Angriffe auf Rechenzentren: Krieg am Golf stellt KI-Pläne infrage
Iranische Streitkräfte haben AWS-Standorte in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain angegriffen. Es ist der erste bekannte Fall, in dem ein Staat im laufenden Konflikt gezielt kommerzielle Rechenzentren ins Visier nimmt.
Ein Treffer durch eine Shahed-136-Drohne löste den Brand einer AWS-Anlage in den VAE aus und führte zu einer Abschaltung des Notstroms. Kurz darauf wurde ein zweiter AWS-Standort getroffen, ein dritter in Bahrain wurde durch den Einschlag einer iranischen Kamikaze-Drohne in der Nähe beschädigt. Das iranische Staatsfernsehen erklärte, die Revolutionsgarden hätten die Angriffe gestartet .
Die zivilen Auswirkungen waren unmittelbar spürbar: Millionen Einwohner in Dubai und Abu Dhabi konnten weder Banking-Apps nutzen noch Taxis buchen oder Essen bestellen. Amazon empfahl Kunden inzwischen, ihre Daten aus der Region abzuziehen.
Sicherheit als entscheidende Frage für KI-Investitionen am Golf
Die Angriffe treffen die Technologiestrategie der VAE zu einem heiklen Zeitpunkt, wie der Guardian berichtet(öffnet im neuen Fenster) . Das Land positionierte sich jahrelang als zukünftiger KI- und Cloudstandort, gestützt auf günstigen Strom, einen mächtigen Staatsfonds und eine geografisch günstige Lage zu Unterseekabeln zwischen Europa und Asien.
Im Mai 2025 kündigte Donald Trump während einer Golfreise ein großes KI-Campusprojekt als US-VAE-Partnerschaft(öffnet im neuen Fenster) an, das für das Training von KI-Modellen gedacht ist. Im Rahmen der Vereinbarungen lockerte die US-Regierung Exportbeschränkungen für Hochleistungschips in die Region.
Müssen Rechenzentren durch Flugabwehr geschützt werden?
Chris McGuire, KI- und Technologieexperte und ehemaliges Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates unter Joe Biden, sagte dem Guardian, die jüngsten Ereignisse könnten ein Umdenken erzwingen: "Wenn wir große Rechenzentren im Nahen Osten bauen wollen, müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, wie wir sie schützen." Dieser Schutz könnte über Cybersicherheit und Sicherheitspersonal hinausgehen und bis hin zu Raketenabwehrsystemen direkt an den Standorten reichen.
Sean Gorman, Chef von Zephr.xyz und Auftragnehmer der U.S. Air Force, erklärte, der Iran wende in dem Konflikt Taktiken an, die im Ukraine-Krieg entwickelt worden seien: kritische Infrastruktur gezielt anzugreifen, um wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Druck aufzubauen. Die Störung digitaler Infrastruktur in den VAE und Bahrain gefährde deren strategische Positionierung und beeinträchtige wichtige Wirtschaftsprozesse beider Länder, sagte Gorman dem Guardian.
Glasfaser-Landstationen sind attraktive Ziele
Gorman wies auch auf eine geografische Schwachstelle hin: Viele Unterseekabel-Stationen der VAE konzentrieren sich an der Ostküste in Fujairah(öffnet im neuen Fenster) – ein Engpass und potenzieller Angriffspunkt.
Vili Lehdonvirta vom Oxford Internet Institute sagte dem Guardian, so wie Reedereien einst auf Piraterie reagiert hätten, könnten die Ereignisse zu Investitionen in Flugabwehrsysteme führen.
Hinweis in eigener Sache
Golem veranstaltet eine Konferenz zu IT-Souveränität! Die Rack & Stack(öffnet im neuen Fenster) findet am 21. und 22. April statt – hier geht es zu den Tickets(öffnet im neuen Fenster) .
- Anzeige Hier geht es zu The Apprentice - The Trump Story bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



