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Android 5.1 im Test: Viel nützlicher Kleinkram

Nur kleine Verbesserungen, aber lohnenswerte: Neue Funktionen bringt Googles Android 5.1 kaum, es macht die Bedienung aber bequemer. Auch lästige Fehler aus Android 5.0 wurden beseitigt.
/ Ingo Pakalski
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Android 5.1 bringt eine Reihe kleinerer Verbesserungen. (Bild: Screenshot: Golem.de)
Android 5.1 bringt eine Reihe kleinerer Verbesserungen. Bild: Screenshot: Golem.de

Google hat in die neue Version seines mobilen Betriebssystems, Android 5.1, eine Reihe kleinerer Verbesserungen eingebaut. Wir haben es mit der Version 5.0.2 verglichen. Dazu haben wir Android 5.1 auf einem Nexus 7 der ersten Generation installiert, während Android 5.0.2 auf einem neuen Nexus 7 lief. Vielfach sind die Unterschiede nur minimal, dennoch zeigt sich, dass sich Android 5.1 etwas komfortabler bedienen lässt.

Android 5.1 – Test
Android 5.1 – Test (01:39)

Mit Android 5.1 gibt es eine Reihe von Verbesserungen für den neuen Benachrichtigungs- und Schnelleinstellungsbereich. Werden auf dem Sperrbildschirm die Schnelleinstellungen aufgerufen, muss künftig nicht mehr doppelt nach oben gewischt werden, um auf das Gerät zugreifen zu können. Mit einem Wisch verschwinden sowohl Schnelleinstellungen als auch Sperrbildschirm. Mit Android 5.0 mussten erst die Schnelleinstellungen weggeschoben werden, um anschließend den Sperrbildschirm wegschieben zu können.

Mehr Komfort in den Schnelleinstellungen

Eine willkommene Neuerung sind die Untermenüs in den WLAN- und Bluetooth-Optionen der Schnelleinstellungen. Unter dem WLAN-Icon wird das verbundene WLAN-Netzwerk und bei Bluetooth das zuletzt gekoppelte Gerät angezeigt. Einmal darauf tippen öffnet jeweils ein Untermenü. Wird es bei ausgeschaltetem WLAN oder Bluetooth aufgerufen, schaltet sich die jeweilige Funktechnik gleich mit ein. Das ist sehr praktisch.

Im WLAN-Untermenü wird angezeigt, welche weiteren WLAN-Netzwerke verfügbar sind und mit welchem Hotspot das Gerät verbunden ist. Das Bluetooth-Untermenü zeigt alle mit dem Tablet oder Smartphone gekoppelten Geräte und der Nutzer kann sich bequem von dort aus mit diesen verbinden oder eine Verbindung trennen. Der umständlichere Weg über die Einstellungen ist nicht mehr erforderlich. Das Koppeln neuer Bluetooth-Geräte ist aber weiterhin nur über die Android-Einstellungen möglich.

Die Schnelleinstellungen können geringfügig besser konfiguriert werden als in Android 5.0. Von einer unkomplizierten Anpassung ist aber auch der neue Ansatz meilenweit entfernt. Nach wie vor kann die Reihenfolge der Einträge in den Schnelleinstellungen nicht verändert werden. Einige ausgewählte Einstellungsoptionen nisten sich mit Android 5.0 in den Schnelleinstellungen ein, wenn sie einmal aufgerufen wurden.

Schnelleinstellungen minimal konfigurierbar

Der Nutzer kann sie jetzt aber immerhin leichter wieder aus den Schnelleinstellungen entfernen. Er muss sie etwas länger gedrückt halten, dann wird das Symbol entfernt. Dazu muss die betreffende Funktion deaktiviert sein. Sobald sie ein weiteres Mal aufgerufen wird, landet sie wieder in den Schnelleinstellungen. Das lässt sich nicht verhindern. Ist die Funktion eingeschaltet, lässt sich das Symbol nicht aus den Schnelleinstellungen löschen.

