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Ancestors im Test: Die Evolution als Affenzirkus

Mehrere Millionen Jahre in einem Spiel: Dieses mutige Ziel hat sich das Indiegame Ancestors - The Humankind Odyssee gesetzt. Leider macht die Evolution trotz interessanter Ansätze und liebenswerter Primaten nicht so richtig Spaß.

Ein Test von veröffentlicht am
Artwork von Ancestors - The Humankind Odyssee (Bild: Panache Digital Games)

Das Bein ist gebrochen. Das sehen wir nicht nur am Symbol auf dem Bildschirm, sondern auch am humpelnden Gang des Menschenaffen-Weibchens Ic, mit dem wir uns durch den Dschungel schleppen. