Einige Hersteller reagierten zunächst gar nicht

Alle genannten Schwachstellen sind ernst zu nehmen, denn sie stellen eine Gefahr für Leib und Leben dar. Weitaus gravierender ist jedoch der Umstand, dass viele Hersteller gar nicht oder nur zögerlich auf entsprechende Hinweise reagieren. Die Gefahr bleibt oft lange bestehen.

Vielen Kliniken ist nicht einmal bewusst, dass derartige Sicherheitsanfälligkeiten in ihren Netzwerken existieren. Denen, die informiert sind, bleibt lediglich die Abschaltung der anfälligen Systeme, mit entsprechenden Auswirkungen auf den Krankenhausbetrieb.

"Nur der Hersteller selbst kann die Probleme beheben", betont Pereira. Bis dies geschehen sei, blieben Tausende von Krankenhäusern gefährdet. "Sie wissen nichts von der Gefahr, da die Hersteller die Sicherheitslücken nicht einmal melden", so der Ethical Hacker.

Pereira hat sich mit den 22 Sicherheitslücken Ende Juli 2023 an die 12 Hersteller gewandt, deren Produkte davon betroffen sind. Welches Unternehmen wann reagiert und wann entsprechende Patches bereitgestellt hat, hat er in einer Tabelle dokumentiert, die der Golem.de-Redaktion vorliegt.

Gemischte Reaktionen

Einige Hersteller haben ihre Systeme innerhalb weniger Tage gepatcht, so wie man es erwarten würde. Andere haben gar nicht erst auf Pereiras Anfragen reagiert.

Positiv ist dem Forscher beispielsweise die Reaktion der Dedalus Labor GmbH in Erinnerung. Das Unternehmen antwortete Pereira innerhalb von zwei Tagen, rund eine Woche später stand ein Patch für die Laborsysteme des Herstellers bereit.

Eine Belohnung für das Entdecken der Schwachstellen gab es zwar nicht, immerhin wurde aber die Gefahr in einem angemessenen Zeitrahmen beseitigt. Vergleichbar schnell kamen Patches der Carl Zeiss AG sowie der Firma Moxa Inc., in deren Systemen Pereira ebenfalls Sicherheitslücken aufgespürt hatte.

Die Tetronik GmbH hat ebenfalls einen Patch entwickelt, jedoch ist dieser in einigen Krankenhäusern bis heute noch nicht angekommen – darunter auch jenes, in dem Pereira die Schwachstelle in den Alarmsystemen des Herstellers identifiziert hat.

Der Grund: Das Update muss von Fachleuten in jeder betroffenen Klinik vor Ort manuell eingespielt werden. Tetronik hat das auf Rückfrage der Redaktion bestätigt: Die gepatchte Software werde im Rahmen der regelmäßig stattfindenden sicherheitstechnischen Kontrollen (STK) bei den Kunden installiert.

Gemäß MPBetreibV § 11 kann das im schlimmsten Fall bis zu zwei Jahre dauern. Der Hersteller bietet das Einspielen des Patches zwar auf Wunsch auch unabhängig von der STK an; woher betroffene Krankenhäuser aber überhaupt wissen sollen, dass in ihren Alarmsystemen eine Sicherheitslücke klafft und sie dafür einen Patch anfordern können, bleibt fraglich.

Auf Nachfrage der Redaktion, ob Tetronik seine Kunden über diesen Umstand informiert hat, hat der Hersteller bisher nicht geantwortet.

Ein Hersteller hat bis heute nicht reagiert

Mehrere Unternehmen reagierten schlichtweg gar nicht auf Pereiras Meldungen. Einige davon regten sich erst, als die Golem.de-Redaktion nachhakte. Mit Silex Technology hat einer der betroffenen Hersteller aber auch der Redaktion bis heute nicht geantwortet.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Situation ließ sich immerhin noch bei der Berghof GmbH erkennen. Dort kam es offenbar zu einer Fehleinschätzung der von Pereira übermittelten Schwachstellenmeldung. "Ich habe die Zentrale angewiesen, zukünftig mit E-Mails, deren Inhalt auf Sicherheitslücken verweist, vorsichtiger umzugehen und diese zu verteilen", entschuldigte sich ein Sprecher des Unternehmens. Der Hersteller hat die E-Mail von Ende Juli 2023 unmittelbar ausfindig gemacht und Kontakt zu Pereira aufgenommen, um die gemeldeten Schwachstellen zu untersuchen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Sicherheitslücken in Krankenhäusern: Patienten in GefahrNicht jedes Unternehmen übernimmt Verantwortung 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6.  


eastcoast_pete 19. Feb 2024 / Themenstart

Es geht ja nicht nur um das Abschalten eines Beatmungsgeräts oder ähnliches; wenn ein...

eastcoast_pete 19. Feb 2024 / Themenstart

Und damit meine ich nicht (nur) die Krankenhäuser und ihre Betreiber, sondern vor allem...

catiw97867... 19. Feb 2024 / Themenstart

Das ist nicht gerade beruhigend, aber trotzdem danke für die Klarstellung. Ab wann soll...

Cryptkeeper 19. Feb 2024 / Themenstart

Steht mehr oder weniger im Artikel: Die Geräte selbst sind eben nicht direkt aus dem...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Brantner, Notz, Hartmann und Lindholz
Warum Huawei Schuld an Cisco Webex und Taurus haben muss

Ein deutscher General scheint mit der sicheren Nutzung von Cisco Webex überfordert. Für deutsche Politiker ist die Lösung ein Verbot chinesischer 5G-Technologie. Wie bitte?
Ein IMHO von Achim Sawall

Brantner, Notz, Hartmann und Lindholz: Warum Huawei Schuld an Cisco Webex und Taurus haben muss
Artikel
  1. Ukrainekrieg: Drohnen als Repeater werden von Mutterschiffen ausgesetzt
    Ukrainekrieg
    Drohnen als Repeater werden von Mutterschiffen ausgesetzt

    Das ukrainische Militär hat einen Weg gefunden, die Reichweite seiner Kamikaze-Drohnen zu verdoppeln.

  2. E-Bikes und E-Scooter: Debatte nach tödlichen Akkubränden in Großbritannien
    E-Bikes und E-Scooter
    Debatte nach tödlichen Akkubränden in Großbritannien

    Elf Menschen sind im vergangenen Jahr in Großbritannien durch brennende Akkus von E-Bikes und E-Scootern gestorben. Nun werden Konsequenzen gefordert.

  3. Frankreich: Russische Onlinekampagne soll Bettwanzenproblem aufbauschen
    Frankreich
    Russische Onlinekampagne soll Bettwanzenproblem aufbauschen

    Gibt es in Frankreich wirklich eine weit verbreitete Bettwanzenplage? Der Regierung zufolge hat Russland das Problem "künstlich verstärkt".

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • MindStar: PowerColor Hellhound RX 7900 XTX 889€, Corsair 64 GB DDR5-6000 179€ • MediaMarkt: Wochenendknaller und Android Weeks • Amazon: Notebooks im Angebot • DENON AVR-X2800H + Home 150 599€ • PS5 Slim mit Laufwerk 449€ • Corsair MM200 Extended 19,99€ • TCL 50" QLED 369€ [Werbung]
    •  /