Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Android: App2SD bei Geräteherstellern immer unbeliebter

Immer weniger Hersteller von Android-Geräten unterstützen noch die Funktion App2SD. Damit lassen sich Android-Apps auf eine Speicherkarte auslagern. Jeder Hersteller muss diese Funktion selbst implementieren, weil Google sie seit einigen Jahren nicht mehr unterstützt.
/ Ingo Pakalski
198 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Googles Android unterstützt standardmäßig kein App2SD mehr. (Bild: Stephen Lam/Reuters)
Googles Android unterstützt standardmäßig kein App2SD mehr. Bild: Stephen Lam/Reuters

Wenn der Speicher im Android-Smartphone oder -Tablet knapp wird, sind die Nutzer erfreut über die Option, Apps auf die Speicherkarte auslagern zu können und so mehr freien Speicher auf dem Gerät zu gewinnen. Das Problem betrifft nicht nur Besitzer von Einsteigergeräten mit wenig Speicherplatz, sondern auch Intensivnutzer mit High-End-Geräten. Allerdings ist das Auslagern von Apps oftmals nicht so einfach. Google hat die einst in Android enthaltene Funktion bereits vor einigen Jahren weitgehend unbemerkt abgeschafft. Daher funktioniert das Auslagern nur, wenn der Gerätehersteller das explizit implementiert hat – und die Hersteller handhaben das sehr unterschiedlich.

App2SD-Apps können nicht helfen

Hat der Hersteller App2SD nicht implementiert, hilft auch der Einsatz von App2SD-Apps nicht, denn diese erleichtern nur das Verschieben der Apps auf die Speicherkarte, stellen die Funktion aber nicht selbst zur Verfügung. Erst wenn das Gerät die Funktion App2SD unterstützt, können App2SD-Apps sinnvoll eingesetzt werden. Aber selbst dann können nicht alle Apps verschoben werden. Der Grund dafür ist, dass auch die zu verschiebenden Apps die App2SD-Funktion unterstützen müssen. Vor allem speicherintensive Apps sind aber oftmals App2SD-tauglich.

Erstmals eingeführt hatte Google App2SD mit Android 2.2 alias Froyo vor rund 3,5 Jahren. Wenig später wurde die Funktion stillschweigend wieder aus Android entfernt – mutmaßlich mit Android 3.0 alias Honeycomb – also vor drei Jahren Anfang 2011. Wir wollten uns das von Google bestätigen lassen, erhielten aber leider trotz mehrfacher Nachfragen im vergangenen Jahr keine Antwort. Damit ist nicht abschließend geklärt, ob die Funktion doch erst mit Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich verschwand.

Googles Gründe bleiben unklar

Weshalb Google App2SD wieder entfernt hat, ist nicht bekannt. Es gibt die Vermutung, dass Google der Funktion keine große Bedeutung mehr beimaß, weil das Unternehmen seit einiger Zeit nur noch Android-Geräte ohne Speicherkartensteckplatz anbietet – das gilt außer für die Nexus-Geräte auch für die Motorola-Neuvorstellungen Moto G und Moto X.

Damit liegt es an den Geräteherstellern selbst, ob sie App2SD unterstützen. Für Kunden ist es allerdings nicht gerade einfach, sich schon vor dem Kauf eines Android-Gerätes zu informieren, ob es App2SD unterstützt. Golem.de hat bei den großen Herstellern von Android-Geräten nachgefragt, um hier etwas Klarheit zu schaffen. Dabei zeigte sich, dass die App2SD-Frage von den einzelnen Herstellern sehr unterschiedlich behandelt wird. Die von den Herstellern gegebenen Auskünfte beziehen sich jeweils auf das aktuelle Produktportfolio, so dass ältere Geräte nicht immer berücksichtigt sind. Wir haben uns auf die Aussagen der Hersteller gestützt und diese mit Hilfe von Stichproben verifiziert.

Bei vielen Herstellern unterstützen nur wenige Geräte App2SD

Käufer eines Huawei-Geräts haben besonders große Chancen, dass ihr Gerät App2SD unterstützt. Kein anderer Hersteller von Android-Geräten bietet so viele Smartphones und Tablets an, die damit ausgerüstet sind. Die Ascend-Smartphones G615, G510, Y300, P1 und Mate haben darüber hinaus eine weitere Besonderheit: Die Speicherkarte kann als primärer Speicher verwendet werden. Ärgerlich ist, dass dem neuen Ascend G740 diese Funktion überraschenderweise fehlt.

Huaweis Android-Geräte mit App2SD-Unterstützung
Honor
Ascend Y201 pro
Ascend Y200
Ascend P1
Ascend G330
Ascend G600
Ascend G615
Ascend Mate
Ascend D1 Quad XL
Ascend G300
Ascend G510
Ascend Y300
Ascend P2
Ascend G525
Ascend P6
MediaPad
MediaPad 10 FHD
MediaPad 7 Lite
MediaPad 10 Link

Bei Marktführer Samsung sieht es deutlich schlechter aus, hier werden nur wenige der aktuell im Portfolio befindlichen Geräte unterstützt. Nur die Modelle der Galaxy-S4-Familie bieten die Funktion, also neben dem Galaxy S4 das S4 Mini, das S4 Active und das S4 Zoom. Das Galaxy Note 3 bekam App2SD-Unterstützung durch ein Firmware-Update nachgereicht. Alle übrigen aktuellen Galaxy-Modelle bieten demnach kein App2SD, dazu gehören auch alle Galaxy Tabs und viele Modelle der Galaxy-Note-Reihe. Die überwiegende Mehrzahl der verfügbaren Samsung-Geräte beherrscht also die Funktion laut dem Hersteller nicht.

