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Anno 117 im Test: Ich kam, ich sah, ich baute

Römische Ordnung trifft auf entspanntes Aufbauen: Anno 117 verbindet klassisches Ressourcenmanagement mit neuen Ideen.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Anno 117 Pax Romana (Bild: Ubisoft)
Artwork von Anno 117 Pax Romana Bild: Ubisoft

Wir haben eine Bilderbuchsiedlung aus dem Boden von Albion gestampft – und müssen nach ein paar Ingame-Tagen verdutzt feststellen, dass wir keinen einzigen Bewohner gewonnen haben.

Dabei sieht alles so schön aus in Anno 117 – Pax Romana: Ein hübsches Häuschen neben dem anderen, akkurat angelegte Parks mit Denkmälern und Bäumen.

Im römisch inspirierten Latium hätten uns die Bewohner die Buden eingerannt. Die keltischen Wanderer hingegen üben sich vornehm in prä-britischer Zurückhaltung.

Irgendwann finden wir heraus, woran es vermutlich liegt: Die Bürger in Albion wohnen lieber in locker angelegten Dörfchen, angepasst an Gelände und Sumpfzonen. Verschlungene Wege statt gerader Straßen, alles mit etwas mehr Distanz.

Sobald wir das berücksichtigen, füllen sich die Gebäude, und wir können uns dem widmen, was Anno seit Jahrzehnten auszeichnet: friedliches Wachstum, Ressourcenmanagement und ausgeklügelte Produktionsketten.

Bei uns hat Anno 117 schon nach kurzer Zeit seine typische Sogwirkung entfaltet. Die Entwickler von Ubisoft Mainz(öffnet im neuen Fenster) bleiben der Tradition treu, bieten aber neben dem frischen Szenario neue Details und sinnvolle Verbesserungen.

Wobei wir gestehen: Beim Anlegen von Holzfällerhütte und Taverne, beim Verbinden von Kontor und Steinbruch, vor allem aber bei den allmählich immer komplexeren Produktionsketten hatten wir anfangs ein leichtes Gefühl von Überforderung.

Anno 117 ist ein komplexes Spiel mit vielen Elementen, an einigen Stellschrauben können wir auf dezent unterschiedliche Arten drehen: direkt in der Welt durch Gebäude ebenso wie durch die Auswahl eines passenden Gottes oder durch den Forschungs-Talentbaum.

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Was sich wie in der Praxis auswirkt, lernen wir erst nach und nach – das schafft Unsicherheit. Aber wir merken auch, dass Anno 117 uns nicht übertrieben hart für kleine Fehler bestraft und nicht zwingend das große Chaos ausbricht, wenn unsere Feuerwache ein paar Meter zu weit von der Schmiede entfernt steht.

Die Informationsflut ist beachtlich, aber dank clever aufbereiteter Hinweise und lernfreundlicher Fenster bleibt das Spiel auch anfangs weitgehend frustfrei. Wer will, kann sich gemütlich durch die Menüs klicken. Wer tiefer eintauchen mag, entdeckt zahlreiche Optionen, um die Effizienz der eigenen Provinz weiter zu steigern.

Kampagne für den perfekten Einstieg

Die römische Ära klingt zunächst nach einem radikalen Bruch mit den sehr viel später angesiedelten Vorgängern, tatsächlich aber fühlt sich Anno 117 verblüffend vertraut an. Das beginnt beim Stadtbild, das abgesehen von Thermen, Villen und einigen ikonischen Bauten wenig mediterranes Flair vermittelt.

Die typischen Figuren, Plätze und Szenen, die man aus Historienfilmen oder Serien erwarten könnte, fehlen weitgehend. Selbst in Latium, wo das Spiel seinen Anfang nimmt, erinnert das Szenario mehr an eine helle Variante der alten Inselwelten als an das pulsierende Herz des römischen Imperiums. Wer auf Caesar- und Brutus-Flair hofft, dürfte etwas enttäuscht werden.

Grundsätzlich gilt: Wir können eine je nach Spielweise rund 8 bis 12 Stunden lange Kampagne oder das Endlosspiel absolvieren. Die Kampagne beginnt gemächlich, in den ersten zwei bis vier Stunden führen kleinere Aufgaben in die Spielmechanik ein – etwa, Ziegel und Holz für eine kaiserliche Geburtstagsparty zu sammeln oder ein verlorenes Schiff auf See zu finden.

Nach einem dramatischen Ereignis verschlägt es uns nach Albion, wo wir auf keltische Stämme treffen. Schade: Die Geschichte wird zwar immer wieder als treibendes Element genutzt, bleibt aber blass. Sie wirkt eher wie ein Tutorial. Erzählt wird sie größtenteils in Standbildern und Texttafeln – charmant, aber kaum packend.

Spielmechanisch ist das jedoch kein Beinbruch. Die Stärken von Anno 117 liegen wie gewohnt im Aufbau und in den feinen Abläufen zwischen Produktion, Handel und Bevölkerungsentwicklung.

