Anhörung im Europarat: Snowden setzt auf "umfassende Verschlüsselung"

Eine umfassende Verschlüsselung der Kommunikation ist nach Ansicht von US-Whistleblower Snowden die beste Antwort auf die NSA-Affäre. Den Geheimdiensten blieben selbst dann noch Möglichkeiten, Codes zu knacken.

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Edward Snowden beantwortet Fragen im Europarat.
Edward Snowden beantwortet Fragen im Europarat. (Bild: Europarat/Screenshot: Golem.de)

Nach Ansicht von US-Whistleblower Edward Snowden sind selbst robuste Verschlüsselungsprogramme ohne bekannte Lücken nicht vor der Ausspähung durch die Geheimdienste sicher. Mit sogenannten Seitenkanalattacken sei es Geheimdiensten und Ermittlungsbehörden möglich, selbst Verschlüsselungsverfahren mit 256 Bit anzugreifen, sagte Snowden in einer Anhörung des Europarates am Dienstag in Straßburg. Der 30-Jährige beteiligte sich aus seinem Moskauer Asyl per Live-Stream an der Anhörung. Dabei beantwortete er zunächst einige vorbereitete Fragen, ging aber auch auf Fragen aus dem Publikum ein.

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Snowden verwies darauf, dass solche Seitenkanalattacken nur funktionierten, wenn sie auf ein Spähziel individuell zugeschnitten würden. Bei einem massenhaften Angriff könnten sie hingegen schnell von Sicherheitsforschern entdeckt und bekämpft werden. Daher werde die wahrscheinlichste Antwort auf die bekannt gewordene Massenüberwachung in einer "umfassenden Verschlüsselung" bestehen, die von Ermittlern nur durch Seitenkanalattacken in Einzelfällen umgangen werden könne. Auch ohne Massenüberwachung gibt es nach Ansicht von Snowden mit zielgerichteter, individueller Überwachung noch genügend Möglichkeiten, Terrorismus zu bekämpfen.

Enge Kooperationen zwischen NSA und Deutschland

Auf die Frage, wie eng der US-Geheimdienst NSA mit deutschen Diensten zusammenarbeite, äußerte sich Snowden zurückhaltend. Er müsse aus rechtlichen Gründen vorsichtig sein und wolle sich mit seinem Anwalt absprechen, um möglicherweise eine schriftliche Antwort nachzureichen. Generell sagte er, dass der Austausch "tief und üblich" sei. Aus seiner persönlichen Erfahrung wisse er, dass die NSA in der Datenbank von XKeyscore täglich die Kommunikation unverdächtiger deutscher Bürger aufzeichne. Webseiten, Unternehmen und Dienste seien darin enthalten, wie von jedem anderen Land auch.

Es gebe eine nützliche Partnerschaft zwischen den Diensten, die aber nicht ausreichend kontrolliert werde. Die Daten würden ohne die Zustimmung von Öffentlichkeit und Parlament abgefangen, analysiert und gespeichert. Er hoffe, dass der neu eingesetzte NSA-Untersuchungsausschuss "harte Fragen" zum Charakter der Kooperation stelle. Der Ausschuss plant ebenfalls, Snowden anzuhören. Dass dies in Form einer Live-Befragung möglich ist, zeigte die Anhörung vor dem Europäischen Rat selbst.

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In der Anhörung forderte der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Hansjörg Geiger, einen "Geheimdienstkodex", der unter anderem zwischen befreundeten und verbündeten Staaten jede Form der politischen und wirtschaftlichen Spionage ausschließen soll. Zudem dürften Telekommunikations- und Internetfirmen nicht dazu gezwungen werden, ihre Datensammlungen mit den Geheimdiensten zu teilen.

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