Auch bei HTC sind es nur wenige Geräte, die App2SD unterstützen. Allerdings hat HTC nicht so viele Smartphones im Programm wie Samsung, so dass ein größerer Anteil des Sortiments von HTC App2SD unterstützt als von Samsung. Das Velocity 4G, das One V sowie die Desire-Modelle C, X und 500 gehören dazu. HTCs Topmodell One hat keinen Steckplatz für Speicherkarten, so dass sich keine Daten mehr auf dem Gerät ablegen lassen, wenn der interne Speicher voll ist.

Bei LG sind nur die drei Optimus-Modelle L3II, L5II und vom L7II App2SD-tauglich. Die gerade angekündigten L-Modelle der dritten Generation, L40, L70 und L90, könnten möglicherweise ebenfalls App2SD unterstützen, dazu liegen aber noch keine Informationen vor. Damit fehlt der Mehrheit der LG-Geräte die Funktion, auch das G Pad 8.3 unterstützt kein App2SD. Wie bei HTC hat auch das Topsmartphone von LG keinen Steckplatz für Speicherkarten, so dass G2-Besitzer mit dem internen Speicher entsprechend haushalten müssen.

Im ZTE-Portfolio sind es die Modelle Blade III, Grand X In, Grand X Pro, Grand Memo LTE, Blade G, Kis Plus sowie Skate, die App2SD bieten. Damit ist immerhin eine vergleichsweise große Zahl an ZTE-Modellen damit bestückt. Vom Hersteller Acer heißt es, dass die Liquid-Smartphones Z3, E2 und S2 App2SD böten, zu den Iconia-Tab-Tablets machte Acer selbst keine Angaben. Nach unseren Recherchen wird App2SD von allen Iconia-Tab-Tablets nicht mehr unterstützt. Archos erlaubt App2SD bei allen Platinum-Smartphones.

Abkehr von App2SD bei Asus, Sony, Medion und Toshiba

Bei Lenovo wurde App2SD nach Unternehmensangaben noch vor kurzem generell nicht mehr angeboten. Das hat sich aber löblicherweise mit den beiden aktuellen Yoga-Tablets geändert , die es beide ermöglichen, Apps auf die Speicherkarte auszulagern.

Die Hersteller Asus, Sony, Medion und Toshiba unterstützen nach eigenen Angaben generell kein App2SD mehr. Asus begründet das damit, dass der Hersteller auf ein "größtenteils unverändertes Stock ROM" setzt und nur wenige Änderungen vornimmt. Damit will Asus dafür sorgen, dass Kunden möglichst zügig Android-Updates für ihre Geräte erhalten. Offen bleibt dabei allerdings, warum App2SD nicht zu den wenigen Änderungen gehört, die Asus vornimmt.

Bei Sony wird der Verzicht auf App2SD damit begründet, dass alle "Geräte einen üppigen Speicher" hätten, "der nicht schnell voll wird" . Wie eingangs bereits erwähnt, hängt es aber stark vom Nutzerverhalten ab, wie schnell der interne Speicher erschöpft ist. Und da Sony auch Einsteigergeräte mit nur 4 GByte Flash-Speicher im Sortiment hat, dürfte das Versprechen wohl nicht zu halten sein, dass der interne Speicher generell nicht schnell voll werde. Als weiteren Grund führt Sony an, dass der interne Speicher pauschal schneller als eine SD-Karte sei. Dies können wir so pauschal nicht bestätigen: Beim App-Start haben wir keinen Unterschied feststellen können, ob diese im internen Speicher oder auf der Speicherkarte verschoben wurde.

App2SD sollte stärker unterstützt werden

Es bleibt ein Ärgernis, dass die Hersteller von Android-Geräten von sich aus nicht darauf hinweisen, ob ein Gerät App2SD unterstützt. Der Kunde erfährt es erst nach dem Kauf, wenn er sich nicht anderweitig erkundigt. Wenn App2SD-Unterstützung fehlt, ist es für technisch weniger versierte Kunden unverständlich, dass sich zwar viele andere Daten auf der Speicherkarte ablegen lassen, aber Apps eben nicht verschoben werden können.

Generell wäre es wünschenswert, dass wesentlich mehr Hersteller als bisher App2SD in Zukunft in ihren Android-Geräten unterstützen. Denn damit lassen sich Smartphones und Tablets noch umfangreicher einsetzen und sie wirken weniger beschränkt, als wenn diese Funktion fehlt. Allerdings deutet die aktuelle Entwicklung eher darauf hin, dass App2SD immer seltener unterstützt wird und die Funktion schrittweise eine immer geringere Bedeutung in der Android-Welt haben wird, obwohl die Funktion schmerzlich vermisst wird, wenn sie benötigt wird.


Relevante Themen