Die Einführung frischer Mechaniken, etwa die etwas flexiblere Gebäuderotation, fällt weniger spektakulär aus, als es die Entwickler im Vorfeld andeuteten. Als wichtigste Neuerung gegenüber den Vorgängern empfinden wir das deutlich komfortablere Anlegen von Straßen sowie die Pause – während der können wir weiter Befehle erteilen oder Gebäude platzieren.

In Pax Romana kehrt Militär zurück, und zwar als Option in allen Modi. Wir können auf dem Meer mit unserer Flotte sowie mit Speerträgern, Bogenschützen, Legionären, Gladiatoren oder Kavallerie zu Land kämpfen. Die Einheiten erfordern Arbeitskraft, Waffen und teils aufwendige Produktionsketten.

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Belagerungsgeräte wie Onager zerstören Mauern. Entscheidend für eine Eroberung ist übrigens die idealerweise im Landesinneren liegende Villa des Gegners, nicht der Handelsposten am Meer – was Land- und Seekräfte stärker verzahnt. Das System wirkt durchdacht, aber nie dominant: Krieg ist Ergänzung, kein Schwerpunkt. In allen Modi können wir komplett auf Kämpfe verzichten.

Die Idee mit den zwei Welten finden wir gelungen. Latium und Albion unterscheiden sich in Klima, der Architektur und den Bedürfnissen der Bevölkerung. Wie schon geschrieben, zählen unter römischer Herrschaft Nähe und Ordnung, während die Bewohner Albions das Ungeplante und Naturnahe bevorzugen. Das zwingt uns, das gewohnte Rasterdenken ein Stück weit aufzugeben und flexibler zu planen.

Der Wechsel zwischen den Regionen führt zu spürbarer Abwechslung, selbst wenn beide Umgebungen optisch etwas zu ähnlich geraten sind. Der mediterrane Glanz bleibt dezent, die britische Wildnis ist hübsch, aber nicht radikal anders. Trotzdem fühlt sich der Aufbau durch die unterschiedlichen Anforderungen frisch an.

Anno 117 – Pax Romana: Verfügbarkeit und Fazit

Technisch zeigt sich Anno 117 von seiner schönsten Seite. Die Engine liefert beeindruckende Weitsichten, filigrane Gebäude und liebevoll animierte Bewohner. Besonders die dynamischen Tag- und Nachtwechsel stechen hervor – sie sind allerdings rein kosmetisch und können individuell eingestellt werden.

Wer einfach nur durch die Kamera zoomt und das rege Treiben in den Straßen beobachtet, versteht sofort, warum Anno seit Jahrzehnten eine der visuell schönsten Aufbaureihen bleibt.

Auch die Performance überzeugt: Auch auf größeren Karten bleiben Bildrate und Ladezeiten stabil, selbst auf einem Windows-Handheld wie dem ROG Xbox Ally X hatten wir diesbezüglich keinerlei Probleme.

Beim Klangbild bleibt Ubisoft Mainz konservativ. Die Musik ist stimmungsvoll, aber unaufdringlich, die Sprecher solide, ohne Glanzmomente. Hier hätten wir uns etwas mehr römisches Pathos gewünscht – ein paar klirrende Legionärsrüstungen, ein Chor im Hintergrund, mehr Imperium.

Stattdessen wirkt vieles eher brav. Doch wer Anno spielt, sucht ohnehin weniger Drama als Balance. Und in dieser Hinsicht liefert der neue Teil genau das, was man erwartet. Nach vielen Stunden entfaltet sich schließlich das bekannte Produktions-Puzzle in voller Größe. Handelsrouten werden komplexer, Engpässe drohen, neue Luxusgüter kommen hinzu.

Anno 117 – Pax Romana erscheint am 13. November 2025 für Xbox Series X/S, Playstation 5 und Windows-PC (Steam, Ubisoft Connect, Epic Games Store). Die Basisversion kostet 60 Euro.

Pax Romana hat einen Koop-Modus, bei dem bis zu vier Spieler eine gemeinsame Stadt aufbauen können. Mikrotransaktionen sind nicht enthalten. Die deutsche Sprachausgabe finden wir gelungen. Das Spiel erhielt von der USK eine Freigabe ab 12 Jahren.

Fazit

Anno 117 – Pax Romana ist ein wunderschönes und durchdachtes Aufbauspiel, das mit seiner doppelten Welt frischen Wind bietet. Der Start wirkt zunächst komplex, doch die gelungene Benutzerführung nimmt auch Einsteiger gut an die Hand.

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Wer Geduld mitbringt, wird mit einem der elegantesten Teile der Reihe belohnt. Kleinere Schwächen wie die blasse Kampagne, die zu dezenten Unterschiede zwischen Latium und Albion und ein etwas zu zurückhaltendes römisches Flair ändern nichts am sehr guten Gesamteindruck.

Die Entwickler haben mit Anno 117 ein Spiel geschaffen, das Struktur, Atmosphäre und Entschleunigung perfekt verbindet und mit seiner Sogwirkung sowohl Strategiespieler als auch Baumeister für Wochen und Monate an den Bildschirm fesseln kann.


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