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Angestellte in Halbleiter-Fabs: "Gehalt reicht nicht zum Leben"

Halbleiterhersteller machen teils Milliardengewinne. Arbeiter in US-Fabs hingegen sagen, von ihrem Gehalt teils kaum leben zu können.
/ Johannes Hiltscher
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Trotz Milliardenumsätzen zahlt ADI Angestellten zufolge zu geringe Gehälter. (Bild: Nicola Barts, Pexels)
Trotz Milliardenumsätzen zahlt ADI Angestellten zufolge zu geringe Gehälter. Bild: Nicola Barts, Pexels / CC0 1.0

Von den Gewinnmargen, die bei Halbleiterherstellern üblich sind, träumen andere Branchen nur. Umso mehr verwundert es, dass eine Gruppe Angestellter von Analog Devices Inc. (ADI) angibt, von ihrem Gehalt kaum leben zu können. Der Guardian berichtet(öffnet im neuen Fenster) über Mitarbeiter der ADI-Fab in Beaverton(öffnet im neuen Fenster) im US-Bundesstaat Oregon, die aktuell für höhere Löhne demonstrieren.

Ihre Forderung: ADI solle den Mindestlohn von 21 auf 27 US-Dollar pro Stunde erhöhen. Sie verweisen dabei auf den Living Wage Calculator des MIT. Der gibt für alleinstehende Erwachsene ohne Kinder aktuell 28,52 US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) als existenzsicherndes Einkommen im Washington County, in dem Beaverton liegt, an.

Insbesondere die Ausgaben für Mieten sind laut dem Rechner hoch. Denn obwohl Beaverton wenigen bekannt sein dürfte, sitzen hier diverse große Unternehmen, nicht nur aus der Tech-Branche: neben Messgerätehersteller Tektronix etwa die Khronos-Gruppe sowie Sportartikelhersteller Nike.

Millionen für Aktionäre und Führung

Zum Unmut der Angestellten tragen hohe Dividendenzahlungen und Gehälter des ADI-Managements tragen bei: So erhielt CEO Vincent Roche 2023 über 25,5 Millionen US-Dollar – wenn auch größtenteils in Form von Aktien und Bonuszahlungen(öffnet im neuen Fenster) . Die sorgten auch bei einigen Aktionären bereits für Verstimmung(öffnet im neuen Fenster) .

Den Unmut der Arbeiter erregen aber auch die Arbeitsbedingungen. Ein Vorwurf lautet, ADI vernachlässige den Arbeitsschutz. So müssten die Arbeiter etwa ohne ausreichende Schulung und Ausrüstung mit hochgiftiger Flusssäure(öffnet im neuen Fenster) hantieren. Zudem schränke ADI die Urlaubsplanung ein: Wird die Fertigung im Werk unterbrochen, müssen die Arbeiter aktuell Urlaub nehmen. Sie wünschen sich stattdessen eine bezahlte Freistellung.

Von Fördermilliarden sollen auch Angestellte profitieren

Laut werden die Forderungen im Kontext des Chips for America Act, mit dem die US-Regierung die Halbleiterfertigung im Land drastisch ausbauen will. Unternehmen erhalten teils Milliarden US-Dollar an Subventionen, um Werke in den USA auf- oder auszubauen.

Zusammen mit mehreren Gewerkschaften rufen die ADI-Arbeiter dazu auf, bei der Verwendung der Gelder gute Arbeitsbedingungen stärker in den Blick zu nehmen. Mit ihrer Kritik sind sie nicht allein: In der Vergangenheit stand auch TSMC wegen seiner Arbeitsbedingungen in der Kritik.


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