Andor Staffel 2: Endlich wieder Star Wars für Erwachsene

Wenn Star-Wars-Fans an die besten Serien und Filme denken, landet die Disney+-Serie Andor oft auf einem der vorderen Plätze. Das überrascht nicht: Die erste Staffel überzeugte durch ein erwachsenes und düsteres Setting, eine packende Geschichte und Charaktere, die nicht unbedingt nur der hellen oder dunklen Seite der Macht zuzuordnen sind. Dabei war es fast ein Wunder, dass nach all den Drehverzögerungen aufgrund der Coronapandemie überhaupt eine so tolle Serie zustande kam.
Zwei Mal hintereinander mit Problemen bei den Dreharbeiten kämpfen zu müssen und trotzdem überzeugendes Star Wars abzuliefern, erscheint da fast unmöglich. Trotz des späten Release der zweiten Staffel, der unter anderem wegen des Autorenstreiks im Jahr 2023 verzögert wurde, liefern die nun bei Disney+ erschienenen ersten drei Episoden wieder erstklassige Dramatik, Action und teilweise unerwartet morbide Szenen – erwachsenes Star Wars für erwachsene Fans.
Die ersten Minuten der zweiten Staffel beginnen bereits mit einer nervenaufreibenden Geheimmission, die Cassian Andor direkt in Bredouille bringen. Ohne Vorbereitung macht die Serie einen kleinen Zeitsprung hin zum Jahr 4 vor der Schlacht von Javin, die im Spielfilm Star Wars: Episode IV zu sehen ist. Die Serie knüpft eher lose und ohne großes Resümee vergangener Ereignisse an die Geschehnisse der ersten Staffel an und bringt die meisten altbekannten Charaktere zurück.
Erfolg trotz Verzögerungen
Das macht den Einstieg gewöhnungsbedürftig, schließlich sind seit dem Ende der ersten Andor-Staffel drei echte Jahre vergangen. Schnell können wir uns aber an alle wichtigen Figuren und deren Geschichten erinnern – das beweist, wie gut sie in den ersten 15 Folgen geschrieben wurden.












In den ersten drei neuen Folgen setzt sich das fort. Vor allem der gerissene Cassian Andor (Diego Luna) und die künftige Rebellenanführerin Mon Mothma (Genevieve O'Reilly) haben eine einnehmende Präsenz, die uns mit auf die Reise nimmt und ins Star-Wars-Universum zieht. So verschieden die beiden Schlüsselfiguren sind, so unterschiedlich sind auch die Szenerien, in denen sie sich bewegen.
Während Andor als Rebellenagent an mehreren Standorten stets ums Überleben kämpft und sich von einer Actionszene zur nächsten hangelt, spielt Mon Mothma in ihrem Prunkanwesen ein diplomatisches Katz- und Mausspiel. Die Serie wechselt zwischen mehreren Erzählungen hin und her – eine ähnliche Inszenierung, wie sie George Lucas in einigen Star-Wars-Filmen nutzte.
In Episode 3: Die Rache der Sith, verfolgen wir stets das Geschehen an mehreren Orten parallel. Dadurch wirkt die Geschichte, die für uns die beste der drei Prequels ist, stets aufregend und kurzweilig.
Ein ähnliches Kunststück gelingt auch den Machern von Andor. Während wir in einer Szene einem geheimen Meeting des Imperiums beiwohnen, bekommen wir an anderer Stelle ein actiongeladene Blasterscharmützel geboten. Die Serie spielt ihren Anspruch an ein erwachsenes Zielpublikum erstklassig aus.
Ein amüsantes Highlight ist für uns eine Szene, in welcher der Datenanalyst Syril Karn (Kyle Soller) und seine Freundin, die Imperiumsoffizierin Dedra Meero (Denise Gough), Karns Mutter zum Essen einladen. Hier treffen graue, zugeknöpfte Militärs auf eine bunte und toxische Matriarchin. Das daraus resultierende Gespräch ist spannend, amüsant und bringt den Zuschauern gleichzeitig drei Randfiguren und deren Motivation näher.
Es wird aber auch schnell unbequem für die Figuren.
Echte Sets, echte Emotionen
Vor dramatischen und gewalttätigen Themen, inklusive einer Vergewaltigung, schreckt Andor nicht zurück, was wir bei einer Star-Wars-Show nicht erwartet hätten. Teilweise wird das Imperium hier zwar als plump und klischeeböse dargestellt. Das war jedoch in allen Star-Wars-Produktionen immer der Fall. Der große Antagonist in Form der galaktischen Diktatur wirkt zudem auch hier fast schon unbeholfen, was manchen Situationen Dramatik nimmt.
Was wir aus aktuellen Star-Wars-Produktionen ebenfalls kennen: Die Macher filmen große Teile ihrer Serien vor großen OLED-Leinwänden. Entsprechend können echte Lichteffekte auf Sets und Figuren erzeugt und es kann ein realistischeres Gefühl erzeugt werden. In Serien wie The Acolyte sah das zuletzt allerdings einengend und falsch aus. In Andor bekommen wir in einigen wenigen Einstellungen diesen eher billig wirkenden Studio-Look mit zu viel CGI-Künstlichkeit ebenfalls zu sehen.
Die große Mehrheit der Sets wurde tatsächlich gebaut. Mon Mothmas Palast, Raumschiffswracks, eine Vierraumwohnung auf Coruscant oder das Innere einer mobilen Wohneinheit wirken als echte Kulissen wie aus der Zeit gefallen. Das meinen wir im positiven Sinne: Die echten Sets und Requisiten bringen den Nostalgiefaktor alter Star-Wars-Filme wieder.
Nostalgie und neue Identität
Das Team ist sich nicht zu schade, voll animatronische Puppen alienartiger Tiere und Droiden über den Bildschirm laufen zu lassen. Ein Highlight, das Nerds wie uns glücklich macht: Es wurde sogar das lebensgroße Modell eines imperialen TIE-Fighters für Innen- und Außendrehs gebaut.












Gepaart mit den typischen Star-Wars-Sounds wie dem Röhren besagter TIE-Fighter, dem Zischen von Blasterfeuer und dem Piepen obskur anmutender Droiden, kommt hier an jeder Stelle echtes Star-Wars-Feeling der 80er-Jahre auf. Andor will aber nicht nur mit Nostalgie überzeugen und bringt einen eigenen Soundtrack, der eher an die von Hans Zimmer komponierte Musik von Denis Villeneuves Dune-Saga als den ikonischen Orcherstertrack von John Williams erinnert.
Einerseits finden wir das schade, da die Musik stets einen großen Teil der Emotionen in Star Wars ausmacht. Andererseits: Wenn wir diese Emotion durch grandioses Schauspiel und exzellent inszenierte Dramaturgie geboten bekommen, umso besser. Genau so ist es in den ersten drei Episoden der zweiten Staffel von Andor. Jeweils drei weitere kommen jede Woche auf Disney+, insgesamt sind es zwölf.
Da ist es fast schade, dass zumindest diese Geschichte um Cassian Andor, Mon Mothma und Co. nach Staffel 2 enden wird. Disney hat aber nun nicht mehr nur Dave Filoni und John Favreau im Repertoire, die spannendes Star-Wars erzählen können. Wir meinen sogar, dass das Andor-Team den Job mittlerweile besser macht.



