauen. Also expandieren wir ein Eiland weiter per Blueprint-Modus oder wagen uns gleich von der Alten Welt in die Neue Welt. Denn wie schon bei Anno 1404 gibt es unterschiedliche Zonen, wobei wir noch nicht genau wissen, wie es in Südamerika aussieht ... unsere Fregatte ist bei einem Sturm gesunken. Aber das macht nichts, bauen wir eben eine neue - und davon wird uns auch der Sprecher nicht abhalten, der wie eh und je daran erinnert, dass wir doch schon seit fünf Stunden spielen. Klassisch Anno eben!

Technisch basiert Anno 1800 auf einer überarbeiteten Inhouse-Engine, allerdings nutzt Blue Byte erstmals einen Direct3D-12-Renderer. Der Look erinnerte uns sofort an Anno 1404, der Detailgrad ist jedoch viel höher und die Effekte sind fortgeschrittener. Besonders gefällt uns die Kantenglättung, denn trotz der filigranen Darstellung der Spielwelt flackert oder flimmert Anno 1800 kaum bis gar nicht. Unser Testsystem mit einem Ryzen 5 2600X mit sechs Kernen sowie 16 GByte Speicher und einer Geforce RTX 2080 erreichte in 1440p selbst mit ultrahohen Settings meist über 60 fps. Generell dürfte Blue Byte aber erst noch optimieren, daher sind diese Werte nur vorläufig.

Anno 1800 hätte ursprünglich am 26. Februar 2019 für Windows-PC über Ubisofts Uplay-Plattform erscheinen sollen. Den Termin hat der Hersteller nun auf den 16. April 2019 verschoben. Uns sind in der Vorschauversion keine Mikrotransaktionen aufgefallen, für zwei schmückende Ornamente müssten wir aber Mitglied im Ubisoft Club sein.

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ms (Golem.de) 05. Feb 2019

Im Test dann ;-)

Delle 02. Feb 2019

Das mit den Feldern nennt man Planung. Du musst deinen Schweinen schon genügend Freiraum...

Ultronkalaver 31. Jan 2019

1404 ist wirklich ein tolles Spiel. Habe da echt lange Zeit mit verbracht.

Tom01 29. Jan 2019

Mit Steam kann Mann das Spiel vom Spiele-Rechner auf einen anderen Rechner streamen. Ob...



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