Android: Googles Tensor-SoC ist eine halbe Mogelpackung
Wie erwartet hat Google mit dem Tensor-SoC erstmals einen eigenen Chip für seine Pixel-Smartphone-Reihe vorgestellt. Die bisher verfügbaren Details dazu deuten schon jetzt darauf hin, dass Google sämtliche damit verbundenen Hoffnungen auf einen besseren Support in Bezug auf Android und Linux nicht erfüllen wird. Vielmehr versucht das Unternehmen lediglich in Details, sich von der Konkurrenz abzusetzen, und setzt bei dem Rest wohl auf Standardware aus dem Hause ARM.
Der Fokus des Designs liegt dabei klar darauf, bestimmte Fähigkeiten für einen Teil der Endkunden durch KI-Techniken und entsprechende Chip-Bausteine zu beschleunigen. Das zeigt sich schon am Namen: Tensor. Google spielt damit auf seine bereits bestehenden Tensor Processing Units (TPUs) oder auch das Tensorflow-Framework an, die Machine-Learning-Modelle beschleunigen. Das gibt schönere Bilder – und ein Verkaufsargument mehr für die Pixel-Serie. Hinzu kommen weitere eigene Bausteine wie ein Security-Chip.
Zum Rest des Designs, also etwa CPU-Kernen, GPU-Aufbau und weiteren Bestandteilen, gibt es zwar noch keine offiziellen Informationen. Die enge Zusammenarbeit mit Samsung und das große Schweigen zu besagten Details sind aber Anzeichen dafür, dass von Google nicht mehr viel Eigenes kommen wird. Es ist zu vermuten, dass das Tensor-Design schlicht auf einem Exynos-Design von Samsung basiert und dieses um die bereits vorhandenen und nun verbesserten IP-Bausteine erweitert wird.
Standard-Bauteile bei den Grundlagen
Google enttäuscht damit die vage Hoffnung, dass das Unternehmen in der Android-Welt endlich wieder eigene ARM-Kerne etablieren würde. Wirklich eigene Designs, die nicht von den Cortex-Kernen abgeleitet sind, gibt es also weiter nur von Apple, die damit konkurrenzlos bleiben dürften. Denn auch Samsung und Qualcomm nutzen inzwischen Designs auf Grundlage der Cortex-Familie von ARM. Gleiches gilt wohl für die GPU, bei der es sich mutmaßlich um ein aktuelles Mali-Design handelt.
Zwar erlangt Google damit eine wirtschaftlich sehr wichtige Unabhängigkeit von Qualcomm bei der Hardware. An der grundlegenden Android-Software und dessen Support-Modell dürfte sich aber nichts ändern. So ist vor allem davon auszugehen, dass Google keine Treiber für den Tensor-SoC in den Hauptzweig des Linux-Kernel einbringen wird.
Für die vermutete Mali-GPU müsste Google diesen Treiber etwa vollständig selbst schreiben, da Hersteller ARM ihn bisher nicht anbietet. Der per Reverse Engineering erstellte Linux-Treiber für die Mali-Serie im Hauptzweig ist aber weit entfernt von einer konkurrenzfähigen Leistung und unterstützt auch die aktuelle Architektur der Mali-GPUs überhaupt noch nicht.
Weiter keine bessere Update-Strategie
Wie bisher werden also auch die kommenden Pixel-Smartphones einen älteren Langzeitkernel mit Hunderttausenden Zeilen sogenanntem Out-of-Tree-Treiber-Code nutzen. Das macht nicht nur Pflege und Updates schwierig, sondern kann auch zu Sicherheitslücken führen, wie Google selbst schon schmerzhaft erfahren musste .
Auch sind deshalb nicht viel mehr als die bereits angekündigten vier Jahre Android-Updates möglich, die Google, Qualcomm und Samsung bereitstellen wollen .
Das ist weniger als die fünf Jahre, die Apple für seine iPhones liefert, und auch deswegen so enttäuschend, weil es mit Linux-Treibern im Hauptzweig möglich sein sollte, Updates deutlich länger anzubieten. Das streben etwa das Pinephone oder Purism mit dem Librem 5 an. Doch Google hat genau daran offenbar weiter keinerlei Interesse.
IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).
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