In Android 5.0 verschwindet die Schnelleinstellung erst, wenn der der Nutzer die Funktion mehr als einen Monat nicht verwendet hat. Als Workaround hilft es, die interne Uhr einen Monat vor- und zurückzustellen. Die zuschaltbaren Schnelleinstellungen bei Android 5.1 sind "Farben invertieren" und die Umschaltung des WLAN-Hotspots. Andere Funktionen landen nicht in den Schnelleinstellungen. Weiterhin fehlt ein Eintrag, um die NFC-Funktion umzuschalten.

Eine einzige fest verankerte Funktion lässt sich aus den Schnelleinstellungen entfernen, aber nicht über den oben beschriebenen Weg: die Display-Rotation. In den Android-Einstellungen muss dazu der Punkt "Bedienungshilfen" aufgerufen werden und dort der Eintrag "Display automatisch drehen" ausgeschaltet werden. Dann verschwindet die Funktion aus den Schnelleinstellungen – aber auch aus den Display-Einstellungen. Die Display-Rotation lässt sich also erst wieder umschalten, wenn dies in den Bedienungshilfen aktiviert wird.

Bedienung der Schnelleinstellungen nicht optimal

Das Grundverhalten des Schnelleinstellungsmenüs hat sich leider nicht verbessert. Nach wie vor sind entweder zwei Fingerwische oder ein doppelter Fingerwisch notwendig, um die Schnelleinstellungen zu öffnen. Das empfinden wir als unpraktisch. Die Schnelleinstellungen sollten ohne viel Mühe erreichbar sein.

Zudem schließen sie sich noch immer nicht, wenn der Nutzer auf einen leeren Bereich darunter tippt – beim Benachrichtigungsbereich funktioniert das hingegen, was inkonsistent ist. Um die Schnelleinstellungen verschwinden zu lassen, muss der Nutzer entweder gezielt neben – nicht unter – das Menü tippen, es nach oben schieben oder eine der drei Navigationstasten am Gerät betätigen.

Rein kosmetischer Natur sind neue Animationen für einige Icons in den Schnelleinstellungen. Auch in den Benachrichtigungsfunktionen gibt es etwas mehr Animationen. Werden alle Benachrichtigungen auf einmal entfernt, entschwinden sie nun animiert.

Mit den Lautstärketasten lässt sich nun auch die Hauptlautstärke regulieren, während Musik abgespielt wird. Im Popup mit der Lautstärkeregelung gibt es dafür einen Button auf der rechten Seite. Wird dieser betätigt, kann mit den Lautstärketasten die Hauptlautstärke verändert werden. Leider fehlt ein Button, um wieder zur Regulierung der Musiklautstärke zu wechseln. Dazu muss das Popup weggedrückt werden und der Nutzer muss ein paar Sekunden warten. Dann lässt sich die Musik-Lautstärke wieder mit den Tasten am Gerät verändern.

Eine weitere kleine Verbesserung gibt es bei der Einstellung der Weckerlautstärke, die sich nun direkt in der Uhr-App regulieren lässt. Zuvor musste der Nutzer erst in den Android-Einstellungen die Ton-Optionen aufrufen, um die Weckerlautstärke zu modifizieren. Zudem kann jetzt aus der Uhr-App heraus die Hauptlautstärke reguliert werden. Wie bei der Musikwiedergabe gibt es ein separates Icon, mit dem zur Hauptlautstärke gewechselt werden kann. Auch hier ist ein Wechsel zurück nicht direkt möglich. Der Nutzer muss das Popup wegdrücken und einige Sekunden warten, bis bei Druck auf die Lautstärketasten wieder die Weckerlautstärke erscheint.

Verfügbarkeit und Fazit

Mit Android 5.0 funktionierte das manuelle Synchronisieren aller Einstellungen in einem Konto nicht mehr. Der betreffende Befehl war weg und wird mit Android 5.1 wieder eingeführt. Mit Android 5.0 konnten zwar einzelne Bereiche eines Google-Kontos manuell synchronisiert werden, aber nicht alle zusammen – das war entsprechend mühselig.

