Android-Tracker vs. Airtags: Mehr Datenschutz, weniger Dinge finden

Lange Zeit schauten Android-Nutzer durchaus neidisch auf iPhone-Besitzer. Bereits seit Mitte 2021 können die mit Apples Airtags gut funktionierende Bluetooth-Tracker verwenden, die auch noch aus der Ferne ortbar sind – und das sehr zuverlässig. Im Mai 2024 öffnete Google schließlich sein Mein-Gerät-finden-Netzwerk für solche Bluetooth-Tracker, seither werden sie von verschiedenen Herstellern angeboten.
Der Start des Tracker-Netzwerks wurde von viel Kritik begleitet. Googles Netzwerk soll teilweise erst Stunden später Standortveränderungen gemeldet haben und war daher kaum brauchbar. Im Juni 2024 versprochen(öffnet im neuen Fenster) versprach man, bei der Genauigkeit nachzubessern. Das wollen wir überprüfen, und zwar im Vergleich mit Apples Airtags. Einen deutlichen Leistungsunterschied zwischen den Systemen gibt es immer noch – aus einem nachvollziehbaren Grund.
Chipolo gegen Motorola gegen Airtag
Im Test haben wir die Android-Tracker Chipolo One Point(öffnet im neuen Fenster) und Motorola Moto Tag(öffnet im neuen Fenster) verwendet und gegen Apples Airtag antreten lassen. Verglichen mit dem Chipolo-Tracker ist der Moto Tag etwas hochwertiger, da ein UWB-Chip (Ultrabreitband) eingebaut ist. Der spielt bei der Ortung allerdings momentan noch keine Rolle: Mein Gerät finden unterstützt noch kein UWB bei der Nahortung, sondern nur Bluetooth. Grundsätzlich interessiert uns die Ortung aus der Ferne auch mehr als das Auffinden der Tracker von Nahem; dafür gibt es seit Jahren gut funktionierende Lösungen.











Tatsächlich besteht auch unter Android seit Längerem die Möglichkeit, Bluetooth-Tracker über ein Netzwerk aus der Ferne zu orten, etwa mit Tile. Der Nachteil ist, dass dabei nur Smartphones für die Ortung verwendet werden, die die Tile-App installiert haben – was nur bei einem relativ geringen Teil der verfügbaren Android-Geräte der Fall ist. Googles Mein-Gerät-finden-Netzwerk hingegen verwendet grundsätzlich alle Android-Geräte, auf denen mindestens Android 9 läuft, um Bluetooth-Tracker aufzuspüren.
Dabei werden die Tracker automatisch von Android-Smartphones in der Nähe entdeckt und der ungefähre Standort in die Cloud geladen. Liegen Meldungen zum Tracker vor, wird dem Besitzer dessen Position auf einer Karte angezeigt. Je mehr Smartphones gemeldet haben, desto genauer ist die Ortung. Die Daten werden Google zufolge Ende-zu-Ende-verschlüsselt übertragen. Das Grundprinzip ist das gleiche wie bei Apples Netzwerk, zu den vorhandenen Unterschieden – und den dadurch entstehenden Problemen – kommen wir später.
Koffersuche am Flughafen funktioniert gut
Wir haben unsere beiden Android-Tracker auf einer Pressereise in die USA erstmals ausprobiert und sie in einen Koffer gesteckt. Ursprünglich war der Plan, die gemeinsame Reise mit dem Koffer nachzuverfolgen – als dieser dann allerdings in Frankfurt liegenblieb, während wir weiterflogen, wurde das Tracking sinnvoller. Wir konnten dem Personal am Zielflughafen zeigen, dass unser Gepäck noch immer in Deutschland war, während wir bereits elf Zeitzonen weiter westlich waren.
Beide Tracker zeigten am Frankfurter Flughafen dieselbe Position an, wir konnten bei der Positionierung keinen Unterschied ausmachen. Die angezeigten Orte erschienen uns schlüssig. Dass sie tatsächlich ziemlich genau waren, merkten wir auf der Rückreise, als sich der Koffer mit uns wieder nach Deutschland bewegte. Dann wurde uns der Koffer beispielsweise an jener Stelle angezeigt, wo der Koffertransportwagen neben dem Flugzeug stand. Wieder in Deutschland gelandet, wurde uns der Koffer von beiden Trackern im Flugzeug angezeigt. Die Aktualisierung der Position erfolgte zügig.
Außerhalb von Verkehrsknotenpunkten sieht es mau aus
Was die Genauigkeit und die Geschwindigkeit der Positionsbestimmung betrifft, zeigt sich ein anderes Bild, sobald wir die Tracker außerhalb eines Flughafens oder Bahnhofs verwenden. Dann ist die Ortung der Android-Tracker ungenauer und zudem stellenweise stärker zeitversetzt als bei einem Airtag.











