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Android-Gaming: Android rückt an die Handhelds heran

Im Jahr 2013 hat sich das Gaming unter Android stark weiterentwickelt. Dank gut aussehender, umfangreicher Spiele, erster Konsolen sowie Handhelds ist Android-Gaming attraktiver denn je. Ein Rück- und Ausblick.
/ Tobias Költzsch
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Unter anderem dank Spielen wie Real Racing 3 hat sich Gaming unter Android 2013 stark weiterentwickelt. (Bild: Screenshot: Golem.de)
Unter anderem dank Spielen wie Real Racing 3 hat sich Gaming unter Android 2013 stark weiterentwickelt. Bild: Screenshot: Golem.de

Auf Android-Geräten zu spielen, bedeutete noch vor nicht allzu langer Zeit, sich mit Solitär zu beschäftigen oder ruckelige Shooter und Autorennen mit altbackener Grafik in Kauf zu nehmen. Bereits im Laufe des Jahres 2012 deutete sich aber dank der zunehmenden Anzahl an Quad-Core-Prozessor-Smartphones mit besseren Grafik-Chips eine Qualitätsverbesserung bei Android-Spielen an. Das Jahr 2013 hat Android-Nutzern einige tolle Titel beschert, die stellenweise sogar kostenlos beziehungsweise auf Freemium-Basis erhältlich sind. Gleichzeitig hat sich Android als Basis für Spielkonsolen und Handhelds weiterentwickelt, die unterschiedliche Ausrichtungen auf verschiedene Nutzergruppen haben.

Real Racing 3 - Test-Fazit
Real Racing 3 - Test-Fazit (01:18)

Parallele Entwicklung von Geräten und Spielen

Eines der bestaussehenden Android-Spiele 2013 ist das bereits im Februar auch für iOS erschienene, kostenlose Real Racing 3 von EA . Die fast 80 im Laufe des Spieles verwendbaren Fahrzeuge sind aufwendig modelliert, Schatten- und Sonneneffekte wirken - ein leistungsstarkes Smartphone oder Tablet vorausgesetzt - beeindruckend. Auch spielerisch bietet das Rennspiel einiges: Rennen gegen Avatare, die das Fahrverhalten von Freunden imitieren, sowie zahlreiche Spielmodi sorgen für Langzeitmotivation.

Dank einiger Updates sind die Reparaturen der Wagen mittlerweile auch keine umständlichen Klickorgien mehr. Am In-App-Bezahlsystem hat sich jedoch nicht viel geändert: Immer noch kann der Nutzer mit während der Rennen verdienten Dollar Wagen kaufen, die Auslieferung und Reparaturzeiten können durch Zahlung von Goldmünzen beschleunigt werden. Diese kosten echtes Geld - und ohne die Goldmünzen entstehen stellenweise erhebliche Wartezeiten.

Wasseranimationen und Tröpfchen für alle

Auch Riptide GP 2 von Vector Unit zeigt, was 2013 grafisch bereits auf einem Smartphone möglich war. Bekam der Nutzer beim Vorgänger des Jetski-Rennspiels die hübschen Grafikeffekte nur auf Tegra-3-Geräten zu sehen, sieht die neue Version auch auf Smartphones und Tablets mit anderen Prozessoren gut aus. Um das Spiel mit vollständigen Grafikdetails spielen zu können, ist aber ein ausreichend starker Prozessor nötig - ansonsten kommt es bei aufwendigen Wassereffekten häufig zu Rucklern.

Dead Trigger 2 mit starker Grafik

Das grafisch eindrucksvollste Android-Spiel im Jahr 2013 dürfte jedoch mit Abstand das im Herbst erschienene Dead Trigger 2 von Madfinger Games sein. Das Software-Studio hatte bereits 2011 das für damalige Verhältnisse großartig aussehende Shadowgun veröffentlicht, das auch heute immer noch durch gute Grafik und ein hervorragendes Touchscreen-Gameplay überzeugt.

Dead Trigger 2 - Trailer
Dead Trigger 2 - Trailer (01:17)

Dead Trigger 2 spielt grafisch jedoch in einer ganz anderen Liga. Insbesondere auf leistungsstarken Geräten mit gutem Display wie dem Nvidia Shield sieht das Spiel so gut wie kein anderes Android-Game aus und kommt bereits sehr nah an die Grafikleistung von Spiele-Handhelds. Die Spiegelungen und Lichteffekte sind beeindruckend, vor allem weil sie in weiten Teilen dynamisch sind. Rauch spiegelt sich in Pfützen wieder, und wo sich eben noch ein leeres Fenster gespiegelt hat, sind im nächsten Moment die eben davorgenagelten Bretter zu sehen. Lediglich die Zombie-Gegner und die Spielfigur selbst spiegeln sich nicht.

