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Ankermake M5: Der rasend schnelle 3D-Drucker

Achtung, bewegliche Teile: Der Ankermake M5 von Anker ist aufs schnelle 3D-Drucken ausgelegt. Das funktioniert gut, die Software weniger.
/ Oliver Nickel , Friedhelm Greis
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Der Ankermake M5 kann bereits gute Druckergebnisse erzielen. (Bild: Nina Völkel/Golem.de)
Der Ankermake M5 kann bereits gute Druckergebnisse erzielen. Bild: Nina Völkel/Golem.de

Es ist schon beeindruckend, dem Ankermake M5 bei seinem ersten Druckvorgang zuzuschauen. Der erste 3D-Drucker aus dem Hause Anker druckt nämlich enorm schnell. Das ist auch das Hauptverkaufsargument für ihn. Doch wir schlagen uns (noch) mit der passenden Slicing-Software, falsch aufgewickeltem Filament und einem Kontozwang herum. Und trotzdem steckt im Ankermake M5 viel Potenzial, gerade für den angegebenen Preis von unter 1.000 Euro.

Der Drucker muss vor der Inbetriebnahme zunächst aber zusammengebaut werden. Das geht recht einfach. Dem Set liegen ein Werkzeugetui sowie die erforderlichen Schrauben bei – sogar mit jeweils einer Ersatzschraube. Die beiden Z-Achsen werden in die massive Bodenplatte gesteckt und verschraubt. Dann müssen noch vier Kabel eingesteckt werden. Der Filamentrollenhalter lässt sich an zwei unterschiedlichen Positionen befestigen. Das beifügte Filament ist schnell und problemlos eingefädelt.

Nach dem Kalibrieren kann es losgehen. Die automatische Kalibrierungsfunktion ist für Kunden, die normalerweise manuelles Kalibrieren gewohnt sind, doch ein enormer Vorteil. Dabei misst der Drucker selbstständig den Abstand zwischen dem Druckkopf und dem Druckbett – insgesamt an 49 Punkten. Ist der Abstand ungleichmäßig, passt der Drucker die Druckbettneigung automatisiert an.

Offene Druckkammer mit großem Druckraum

Im Gegensatz zu vielen anderen 3D-Druckern verfügt der M5 nicht über eine abgeschlossene Druckkammer. Anders als beispielsweise beim Prusa Mini+ sind jedoch keine offenen Wellen und Riemen zu sehen. Das Druckvolumen ist mit 235 x 235 x 250 mm, was 13,8 Litern entspricht, für die meisten Projekte ausreichend groß. Durch das beheizte Druckbett lassen sich Verformungen aufgrund des sogenannten Warp-Effekts vermeiden. Auch lösen sich fertig gedruckte Modelle so besser von der Druckplatte.

AnkerMake M5 3D-Drucker – Zeitraffer
AnkerMake M5 3D-Drucker – Zeitraffer (02:15)

3D-Drucken macht natürlich am meisten Spaß, wenn der Drucker ins Netzwerk eingebunden ist und man direkt aus dem Slicer-Programm drucken kann. Bei Ankermake ist dazu eine App erforderlich, die uns vorab bereitgestellt wurde. Inzwischen ist die App ist für Android und iOS in den Appstores erhältlich.

Über Bluetooth wird zunächst die WLAN-Verbindung freigeschaltet. Dann lässt sich über das Netzwerk beispielsweise die an der Steuerungseinheit angebrachte Kamera nutzen. Über die App lassen sich auch Drucke starten, deren Dateien im Gerät oder auf einem eingesteckten USB-Stick gespeichert sind.

Das Problem: Um den Drucker per App einzubinden, müssen wir auch ein kostenloses Anker-Konto erstellen. Ohne die App lässt sich der Drucker nicht im Netzwerk oder über die passende Slicing-Software nutzen. Per Bluetooth kann er zudem nur mit einem Gerät verknüpft werden. Die MAC-Adresse des Druckers wird dabei als Identifikation genutzt.

Bei Bedarf können wir den Drucker aber mit bis zu drei anderen Anker-Konten teilen. Dazu geben wir lediglich die E-Mail-Adresse des Gastes ein. Auf dessen Smartphone erscheint dann eine Bestätigungsmeldung. Die Einladung geht überraschend schnell. Da allerdings nur vier Konten auf den Drucker zugreifen können, ist er für den Einsatz in größeren Unternehmen eher weniger geeignet – auch wegen des Kontozwangs.

