Anhörung im US-Kongress: Whistleblowerin vergleicht Facebook mit Tabakkonzernen

Die frühere Facebook-Mitarbeiterin Francis Haugen kritisiert das soziale Netzwerk scharf. Das Unternehmen sei ohne neue Gesetze nicht kontrollierbar.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Die Ex-Facebook-Mitarbeiterin Francis Haugen kritisiert ihren früheren Arbeitgeber scharf.
Die Ex-Facebook-Mitarbeiterin Francis Haugen kritisiert ihren früheren Arbeitgeber scharf. (Bild: Evelyn Hockstein/Reuters)

Die ehemalige Facebook-Mitarbeiterin Francis Haugen hat im US-Senat eine stärkere öffentliche Kontrolle des sozialen Netzwerkes gefordert. "Ich bin heute hier erschienen, weil ich denke, dass Facebook unsere Kinder schädigt, Zwietracht sät und unsere Demokratie schwächt", sagte Haugen am Dienstag in einer Anhörung (Video) des Handelsausschusses in Washington. Haugen glaubt trotz ihrer Kritik "an das Potenzial von Facebook" und die Möglichkeit, soziale Netzwerke sinnvoll zu nutzen.

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Haugen warf in ihrem Eingangsstatement der Führung des IT-Konzerns unter Mark Zuckerberg vor, wider besseres Wissen nicht die erforderlichen Schritte zu unternehmen, um Facebook und Instagram sicherer zu machen. "Sie stellen ihre astronomischen Gewinne über die Menschen", sagte die frühere Facebook-Mitarbeiterin. "Gesetzgeberisches Handeln ist erforderlich, sie werden diese Krise nicht ohne Ihre Hilfe lösen", sagte die 37-Jährige an die Adresse der anwesenden Senatoren gerichtet. "Wir können uns nichts anderes als die volle Transparenz erlauben", forderte sie.

Enthüllungsserie über Facebook

Zuletzt war eine Serie von Enthüllungsberichte über Facebook zu großen Teilen auf Haugen zurückgegangen. Für Aufsehen sorgte vor allem ein Bericht, in dem es um interne Untersuchungen zum Einfluss von Instagram auf junge Nutzer ging. Unter anderem hieß es in dem Bericht von Facebook-Forschern, bei zahlreichen Teenagern - vor allem Mädchen - verstärke Instagram die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, was wiederum Auswirkungen auf die psychische Gesundheit habe.

Die 37-Jährige war rund zwei Jahre bei Facebook, zuvor bei Google sowie der Fotoplattform Pinterest und der Bewertungsplattform Yelp. Als Produktmanagerin sei sie spezialisiert auf algorithmen-basierte Produkte wie Empfehlungssysteme, wie sie auch der Newsfeed von Facebook nutze. Zwar seien die damit verbundenen Probleme komplex, doch Facebook habe desaströse Entscheidungen zu Lasten von Kindern, der öffentlichen Sicherheit, der Privatsphäre und der Demokratie getroffen. "Daher müssen wir von Facebook Änderungen verlangen", forderte Haugen.

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Bei dem Online-Netzwerk arbeitete sie unter anderem an der Abwehr von Versuchen, die Öffentlichkeit vor Wahlen zu manipulieren. In Fällen, in denen sich Facebook zwischen Profit und öffentlicher Sicherheit habe entscheiden müssen, habe sich das Unternehmen immer für den Profit entschieden. Das habe am Ende sogar zu Gewalt und der Tötung von Menschen geführt, sagte sie. Facebook habe Wachstum um jeden Preis gewollt.

Wie früher die Tabakkonzerne

Laut Haugen weiß im Grunde niemand außerhalb von Facebook, was im Innern des Unternehmens passiere. Der Konzern enthalte die erforderlichen Informationen der Öffentlichkeit und den Regierungen weltweit vor. Haugen verglich die Situation von Facebook mit dem Verhalten von Tabakkonzernen, die ihr Wissen über die schädlichen Auswirkungen des Rauchens der Öffentlichkeit jahrelang verheimlicht hätten.

Doch anders als beim Rauchen sei es für Außenstehende nicht möglich, durch unabhängige Forschungen die Gefahren von Facebook zu überprüfen. Denn das Unternehmen gewähre keinen Einblick in seine Daten. Stattdessen täusche Facebook mit falschen Angaben die Öffentlichkeit.

Sie warnte bei ihrem Auftritt im Unterausschuss des Senats auch, dass Facebooks Versuche, Hassrede und schädliche Inhalte mit Hilfe von Software herauszufiltern, nicht effizient genug seien. Facebook verweist stets darauf, dass die Systeme immer besser darin würden, untersagte Inhalte zu entfernen, noch bevor Nutzer sie zu sehen bekommen.

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