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Android-Smartphones: Weg mit dem Google-Zeug!

Die Bescherung ist vorbei, und der ein oder andere hat womöglich ein neues Android-Smartphone oder -Tablet unter dem Baum vorgefunden. Nicht allen gefällt jedoch die starke Einbindung von Googles Diensten. Golem.de zeigt, wie man Google los wird und wie gut Android ohne dessen Zusätze funktioniert.
/ Tobias Költzsch
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Wir befreien Android von Google (Bild: Golem.de)
Wir befreien Android von Google Bild: Golem.de

Googles Dienste bieten neben den Apps an sich einige Vorteile, etwa eine Synchronisation von E-Mails, Notizen, Adressen, Browser-Verläufen und Musik. Dafür ist allerdings eine umfassende Einbindung in die Google-Welt nötig - inklusive der dazu gehörenden Aufzeichnung des Nutzerverhaltens. Das stört manchen Anwender. Nicht jeder will sich Google derart preisgeben. Mancher braucht diese Anbindung auch gar nicht.

Es gibt aber Mittel und Wege, um ein Smartphone von den Google-Services zu befreien. Generell ist es technisch möglich, Googles Zusätze auf einem neuen Smartphone zu deinstallieren, ohne ein neues ROM aufzuspielen. Mit Hilfe eines Root-Zugangs lassen sich mit einer App wie Titanium Backup die einzelnen Google-Apps deinstallieren, dies kann bei manchen Geräten aber zu Systeminstabilitäten führen.

Eine etwas sauberere Lösung ist es, ein alternatives Android-ROM auf das neue Smartphone zu spielen. Dieses kommt aus lizenzrechtlichen Gründen ohne die Google-Apps und -Services; wer diese verwenden möchte, muss sie über eine Custom Recovery nachinstallieren. Ein Smartphone oder Tablet mit Cyanogenmod , Paranoid Android, Pac Man ROM oder einer anderen alternativen Android-Distribution ist also im Grundzustand Google-frei. Die Replicant-ROM(öffnet im neuen Fenster) ist dabei das absolute Extrem: Sie basiert ausschließlich auf Open Source, ist allerdings nur für einige eher ältere Smartphone-Modelle verfügbar.

Eine generelle Anleitung, wie man sein Smartphone mit einem neuen ROM bespielt, gibt es nicht - je nach Gerät gibt es Unterschiede. Im Internet finden sich jedoch mittlerweile zahlreiche gute Anleitungen, in unzähligen Foren werden Fragen beantwortet. Generell gilt: Solange noch Fragen offen und bestimmte Punkte unklar sind, sollte der Flash-Vorgang nicht begonnen werden. So lassen sich Panikattacken, falls etwas nicht wie gewünscht funktioniert, vermeiden.

Hallo, nacktes Android!

Ist das Smartphone oder Tablet schließlich Google-frei, bietet sich in der App-Übersicht ein entsprechend karger Anblick. Je nach gewähltem ROM finden sich nur deren integrierte Anwendungen auf dem Gerät - etwa ein Musikabspielprogramm oder ein File-Manager -, sowie die eigentlichen Android-Anwendungen wie das E-Mail-Programm oder der Kalender. Google-Anwendungen wie Chrome, Gmail, Maps und Google+ fehlen ebenso wie der Play Store. Dieser ist für viele Android-Nutzer jedoch die primäre Anlaufstelle für neue Apps - bei einem Google-freien Gerät müssen also Alternativen her.

Für Android gibt es zahlreiche alternative App-Stores, beispielsweise Getjar(öffnet im neuen Fenster) oder F-Droid(öffnet im neuen Fenster) , wo sich sogar nur freie Software findet. In den alternativen App-Stores gibt es häufig auch Apps, die es ebenfalls in Googles Play Store gibt. Insgesamt ist die Auswahl jedoch deutlich kleiner. Viele Programmierer kostenloser Apps bieten ihre Anwendungen auch direkt als APK-Dateien zum Download an. Diese können einfach installiert werden, nachdem im Einstellungsmenü unter "Sicherheit" das Häkchen bei "Unbekannte Quellen" gesetzt wurde. Hier lohnt sich ein Blick auf die Internetseite des Entwicklers.

Alternative Apps - oder mobile Internetseiten

Dank der App-Stores lassen sich zahlreiche gute Alternativ-Apps installieren. Statt Google Maps kann der Nutzer beispielsweise Maps With Me(öffnet im neuen Fenster) verwenden: Die App verwendet Kartenmaterial von Open Street Map, das auch offline genutzt werden kann. Alternativ kann natürlich auch die Internetseite eines Kartendienstes verwendet werden - beispielsweise Here Maps oder Google Maps selbst. Wem die E-Mail-App von Android nicht ausreicht, findet mit K-9 Mail(öffnet im neuen Fenster) eine sehr gute und bewährte Anwendung. Anstelle des Chrome-Browsers kann entweder der vorinstallierte Android-Browser verwendet werden, oder ein alternativer Browser wie Firefox heruntergeladen werden. Einige alternative Browser bieten auch eine geräteübergreifende Synchronisierung von Lesezeichen.

Insgesamt betrachtet finden sich für die meisten Anwendungen Ersatz-Apps, wenn die ursprüngliche Anwendung nicht verfügbar ist. Alternativ kann häufig auch ersatzweise eine Website verwendet werden - Apps wie die von Ebay, Facebook, Youtube oder anderen Diensten sind dank guter Mobilseiten im Grunde gar nicht nötig. Auch die meisten E-Mail-Anbieter haben mittlerweile sehr gute, auf mobile Geräte angepasste Portale, die eine App häufig ersetzen können. Wer seine E-Mails gerne offline verfügbar haben möchte, sollte sich allerdings einen Mailclient installieren.