Probleme gibt es bisher vor allem beim Slicer.

Softwarebugs und -probleme

Das Slicer-Programm, das übrigens auf dem verbreiteten Slicer Ultimaker Cura basiert, ist im Gegensatz zu App und Druckermenü bislang nur auf Englisch und Chinesisch verfügbar. Zudem war es erforderlich, in der App als Standort die USA anzugeben, damit das Programm den Drucker im Netzwerk findet. Solche Details dürften bei der Auslieferung des Druckers an die Kunden vermutlich besser funktionieren, hoffentlich genauso wie die generelle Bedienbarkeit der Software.

Das Programm bietet die üblichen Druckeinstellungen an, die jedoch noch nicht immer perfekt funktionieren. So wurden bei einem Objekt mit einem Überhang keine Stützen generiert, obwohl dies vor dem Slicen eingestellt wurde. In neueren Betaversionen startete die Software teilweise gar nicht. Das war auf einem Tiger-Lake-Notebook (Razer Book 13) der Fall. Auf einem zweiten Computer mit Windows 11 und Alder-Lake-SoC (Dell XPS 13 Plus) hatten wir das Problem nicht. Es scheint also ein Kompatibilitätsproblem zu geben.

AnkerMake M5 3D-Drucker – Trailer
AnkerMake M5 3D-Drucker – Trailer (01:41)

Funktioniert die Software erst einmal ordnungsgemäß – dazu müssen wir uns auch mit unserem Anker-Account anmelden -, sehen wir die Parallelen zu Cura. Wir können unsere Modelle auf der Druckfläche auswählen und sie beliebig skalieren, drehen und platzieren. Das ist sinnvoll, wenn wir mehrere Modelle mit einem Druckvorgang erstellen möchten. Die Vorschau reagiert auch auf integrierten Grafikeinheiten schnell genug. Leistungstechnisch scheint Anker also bereits Fortschritte gemacht zu haben.

Einstellungsmöglichkeiten wie in Cura

Enthusiasten und Profis können auch diverse Druckerprofile hinzufügen und Parameter anpassen. Unter anderem können wir etwa die Schichthöhe, Wandstärken, Füllmethoden und Stützenalgorithmen auswählen. Alternativ nutzen wir einfach das voreingestellte Profil für den Ankermake M5 oder wir importieren das Profil des M5 in den Slicer unserer Wahl. Die präparierte Datei können wir dann über einen USB-Stick auf den Drucker laden und so drucken.

Generell ist die Software noch relativ langsam: Das Slicing und Manipulieren von Modellen braucht seine Zeit. Der Slicer befindet sich eben noch immer in einem Betastadium. Anker hat bis zum offiziellen Release des M5 noch Zeit, ihn und die mobile App weiter auszubauen und so besser nutzbar zu machen.

Schön wäre es, wenn der Zwischenschritt über die App und ein Konto nicht notwendig wäre. Das wird aber sehr wahrscheinlich so bleiben, da über den Anker-Server und das Konto Remote-Überwachung per Kamera, Drucker-Sharing und andere Features gelöst sind.

Der rasende 3D-Drucker

Der Druck selbst geht extrem schnell vonstatten. Der M5 druckt mit einer Geschwindigkeit von 250 mm pro Sekunde. Nach Angaben von Anker ist das "fünfmal schneller" als übliche 3D-Drucker, die standardmäßig mit 50 mm/s drucken. Dabei lassen sich mit dem M5 Schichten von minimal 0,1 mm aufbauen.

Für filigranere Drucke liegen dem Gerät auch Ersatzdüsen bei – mit Größen von 0,2, 0,4 und 0,6 mm. Das Austauschen geht relativ leicht vonstatten, da Anker das passende Schraubwerkzeug gleich mitliefert. Wir sollten aber aufpassen und nach dem Wechsel das Druckprofil ändern. Denn automatisch erkennt das Gerät eine kleinere oder größere Düse nicht.

Tatsächlich sind in diesem Preissegment keine anderen Drucker zu finden, die mit einer so hohen Geschwindigkeit brauchbare Ergebnisse erzeugen. Ganz klar ist das die Stärke des Ankermake M5. Die Geschwindigkeit erreicht der Drucker dabei auch, weil X- und Y-Achse sich unabhängig voneinander bewegen. Während der Druckkopf mit Extruder und Lüftereinheit die X-Achse übernimmt, fährt das beheizte Druckbett auf zwei Schienen auf der Y-Achse entlang.

