Android: Google hält Versteigern von Suchanbieter-Plätzen für fair

Ab 2020 will Google eine Suchmaschinenauswahl bei der Neueinrichtung von Geräten anbieten. Das Pikante daran: Wer auf die Liste der Suchmaschinen will, muss dafür Geld bezahlen.

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Suchmaschinenanbieter sollen an Google zahlen.
Suchmaschinenanbieter sollen an Google zahlen. (Bild: Ingo Pakalski/Golem.de)

Google setzt die Forderungen der EU-Kommission um und führt bei der Ersteinrichtung von Android-Geräten künftig eine Suchmaschinenauswahl ein. Wenn die Konkurrenten möglichst gut in der Liste platziert sein wollen, müssen sie dafür bezahlen. Google startet dafür eine Auktion und bevorzugt Suchmaschinenanbieter, die besonders viel Geld bieten. Auf einer Webseite zu Choice Screen listet Google die Details zum Ablauf der Auktion auf.

Seit April 2019 werden Android-Nutzer bei der Verwendung eines Smartphones oder Tablets explizit darauf hingewiesen, dass sie sich eine andere Suchmaschine und einen anderen Browser installieren können. Ab 2020 wird die Auswahl der Suchmaschine direkt in den Einrichtungsprozess eines Android-Geräts integriert. Dabei übernimmt der vom Nutzer ausgewählte Anbieter das Suchfeld auf dem Android-Startbildschirm sowie die Standardsuche im Chrome-Browser, falls dieser installiert ist.

Google ruft Anbieter von Suchmaschinen auf, sich dafür zu bewerben, in dieser Suchauswahl zu erscheinen. Die Interessenten müssen dazu mitteilen, wie viel sie pro gewonnenem Nutzer bezahlen würden. Je höher die angekündigte Bezahlung ist, desto besser ist die Position in der Auswahlliste. Die Anbieter müssen erst dann an Google zahlen, wenn diese von einem Nutzer als Standardsuchmaschine ausgewählt werden.

Die Auktion soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Google hat zwar bekannt gegeben, dass es Mindest- und Höchstgebote geben werde, hat diese aber nicht weiter spezifiziert. Falls sich nicht genügend Interessenten auf die Plätze in der Suchmaschinenliste bewerben, will Google diese nach dem Zufallsprinzip befüllen.

Das ist für Google aber nur eine Notlösung, besser sei eine Auktion. Die Auffassung von Google sieht so aus: "Eine Auktion ist eine faire und objektive Methode, um festzustellen, welche Suchanbieter in den Auswahlbildschirm aufgenommen werden. "

Konkurrenz kritisiert die Auktion

Das sieht die Konkurrenz ganz anders: Eric Leandri, Geschäftsführer der in Paris ansässigen Suchmaschine Qwant, sagte Bloomberg, dass geprüft werde, ob sein Unternehmen sich an der Auktion beteiligen werde, um Kunden zu erreichen. Er nannte die Auktion "einen totalen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung" Googles. Für ihn sei es nicht fair, um "Geld zu bitten, nur um einen Vorschlag mit Alternativen zu unterbreiten".

Die Europäische Kommission teilte Bloomberg mit, dass die EU die Umsetzung des Mechanismus des Auswahlbildschirms "genau überwachen" werde. Die Änderungen würden konkurrierenden Suchmaschinen erlauben, Geschäfte mit Smartphone- und Tabletherstellern abzuschließen, um ihre Dienste vorab zu installieren.

Nachtrag vom 2. August 2019, 16:52 Uhr

Die Burda-Tochter Cliqz hat sich als Suchmaschinenanbieter bei Golem.de mit einer Stellungnahme gemeldet. Das Vorgehen von Google kommentiert Marc Al-Hames, Geschäftsführer von Cliqz, folgendermaßen: "Die Dreistigkeit, mit der Google den klaren politischen Willen der EU missachtet, verblüfft mich immer wieder." Der Suchmaschinenprimus tanze den politischen Entscheidungsträgern buchstäblich auf der Nase herum und wolle zeigen, wer das Sagen habe.

"Hier von Fairness zu sprechen, ist absurd. Wenn der Höchstbietende den Zuschlag bekommt und nicht der Beste, ist der Nutzer der Gelackmeierte. Nutzer müssen die Wahl haben, ob sie sich zum Beispiel für die privateste oder die innovativste Suche entscheiden." Google könne den Preis beliebig in die Höhe treiben und die mitbietenden Suchmaschinen müssten ihr Investment durch aggressive Werbung oder Verkauf von Daten wieder hereinholen. Am Ende zahle der Anwender. Das pervertiere die Absicht, Googles Monopolstellung zu regulieren.

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