Anga Com 2015: Kabelnetzbetreiber beklagen Abwanderung zu Netflix

TV-Kabelnetzbetreiber müssten neue Technologien schneller anbieten können, um eine weitere Abwanderung zu Netflix zu verhindern. Thomas Braun, Präsident des Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber Anga, sagte heute(öffnet im neuen Fenster) bei der Eröffnung der Branchenmesse Anga Com 2015 in Köln: "Wenn wir bei neuen TV-Formen wie Multiscreen, TV Everywhere und zeitversetztem Fernsehen in diesem Tempo weitermachen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn eine Vielzahl der Fernsehkunden tatsächlich komplett zu Online-TV-Angeboten aus Kalifornien wechselt." Das Problem liege bei der Medienpolitik sowie den "Inhalteanbietern und Rechteinhabern" .
Mit den "Angeboten aus Kalifornien" meinte Braun den Streaming-Anbieter Netflix mit Sitz in Los Gatos.
Das treffe dann aber nicht nur die Netzbetreiber, sondern auch die Sender und Rechteinhaber, die "sehr einträglich von unseren Umsätzen profitieren" , sagte Braun.
Aber auch der Gesetzgeber sei gefordert: Viel zu oft schienen die Interessen der Inhaltseite pauschal Vorfahrt zu genießen, und die Belange der Netzbetreiber als gewerbliche Rechtenutzer kämen zu kurz.
Netzbetreiber beklagen Schwierigkeiten
Dabei werde verkannt, dass es sich vom Urheber über die Medienunternehmen und gewerbliche Nutzer bis hin zum Endkunden um eine Wertschöpfungskette handele, die nur funktionieren könne, wenn alle Glieder dieser Kette akzeptable Bedingungen vorfänden.
"Wenn innovative Produkte gar nicht erst auf den Markt kommen, weil die Verwertungsgesellschaften oder Sender zu lange zögern, nutzt das letztendlich nicht dem klassischen Urheber, sondern schmälert seine Einnahmen" , sagte Braun.
Die schöne neue Medienwelt, so Braun, gebe es nur, "weil es breitbandige Netze gibt" . Multiscreen, Cloud TV und Streaming würden nicht funktionieren, wenn nicht die Betreiber in ihre Netze "frühzeitig und erheblich investiert hätten" .
Doch die Regierung würde, statt Hindernisse zu beseitigen, neue Probleme schaffen, schimpfte Braun. Dies seien: "neue Universaldienstverpflichtungen, die Erweiterung der Filmförderungsabgabe, bürokratische Transparenzpflichten bei Breitbandprodukten, überdehnte und realitätsfremde Routerfreiheit, neue Plattformregulierung und die endlose Debatte über die sogenannte Netzneutralität, um nur einige Beispiele zu nennen" . Das könne so nicht weitergehen. Investitionen in Netze müssten belohnt, nicht bestraft werden. Wer den Breitbandausbau wolle und fordere, müsse diesen fördern und unterstützen und nicht behindern.
Die Anga Com findet zum 15. Mal in Köln statt.