Lauter Druckbettschwinger

Wir sollten daher aufpassen, wo wir den Drucker aufstellen. Das Druckbett kann merklich über die eigentlichen Dimensionen des Druckers hinausragen und schnellt während des Drucks auch rasant hin und her, was theoretisch zu Verletzungen führen kann. Generell ist der Drucker auch sehr laut – vor allem, sobald der schnelldrehende Lüfter im Druckkopf anspringt. Wir empfehlen daher einen eigenen Werkraum oder eine gut isolierte Abstellkammer als Aufstellort.

Durch die Fernüberwachung per integrierter Kamera lässt sich der Druck gut beaufsichtigen und notfalls auch abbrechen. Noch besser wäre es, wenn die Kamera auch im Slicer-Programm angezeigt würde. Das hat bei unserem Test leider nicht funktioniert. Möglicherweise bessert Anker hier noch nach.

Gute Qualität bei größeren Drucken

Bei unserem Test sind wir mit den Druckergebnissen trotz der hohen Druckgeschwindigkeit zufrieden. Die Oberflächen waren sehr gleichmäßig glatt und fielen deutlich besser aus als bei einem Da Vinci Jr. 2.0 Mix von XYZ-Printing, der als 3D-Drucker der ersten Generation allerdings kein Maßstab sein sollte. Aber auch im Vergleich zum (zugegeben wesentlich günstigeren) Creality Ender 5 können sich die Druckergebnisse sehen lassen.

Wir sollten allerdings wissen, worauf wir uns hier einlassen. Trotz der relativ guten Schichthöhe von minimal 0,1 mm sehen wir die für Filamentdrucker typischen Rillen bei Druckerzeugnissen. An schrägen Kanten können wir auch eine kleine Treppchenbildung ausmachen.

Im Test schneidet der M5 gerade bei filigranen Modellen daher weniger gut ab, was allerdings fast ausschließlich der Druckerart zuzuschreiben ist. Wir konnten Tabletop-Miniaturen im 28-mm-Maßstab, der etwa bei Warhammer 40k verbreitet ist, nicht zufriedenstellend detailliert kreieren. Gerade im Gesicht und bei Überhängen franst der Druck stark aus und Details sind kaum erkennbar.

Weniger Details bei filigranen Figuren

Je größer die Miniatur ist, desto weniger fällt das allerdings ins Gewicht. Wir konnten etwa das Modell einer Sukkubus-Figur in 52 mm in brauchbarer Qualität ausdrucken.Schafft es der fehlerbehaftete Slicer zudem, Stützen ohne Fehler zu erzeugen, durch die unsere Figur etwa innerhalb der Software in der Luft schweben kann, sind auch Überhänge möglich – etwa Waffen, Ausrüstung und Flügel.

Größere Modelle wie Terrainstücke für unsere nächste Dungeons-and-Dragons-Partie sind mit dem M5 kein Problem. Durch den schnellen Druckvorgang sind sie auch meist in einer Nacht fertiggestellt. So konnten wir ein in der Mitte hohles Haus mit einer Grundfläche von 15 x 15 cm innerhalb von 5:20 Stunden bei einem Filamentverbrauch von 128 Gramm ausdrucken. Die Geschwindigkeit ist ein enormer Vorteil, wenn wir spontan etwas Neues erzeugen möchten.

Der M5 soll mithilfe einer künstlichen Intelligenz (KI) in der Lage sein, Fehldrucke per Kameraüberwachung zu erkennen. Das hat bei unserem Test überhaupt nicht funktioniert. Wie gesagt fransen Modelle je nach Detailgrad genauso aus, wie sie es bei unserem Davinci 2.0 Jr. und Creality Ender 5 auch tun.

Fehlererkennung nutzlos

Außerdem gab es bei der beigefügten Filamentrolle häufig Druckblockaden, die der Drucker jedoch nicht registrierte. Stattdessen wurde das Objekt gewissermaßen in die Luft gedruckt. Das Problem: Die Filamentrolle wurde ab Werk unsauber aufgerollt und der Faden verhakte sich während des Drucks mehrere Male. Mit einer neuen Rolle, die wir bei Prusa bestellt haben, gab es hingegen keinen Filamentstau.

