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Angriff auf Satellitennetz simuliert: Drohnenschwarm gegen Starlink

Eine Studie zeigt, wie viele Stördrohnen China bräuchte, um Starlink über Taiwan lahmzulegen – und warum das Vorhaben sehr aufwendig wäre.
/ Michael Linden
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Starlink-Antenne (Bild: Pierre Crom/Getty Images)
Starlink-Antenne Bild: Pierre Crom/Getty Images

Chinesische Wissenschaftler haben in einer am 5. November im Fachjournal Systems Engineering and Electronics veröffentlichten Studie untersucht, wie sich SpaceX' Starlink-Satellitennetzwerk durch elektronische Kriegsführung neutralisieren ließe. Das Ergebnis: Um die Kommunikation über einem Gebiet von der Größe Taiwans zu stören, wären zwischen 1.000 und 2.000 spezialisierte Drohnen nötig.

Forscher der Zhejiang-Universität und des Beijing Institutes of Technology nutzten für ihre Simulationen echte Orbitaldaten der Starlink-Konstellation. Die Studie gilt als eine der detailliertesten öffentlichen Analysen möglicher Gegenmaßnahmen gegen das Satelliten-Internet, das sich im Ukraine-Krieg als militärisch bedeutsam erwiesen habe, wie die South China Morning Post berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Warum Starlink so schwer zu stören ist

Anders als herkömmliche Kommunikationssatelliten, die in geostationärer Umlaufbahn über dem Äquator stehen, besteht Starlink aus Tausenden, niedrig fliegenden Satelliten, die sich schnell über den Himmel bewegen. Terminals am Boden verbinden sich nicht dauerhaft mit einem einzelnen Satelliten, sondern wechseln ständig zwischen mehreren Satelliten. Dadurch entsteht ein widerstandsfähiges Netzwerk, das sich bei Störungen anpassen kann.

Mindestens 935 Drohnen für Taiwan

Unter optimalen Testbedingungen – mit 400-Watt-Störsendern und Richtantennen im Abstand von sieben Kilometern – könnte jede Einheit den Starlink-Empfang auf etwa 38,5 Quadratkilometern unterdrücken. Bei einer Fläche Taiwans von 36.000 Quadratkilometern errechneten die Forscher einen Mindestbedarf von 935 koordinierten Störplattformen.

Diese Schätzung berücksichtigt weder Systemredundanz noch Geländehindernisse wie Berge oder künftige Anti-Jamming-Upgrades von SpaceX. Bei Einsatz günstigerer, aber weniger leistungsstarker Ausrüstung würde sich die benötigte Drohnenzahl auf rund 2.000 verdoppeln, heißt es in dem Bericht.

Lehren aus dem Ukraine-Krieg

Die Forschung scheint durch den Ukraine-Konflikt motiviert. Als russische Truppen Anfang 2022 einmarschierten, halfen Starlink-Terminals den ukrainischen Streitkräften, trotz russischer Störversuche die Kommunikation aufrechtzuerhalten. SpaceX aktualisierte seine Software und konfigurierte die Konstellation um, was viele russische Systeme zur elektronischen Kriegsführung offenbar wirkungslos machte.


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