Wir haben einem Kollegen in Berlin die beiden Android-Tracker und ein Airtag mitgegeben. Der Airtag hat die Position der Person durchweg bis auf wenige Meter genau angezeigt – obwohl der Kollege kein iPhone dabei hatte, sondern ein Android-Telefon. Die Tracker von Chipolo und Motorola hingegen zeigten uns die Position nur in einem Umkreis von stellenweise bis zu 40, 50 Metern genau an.
Der Kollege war mit weiteren Personen zusammen, die Android-Telefone verwendeten. Außerdem fand der Versuch mitten in Berlin statt und nicht auf dem Land, wo möglicherweise wenige Smartphones in der Nähe sind – und wo auch Airtags manchmal Probleme mit der Genauigkeit haben.
Wenn wir einen Android-Tag in ein geparktes Auto legen, bekommen wir in Berlin selbst nach Tagen teilweise nur einen Umkreis bis zu 150 Metern angezeigt, in dem das Fahrzeug steht. Das ist im Zweifel besser als nichts, aber halt auch schlechter als die Position, die wir über einen Airtag nach teilweise wenigen Minuten erhalten. Diese ist in der Regel auf wenige Meter genau.
Ungenauigkeit ist ein Feature
Der Grund, warum die Android-Tracker außerhalb von Flughäfen, Bahnhöfen und weiteren Orten, an dem sich viele Menschen aufhalten, schlechter funktionieren als Airtags, liegt an den unterschiedlichen Voreinstellungen von Googles und Apples Netzwerken. In Googles Mein-Gerät-finden-Einstellungen ist von Hause aus aktiviert, dass Android-Smartphones nur an belebten Orten wie Bahnhöfen und Flughäfen zur Ortung von Trackern beitragen. Das bedeutet, dass mehrere Geräte Tracker entdecken und melden müssen, bevor sie in der Geräte-finden-App der Besitzer angezeigt werden.
Um die Position eines Trackers über nur ein Smartphone an das Geräte-Netzwerk zu melden, muss die Einstellung von "Mit Netzwerk nur an stark frequentierten Orten" zu "Mit Netzwerk an allen Orten" geändert werden. Dann würde ein Smartphone auch auf einer einsamen Landstraße die Position eines entdeckten Trackers an das Netzwerk melden, selbst, wenn kein weiteres in der Nähe ist.
Google priorisiert Privatsphäre
Diese Einstellung ermöglicht es allerdings, dass eine Person mithilfe eines unbemerkt untergeschobenen Trackers selbst dann recht genau verfolgen werden kann, wenn auch nur ein einziges Android-Gerät in der Nähe ist. Die Position des Trackers wird im Zweifel von der gestalkten Person selbst hochgeladen. Deshalb hat Google sie standardmäßig nicht aktiviert und akzeptiert, dass die Lokalisierung von Trackern im Netzwerk schlechter ist.