Android-Konsolen für bessere Spiele

Parallel zu den grafischen Fortschritten bei Android-Spielen entwickelte sich im Laufe des Jahres 2013 auch eine passende Gaming-Peripherie: Zahlreiche Android-Konsolen und -Handhelds bieten mittlerweile ernstzunehmende Spielmöglichkeiten abseits von Smartphones und Tablets. Zudem gibt es für zahlreiche Smartphones Gamepad-Aufsätze, in die das Gerät eingesetzt wird, um komfortabel spielen zu können - beispielsweise von Samsung .

Ouya - Test
Ouya - Test (03:30)

Eine der ersten ernstzunehmenden Android-Konsolen war die Ouya , die über Kickstarter finanziert und im März 2013 veröffentlicht wurde. Mit ihrem Tegra-3-Prozessor und 1 GByte Arbeitsspeicher zählte sie bei ihrer Ankündigung zu den leistungsstarken Android-Geräten. Bei der eigentlichen Markteinführung im Juni 2013 gab es jedoch bereits zahlreiche andere Smartphones und Tablets, die einen besseren Prozessor und mehr Arbeitsspeicher hatten und dementsprechend grafisch anspruchsvolle Titel flüssiger anzeigen konnten.

Zudem krankt die Ouya immer noch am speziell für sie modifizierten Spieleangebot, das viele aktuelle Titel nicht beinhaltet. Vorteilhaft ist jedoch, dass Android-Apps im APK-Format relativ einfach nachinstalliert werden können, obwohl die Konsole keinen Zugang zu Googles Play Store hat. Dann gibt es jedoch keine Garantie, dass die Steuerung mit dem Gamepad funktioniert.

Gamestick für Casual Gamer

Während die Ouya von Beginn an den Anspruch hatte, sich auch an ernsthafte Spieler zu wenden, geht Playjams Gamestick einen anderen Weg. Anstatt in einem Gehäuse ist diese Android-Konsole in einem HDMI-Stick untergebracht. Anders als die bereits länger erhältlichen Android-HDMI-Sticks hat der Gamestick aber eine für die Benutzung mit einem Gamepad angepasste, übersichtliche Benutzeroberfläche.

Playjam Gamestick - Test
Playjam Gamestick - Test (02:21)

Der Gamestick setzt weniger auf die Wiedergabe grafisch anspruchsvoller Spiele als auf Casual Games. Dies spiegelt sich auch in der Hardware wider: Mit einem Dual-Core-Prozessor kommt der Gamestick eher an seine Grenzen als die Ouya.

Nvidia Shield als Gaming-Allrounder

Mit dem Nvidia Shield erschien 2013 zudem das erste wirklich leistungsstarke Android-Handheld. Zwar gab es vorher bereits das Spieletablet Gamepad von Archos, das mit seinem hervorragenden Mapping Tool beinahe jedes Android-Spiel mit den physischen Bedienungselementen spielbar macht. Das Gamepad hatte allerdings einige Hardwareschwächen, die Archos mit einem Nachfolger stellenweise beseitigt hat.

Nvidia Shield - Test
Nvidia Shield - Test (03:05)

Mit dem Nvidia Shield ist das Archos-Tablet jedoch nicht vergleichbar, was die Hardwareleistung betrifft. Das Shield ist in unseren Benchmark-Vergleichstests mit seinem Tegra-4-Prozessor eines der stärksten Geräte. Grafisch anspruchsvolle Android-Spiele wie Dead Trigger 2 oder Real Racing 3 sehen auf dem Shield sensationell gut aus und laufen flüssig. Zudem kann der Nutzer auch PC-Spiele auf das Shield streamen, wenn er eine Desktop-Geforce-Grafikkarte mit Kepler-Architektur hat. Damit hat das Gerät einen großen Funktionsumfang, der über den einer reinen Android-Spielekonsole hinausgeht.

Ausblick

Die Qualität der Android-Spiele hat sich im Jahr 2013 deutlich verbessert. Mittlerweile können Gamer auch auf Smartphones und Tablets grafisch anspruchsvolle und umfangreiche Spiele spielen. Einige dieser Games sind sogar kostenlos beziehungsweise finanzieren sich durch In-App-Käufe, die häufig nicht unbedingt durchgeführt werden müssen.

Parallel zur Spieleentwicklung sind im Jahr 2013 erste wirklich leistungsfähige Android-Konsolen und -Handhelds erschienen. Diese richten sich an unterschiedliche Spielertypen, mit dem Nvidia Shield ist auch ein sehr leistungsstarkes Gerät dabei. Generell dürfte künftig der Anteil der Smartphonenutzer noch steigen, die zwar unterwegs spielen, aber nie einen Handheld wie die PS Vita oder den Nintendo 3DS kaufen würden.

Die technische Entwicklung wird auch im Jahr 2014 schnellere, grafisch hochauflösende Android-Geräte hervorbringen - analog werden auch umfangreichere und noch besser aussehende Spiele entwickelt werden. Zusammen mit der mittlerweile hohen Verbreitung von Android könnte dies 2014 den endgültigen Durchbruch für Android-Gaming bedeuten. Ob bei einem zunehmenden Erfolg viele gute Spiele weiterhin kostenlos erhältlich bleiben werden, ist jedoch fraglich.


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