Bildschirm-Anheften-Funktion ist noch nicht überzeugend

Überarbeitet wurde auch die neue Bildschirm-Anheften-Funktion, die weiterhin über die Sicherheitseinstellungen umgeschaltet wird. Der Nutzer kann damit festlegen, dass das Gerät nur mit einer einzigen App verwendet werden kann. Für den Aufruf anderer Apps muss ein Kennwort eingegeben werden. Wir empfinden es als unpraktisch, dass dafür weiterhin kein separates Kennwort vergeben werden kann. Das Kennwort, die PIN oder das Muster für die Displaysperre gilt immer auch für diese Funktion.

Wenn die Bildschirm-Anheften-Funktion ohne PIN aktiviert wird, erscheint kein Warnhinweis, dass dies ein Sicherheitsrisiko darstellt. Denn dann genügt es, die Tasten Zurück und Aktuelle Apps zu drücken, um den speziellen Modus zu beenden. Zu allem Überfluss erscheint sogar ein Hinweis, wie der Modus beendet werden kann.

Auch mit Android 5.1 gibt es im Neustarten-Dialog nur einen Eintrag. Das Menü erscheint, wenn der Ein-Aus-Schalter länger gedrückt wird. Dann kann das Tablet nur ausgeschaltet werden. Eine Neustart-Option gibt es weiterhin nicht. Dabei dürfte sie im Alltag deutlich häufiger gebraucht werden.

Liste der aktiven Apps macht keine Fehler mehr

Mit Android 5.1 hat Google einige lästige Programmfehler behoben, die seit Android 5.0 aufgetreten sind. So tauchten entfernte Apps mitunter wieder in der Liste der aktiven Apps und in der betreffenden Übersicht auf. Das soll mit Android 5.1 der Vergangenheit angehören. Allerdings vermissen wir weiterhin eine Möglichkeit, alle aktiven Apps aus der Liste zu entfernen. Selbst ein Geräteneustart ist hier keine Hilfe, weil sich das System die Liste merkt. Wer die Liste also bereinigen will, muss umständlich jede einzelne App aus der Liste löschen.

Die Nutzung öffentlicher WLAN-Hotspots wird mit Android 5.1 angenehmer. Android 5.1 merkt sich Hotspots ohne Internetverbindung und verbindet sich dann nicht mehr automatisch mit ihnen.

Vorerst gibt es Android 5.1 nur für die Nexus-Geräte, für viele hat die Verteilung des Drahtlos-Updates noch nicht begonnen. Das Update wird für das Nexus 4, das Nexus 5, das Nexus 6, das erste Nexus 7 in der Nur-WLAN-Ausführung und das Nexus 10 verteilt. Das Nexus 9, das Nexus 7 (2013) und auch die 3G-Variante des ersten Nexus 7 haben das Update noch nicht erhalten.

Fazit

Android 5.1 bringt einige Verbesserungen und verstärkt den Eindruck, dass Android 5.0 stellenweise unfertig auf den Markt gebracht wurde. Einige der Fehler der ersten Lollipop-Version werden erst mit Android 5.1 beseitigt. Die neuen Funktionen verbessern zwar die Bedienung, sind aber allesamt nur kleine Änderungen. Grundlegende Neuerungen gibt es nicht. Gleichwohl ist Android 5.1 besser als Android 5.0.

Ärgerlicherweise können Nutzer die Schnelleinstellungen weiterhin nicht umfassend konfigurieren. Viele Hersteller von Android-Geräten sehen das ebenfalls als Nachteil und haben diesen Bereich für ihre Geräte anpassbar gemacht. Daher wäre es wünschenswert, dass Google diese Funktion bald direkt in Android integriert. Auch das Aufrufen oder Ausblenden des Schnelleinstellungsmenüs ist uns noch zu unkomfortabel umgesetzt.

Die Mehrzahl der Besitzer eines Android-Geräts werden noch lange warten müssen, bis sie in den Genuss von Android 5.1 kommen. Die Gerätehersteller sind gerade damit beschäftigt, Android 5.0 für erste Geräte zu verteilen. Es dürften wohl noch einige Monate verstreichen, bis die Kunden auch Android 5.1 erhalten. Weil mit Android 5.1 auch der eine oder andere lästige Fehler verschwindet, ist es ärgerlich, dass die Nutzer so lange warten müssen.


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