Zeit für eine eigene Synchronisation

Schwieriger wird es bei einem Google-freien Android, die weniger offensichtlichen Hintergrundprozesse von Google zu ersetzen, etwa die Kontakt- und die Kalendersynchronisation. Wer ein Smartphone und ein Tablet mit Google-Android besitzt, profitiert von Googles Hintergrundsynchronisation. Fügt der Nutzer beispielsweise seiner Google-Kontaktdatenbank auf dem Smartphone einen Kontakt hinzu, ist dieser auch auf dem Tablet verfügbar.

Mit Owncloud zur eigenen Synchronisation

Auf einem Google-freien Android-Gerät gibt es beim Kalender und den Kontakten von Hause aus nur eine Exchange-Synchronisation, ansonsten können Kontakte nur lokal gespeichert werden. Cloud-Dienste wie Owncloud(öffnet im neuen Fenster) helfen aber dabei, eine eigene Synchronisation aufzubauen. Wie man den Dienst auf einem eigenen Homeserver einrichtet, hat Golem.de bereits erklärt . Wer sich damit zufriedengibt, dass seine Daten auf dem Webspace eines Hosters liegen, kann es noch einfacher haben.

Um sich ihre eigene Owncloud einzurichten, müssen Nutzer lediglich eine Konfigurationsdatei von der Owncloud-Homepage herunterladen und sie auf ihren Webspace laden. Achtung: Der Anbieter muss PHP unterstützen, inklusive der PHP-Erweiterung PDO - ansonsten funktioniert der Owncloud-Server nicht. Ist die Unterstützung gegeben, ist die Installation ein Kinderspiel.

Über eine Web-Oberfläche können der Kalender, die Kontaktdatenbank und die weiteren Funktionen der eigenen Owncloud einfach eingesehen und bearbeitet werden. Vorhandene Datenbanken wie Kontaktsammlungen können einfach importiert werden. Über eine Smartphone-App, die bei F-Droid erhältlich ist, kann der Nutzer auch Inhalte des Smartphones in der Cloud speichern. Wirklich interessant wird es jedoch, wenn über Carddav und Caldav die Kontakte und der Kalender geräteübergreifend synchronisiert werden.

Dav Droid bringt die Geräte auf eine Linie

Dafür bietet sich die ebenfalls bei F-Droid erhältliche kleine App Dav Droid(öffnet im neuen Fenster) an. Dav Droid bindet die in der Cloud gespeicherten Kalender- und Kontaktdaten in den Android-Kalender und die Kontakte-App ein. Dafür muss der Nutzer in den Einstellungen der App ein neues Konto hinzufügen und die Adresse seiner Cloud eingeben. Theoretisch soll Dav Droid die Unterordner des Kalenders und der Kontaktdatenbank selbstständig finden, wenn der Nutzer nur das Oberverzeichnis eingibt.

Das funktioniert bei uns allerdings nicht, wir müssen für den Kalender und die Kontaktdatenbank jeweils zwei eigene Konten anlegen und die jeweiligen Adressen eingeben. Das ist aber kein allzu großer Mehraufwand. Anschließend erscheinen die beiden Konten auch in den Systemsteuerungen von Android und werden - wie etwa ein E-Mail-Konto - synchronisiert. Die Synchronisation erfolgt dank Dav Droid in beide Richtungen. Tragen wir auf der Web-Oberfläche einen neuen Termin in den Kalender ein, erscheint er kurze Zeit später auf dem Smartphone. Umgekehrt genauso: Ein neuer Termin auf dem Smartphone wird wenig später in die Cloud übertragen. Hat der Nutzer mehrere Geräte mit seiner Owncloud verbunden - neben dem Smartphone beispielsweise noch ein Tablet -, werden die Termine von der Cloud aus mit allen weiteren Geräten synchronisiert.

Mit Owncloud kann die Google-Synchronisation zumindest in Teilen komplett ersetzt werden - auch Dateien wie Dokumente lassen sich darüber auf mehreren Geräten synchronisieren. Läuft die Owncloud über einen eigenen Server, sind die Daten zudem noch deutlich besser geschützt. Verzichten muss der Nutzer etwa bei Dateien auf die Bequemlichkeit einer Google-Drive-Einbindung oder auf sehr spezialisierte Services wie Google Now, die stark auf den gesammelten Nutzerdaten basieren.

Weg mit Google, her mit Android!

Ein Android-Smartphone ohne Google zu betreiben, ist keine Zauberei. Zwar ist es aufwendiger, als ein Smartphone direkt "out of the box" zu verwenden. Wer allerdings keine Lust hat, seine Daten allzu sehr Google preiszugeben, oder einfach den Platz durch den Wegfall der nicht genutzten Apps nutzen möchte, sollte die Mühe auf sich nehmen.

Für alle im Play Store verfügbaren Apps gibt es in den alternativen App Stores natürlich keinen Ersatz - häufig können alternativ aber auch mobile Webseiten genutzt werden. Dank der Owncloud-Synchronisation können zahlreiche Details wie Kontakte, Dateien und Kalendereinträge geräteübergreifend genutzt werden. Die Einrichtung ist nicht sonderlich kompliziert, ebenso die Einbindung mobiler Geräte. Die Weihnachtsfeiertage eignen sich also optimal, um aus dem neuen Google-Android-Smartphone eines ohne Google-Anbindung zu machen.


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