Android 10: Google sollte sein Schweigen zur Android-Verbreitung beenden
Seit Mai 2019 hat Google keine aktuellen Zahlen zur Android-Verbreitung vorgelegt. Das sogenannte Distribution Dashboard(öffnet im neuen Fenster) zeigt immer noch Zahlen an, die auf einem Messzeitraum beruhen, der am 7. Mai 2019 endete. Aufgrund des mittlerweile sechsmonatigen Schweigens ist immer noch komplett unklar, wie gut oder schlecht Android 10 auf dem Markt angekommen ist. Google hatte die neue Version des Betriebssystems im September 2019 offiziell eingeführt.
Gründe für die fehlenden Zahlen, die bis Oktober 2018 regelmäßig ein Mal pro Monat veröffentlicht wurden, hat Google nicht angegeben. Die Geschichte ist allerdings keine neue: Bereits zwischen Oktober 2018 und Mai 2019 hatte Google keine offiziellen Zahlen veröffentlicht und dies mit Datenbankproblemen begründet.
Stärker als beim ersten Schweigen kommt nun der Verdacht auf, dass Google die Zahlen absichtlich nicht mehr monatlich veröffentlicht, um der Konkurrenz keine Angriffsfläche zu bieten. Apple weist auf seinen Veranstaltungen gerne darauf hin, dass die jeweils aktuelle Version von iOS eine weitaus bessere Marktdurchdringung als die aktuelle Version von Android hat.
Hinkender Vergleich zwischen iOS und Android
Das ist zweifellos korrekt, allerdings ignoriert Apple bei derartigen Vergleichen geflissentlich den Umstand, dass Google im Vergleich ein eher unbedeutender Hardware-Hersteller ist. Der überwältigende Großteil der Android-Geräte stammt von anderen Herstellern, die mit dafür verantwortlich sind, dass Updates auf die Geräte gespielt werden – und dieser Verantwortung nicht immer schnell nachkommen. Apple ist hingegen der einzige Produzent von Geräten mit iOS und kann entsprechend Updates in einem ganz anderem Umfang durchsetzen, was zweifellos ein Vorteil ist.
Google versucht, der Fragmentierung von Android unter anderem mit Project Treble entgegenzuwirken, bei dem bestimmte Systemkomponenten schneller aktualisiert werden. Mit Project Mainline sollen künftig zudem Systemkomponenten direkt über den Play Store aktualisiert werden. Es ist denkbar, dass das klassische Verbreitungskonzept dank Project Treble und Project Mainline in Zukunft stärker aufgeweicht wird.
Diese Arten der Aktualisierung fallen aus dem klassischen Upgrade-Konzept heraus und dürften schwierig in den bisherigen Verbreitungszahlen wiederzugeben sein. Dennoch sollte Google sein monatelanges Schweigen beenden und die Zahlen veröffentlichen – und sei es nur, um dem Vorwurf entgegenzutreten, dass das Unternehmen etwas zu verheimlichen habe. Dieser Eindruck entsteht insbesondere angesichts des Umstandes, dass Google erneut keine Begründung für die fehlenden Zahlen angibt. Dass es sich wieder um Datenbankprobleme handelt, erscheint eher unwahrscheinlich.
Google sollte eine klare Aussage treffen
Sollte Google hingegen keine aktuellen Zahlen zur Android-Verbreitung mehr veröffentlichen wollen, sollte das Unternehmen dies klar kommunizieren – dann aber bitte auch mit einer Begründung. Das jetzige Verhalten heizt nur Spekulationen an und dürfte Google langfristig mehr negative Publicity bringen als ein klarer Schnitt mit einer einleuchtenden Begründung.
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