Angry Birds Stella Launcher im Test: Ein bisschen Sailfish

In Zusammenarbeit mit dem Angry-Birds-Erfinder Rovio hat Jolla den Angry Birds Stella Launcher für Android-Smartphones programmiert, der die Benutzeroberfläche von Sailfish OS simuliert. Bis auf einige wenige Portierungen läuft das auf Meego beruhende mobile Betriebssystem bisher nur auf Jollas eigenem Smartphone. Der Launcher hat jetzt die Beta-Phase verlassen und ist kostenlos im Play Store(öffnet im neuen Fenster) verfügbar - Zeit, ihn zu testen und mit dem Original zu vergleichen.

Der Kooperation mit Rovio ist geschuldet, dass der Jolla Launcher in einer recht bunten Optik daherkommt. Das fest eingestellte Hintergrundbild zeigt Stella aus dem gleichnamigen Angry-Birds-Teil, auch der Klingelton wird entsprechend gegen das Titellied des Spiels getauscht. Zumindest dieser kann allerdings wieder geändert werden.




Der Aufbau des Launchers entspricht dem der Oberfläche von Sailfish OS. Um nach dem Einschalten des Android-Smartphones direkt den Sperrbildschirm des Jolla-Launchers zu sehen, muss in den Systemeinstellungen unter Sicherheit die Entsperrung ausgeschaltet werden - ansonsten muss doppelt gewischt werden. Wer sein Smartphone mit einer Geste oder einem Code entsperrt, wird nach der Eingabe direkt auf den Hauptbildschirm des Launchers geleitet.
Aktuell genutzte Apps in der Übersicht
Hier werden wie beim Jolla-Smartphone die aktuell verwendeten Apps als kleine Fenster angezeigt. Drücken wir lange auf ein Fenster, können wir anschließend die Apps schließen. Beim Öffnen der Apps benötigen unsere Testgeräte, ein Huawei Honor 6 und ein Fairphone, einen Moment. Dabei werden die ansonsten ausgeblendete Statuszeile und die Navigationsleiste eingeblendet. Das Jolla-Smartphone arbeitet hier deutlich flinker und flüssiger.
Anders als bei einigen Apps auf dem Jolla-Smartphone zeigen die auf Fenstergröße verkleinerten Apps beim Launcher keine Extrainformationen an. Stattdessen wird meist einfach ein Ausschnitt des aktuellen Bildschirminhaltes der jeweiligen App angezeigt - oder gar nur das App-Icon. Da eine Beschriftung oder anderweitige Kennzeichnung komplett fehlt, müssen wir manchmal zweimal hinsehen, um zu erkennen, um welche App es sich eigentlich handelt.
Gesamtaufbau wie beim Jolla-Smartphone
Scrollt der Nutzer nach unten, kommt er wie beim Jolla-Smartphone auch zur Übersicht aller installierten Apps. Bei zahlreichen Standard-Anwendungen werden die Sailfish-OS-Icons verwendet, ansonsten die Standard-Piktogramme der jeweiligen Apps. Ein langer Druck auf ein Icon aktiviert den Bearbeitungsmodus, jetzt kann die Anordnung der installierten Anwendungen verändert werden. Ziehen wir eine App ganz nach oben, können wir sie auf dem Hauptbildschirm in einer Leiste am unteren Bildrand ablegen. Apps deinstallieren können wir nur über die Systemsteuerung, nicht direkt aus dem Launcher, was unpraktisch ist.
Verwirrte Kamera
Die Kamera-App sowie die Galerie scheinen den Jolla-Launcher etwas zu verwirren: Die Galerie ist mit dem Kamera-Icon verknüpft, ein Icon für den direkten Aufruf der Kamera gibt es allerdings nicht. Wollen wir die Kamera verwenden, müssen wir erst die Galerie öffnen und daraus dann die Kamera starten. Das resultiert in einem Herumgeklicke, das uns auf Dauer nervt und schnelle Schnappschüsse verhindert. Die Foto-Galerie von Google ist komplett aus unserer App-Übersicht verschwunden, sowohl auf dem Honor 6 als auch bei dem Fairphone.




Die Jolla-Gestensteuerung konnte nicht komplett auf den Launcher übertragen werden. Es gibt nur die Wischgeste von rechts, mit der Apps auf dem Hauptbildschirm abgelegt werden können. Es ist nicht möglich, Apps direkt mit einem Wisch von oben ins Display zu schließen. Dies liegt daran, dass der Jolla-Launcher im Vollbildmodus läuft, bei dem bei einem Wisch von oben oder unten ins Bild die Status- und die Navigationsleiste eingeblendet wird.
Benachrichtigungen nur über Statuszeile erreichbar
Dadurch ist es auch nicht möglich, die Benachrichtigungsübersicht über einen Wisch von unten ins Display hinein zu öffnen, was schade ist. Entgangene Anrufe, neue E-Mails und andere Benachrichtigungen werden auf dem Sperrbildschirm angezeigt - um sie zu öffnen, müssen wir allerdings erst die Benachrichtigungszeile einblenden und aufklappen. Das ist uns im Alltag zu umständlich.
Beim Jolla-Smartphone können verschiedene Designs über einen Wisch von links nach rechts im Sperr- oder Hauptbildschirm aufgerufen werden. Das ist beim Launcher ebenfalls nicht möglich - die Möglichkeit, die Farben der Benutzeroberfläche anhand eines Hintergrundbildes automatisch anpassen zu lassen, fehlt komplett. Wischt der Nutzer beim Jolla-Launcher im Hauptbildschirm von links oder rechts in das Display, wird Toons.tv geöffnet. Hierüber erhält der Nutzer Zugriff auf eine Reihe von Angry-Birds-Cartoons - eine weitere Dreingabe, die der Zusammenarbeit mit Rovio geschuldet ist.
Fazit
Der Jolla-Laucher für Android(öffnet im neuen Fenster) ist eine nette Spielerei, um einen Eindruck zu bekommen, wie Sailfish OS aussieht und wie es sich anfühlt. Ein vollständiger Ersatz für Jollas mobiles Betriebssystem ist der Launcher aber nicht - dafür müssen aufgrund des unterliegenden Android-Systems zu viele Kompromisse geschlossen werden. Das resultiert in einigen umständlichen Abläufen, weswegen sich für uns der Launcher aktuell noch nicht für den Alltag eignet.
Die abgelegten Fenster haben keinen sinnvollen Vorschaumodus, es gibt kein natives Benachrichtigungszentrum und einige der praktischen Gesten funktionieren nicht. Nervig ist auch die Verwirrung um die Galerie-App und die Kamera. Benachrichtigungen werden zwar auf dem Sperrbildschirm angezeigt, müssen aber über die Statusleiste von Android geöffnet werden. Das alles finden wir unpraktisch.
Die aufgrund der Zusammenarbeit mit Rovio vorinstallierten Spiele, das Design und die Erweiterung mit Toons.tv stören uns hingegen weniger. Wer einen Eindruck von Sailfish OS gewinnen möchte, sollte sich den Launcher installieren - er ist aktuell jedoch nur für Smartphones, nicht für Tablets erhältlich. Wer wirklich die Vorzüge des Betriebssystems genießen möchte, kommt aktuell jedoch nicht um den Kauf eines Jolla-Smartphones herum.