Bei einem anderen Druckvorgang hat der Drucker zwar Fehler beim Druck erkannt, allerdings nicht kommuniziert, um welchen Fehler es sich dabei handelte. Das Ergebnis: Eine der platzierten Miniaturen endete als Filamenthaufen auf dem Druckbett. Nach menschlicher Analyse, ganz ohne KI, konnten wir den Fehler feststellen. Die Stützen wurden nicht richtig in die Gcode-Datei übertragen, die der Drucker als Quelle für den Druck verwendet. Es ist auch vorgekommen, dass der Drucker einen Fehler angezeigt hat, jedoch keiner vorlag. Anker muss hier definitiv nachbessern.

Extruder auf 260 Grad Celsius

Neben der Möglichkeit, aus dem Slicer zu drucken, lässt sich die Datei auch per USB-Stick einlesen. Die USB-Buchse befindet sich jedoch am Steuerungsgehäuse für den Druckkopf, das sich während des Drucks mitbewegt. Eine USB-Festplatte mit entsprechendem Kabel lässt sich daher nicht als Datenquelle nutzen. Besser wäre es, der USB-Anschluss befände sich an einem unbeweglichen Teil des Druckers.

Die von uns gedruckten Modelle wurden als STL- oder OBJ-Dateien in den Slicer übertragen. Als Material verwendeten wir PLA+. Mit einer maximalen Extrudertemperatur von 260 Grad können auch ABS, TPU, PETG oder das widerstandsfähigere Tough-PLA (Schmelztemperatur etwa 210 Grad) genutzt werden. Im Gegensatz zu älteren XYZ-Druckern verzichtet der M5 zudem auf DRM-geschützte Spulen und kann grundsätzlich Filament diverser Marken aufnehmen.

Der M5 ist für uns daher ein toller Drucker für Anfänger. Die Softwareprobleme sollte Anker aber noch beheben.

Ankermake M5: Verfügbarkeit und Fazit

Der Ankermake M5 kann bisher nur vorbestellt werden. Die Auslieferung soll ab Dezember 2022 beginnen. Aktuell kostet der Drucker 850 Euro. Später will der Hersteller übrigens auch den Mehrfarbdruck ermöglichen. Dazu wird an einer passenden Firmware und einem Filamenthalter für sechs Farben gearbeitet. Das wird allerdings erst für Juli 2023 erwartet.

Fazit

Der Ankermake M5 zeichnet sich vor allem durch eines aus: Er druckt sehr schnell. Bereits nach wenigen Minuten können wir Ergebnisse erkennen. Auch große Drucke erledigt der Filamentdrucker in einer Nacht.

Dabei überzeugt die Qualität in den meisten Fällen. Gerade Flächen und größere Modelle können die 0,2- bis 0,6 mm breiten Spitzen detailreich konstruieren. Allerdings eignet sich der Drucker weniger gut für organische und kleinteilige Modelle, etwa Miniaturen im 28-mm-Maßstab. Dort beobachten wir ausfransende Kanten und Spaghettibildung.

Bis zum Release Ende 2022 sollte Anker zudem am derzeit noch fehlerbehafteten Slicing-Programm arbeiten. Obwohl diverse Einstellungen bereits möglich sind, schließlich basiert das Programm auf Ultimaker Cura, können davon längst nicht alle genutzt werden. So generiert die Software oft Stützen nicht richtig oder zeigt Modelle in der Vorschau falsch an.

Gewöhnungsbedürftig ist der Kontozwang. Wir können den Drucker nur mittels mobiler App und einem kostenlosen Account nutzen. Das wird sich wahrscheinlich nicht ändern, da Zusatzfunktionen wie die Kameraüberwachung aus der Ferne über Anker-Server und das Konto laufen. Ohne App kann der Drucker nicht mittels Slicing-Software direkt genutzt werden. Es bleibt dann nur der Export auf ein externes Speichermedium.

Für fortgeschrittene User könnte sich der M5 daher weniger gut eignen. Viele andere bekommen für unter 1.000 Euro einen qualitativ hochwertigen und relativ einfach bedienbaren Drucker, der obendrein rasant schnell arbeitet. Mehr brauchen die meisten Menschen sicher nicht.


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