Google überlässt es den Nutzern, an allen Orten zum Mein-Gerät-finden-Netzwerk beizutragen und entsprechende Daten zu senden – mit dem Risiko, die Position eines unbemerkten Trackers leichter zu verraten. Google ermutigt(öffnet im neuen Fenster) immer wieder Android-Nutzer, die Einstellung auf alle Orte zu erweitern, wenn sie mögen – wohl mit der Überlegung, dass diese sich zuvor entsprechende Gedanken über den Schritt machen.
Denn je mehr Android-Nutzer ihre Smartphones mit der Einstellung verwenden, an allen Orten zum Netzwerk beizutragen, desto schneller und genauer werden Tracker und Geräte in Googles Netzwerk gemeldet. Apple hingegen lässt alle kompatiblen Geräte in der Standardeinstellung zu seinem Geräte-Netzwerk beitragen, weshalb die Genauigkeit dort wesentlich besser ist und die Position von Geräten und Airtags deutlich schneller angezeigt wird – allerdings mit den bekannten Gefahren, gegen die Apple im Laufe der Jahre eine Reihe von Sicherheitsmechanismen entwickeln musste.
Wir haben jedoch das Gefühl, dass die meisten Android-Nutzer gar nicht wissen, dass ihr Smartphone zu einem Netzwerk von Trackern und verlorenen Geräten beiträgt. Und selbst wenn: Die wenigsten werden auf Anhieb wissen, wo sie in den Systemeinstellungen eine volle Unterstützung des Netzwerks aktivieren können: unter Datenschutz & Sicherheit, Gerätesuche, Mein Gerät finden.
Nicht nur Menschen, auch Koffer lassen sich schlechter finden
Natürlich muss man an dieser Stelle sagen, dass Googles Herangehensweise vom Privatsphäre-Aspekt her besser ist als Apples: Anstatt einfach alle Nutzer automatisch Daten senden zu lassen, lässt Google Vorsicht walten. Entsprechend sind Android-Tracker weniger gut geeignet, Personen ohne ihr Wissen zu verfolgen. Dummerweise gilt das aber auch für einen Koffer, ein Fahrrad oder ein Auto, deren Positionen man tracken möchte.
Verfügbarkeit und Fazit: Android-Tracker
Der Chipolo One Point kostet im Onlinehandel zwischen 30 und 35 Euro. Motorolas Moto Tag ist bereits für unter 30 Euro erhältlich. Um Googles Mein-Gerät-finden-Netzwerk verwenden zu können, ist ein Android-Gerät notwendig, auf dem mindestens Android 9 läuft.
Fazit
Aktuell lassen sich Bluetooth-Tracker in Googles Mein-Gerät-finden-Netzwerk aus der Ferne zwar besser aufspüren als zum Start im Mai 2024. Das System ist Apples Geräte-Netzwerk aber immer noch unterlegen. Airtags können wir binnen Minuten genau orten, bei den Android-Trackern erhalten wir mitunter nach Tagen noch keine genaue Position.
Lediglich an Orten mit viel Verkehr, wie an Bahnhöfen und Flughäfen, erhalten wir eine genauere Position unserer Tracker. Das liegt an der Voreinstellung von Google auf Android-Geräten, die die Tracker orten – nicht an den Bluetooth-Trackern selbst, die tadellos funktionieren.











Googles Voreinstellung ist aus Gründen der Sicherheit und der Privatsphäre sinnvoll, für Nutzer von Android-Trackern aber frustrierend. Nicht wenige dürften beim Kauf eines Trackers erwarten, dass dieser so gut funktioniert wie ein Airtag. Das ist vor allem in Kleinstädten und auf dem Land, aber durchaus auch in Großstädten wie Berlin nicht der Fall. Folglich sind eine Reihe von Bewertungen enttäuschter Nutzer zu den Geräten zu finden, etwa bei Amazon.
Je mehr Nutzer die Tracker- und Geräteortung auf alle Orte erweitern, umso besser wird Googles Geräte-Netzwerk werden. Dafür steigt das Risiko, dass die Position eines Trackers, der einen unbemerkt begleitet, schneller verraten wird. Google hat allerdings, wie Apple, eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um Nutzer vor unbemerkten Trackern zu warnen: durch Mitteilungen auf dem Smartphone und die schnelle Möglichkeit, die Lokalisierungsoptionen des Smartphones zu deaktivieren.
Googles Mein-Geräte-finden-Netzwerk wird in Zukunft sicherlich besser werden, was die Ortung von Trackern betrifft – wenn mehr Nutzer den vollen Zugriff auf das Netzwerk aktivieren. Bis dahin sind Android-Tracker kein Ersatz für Airtags.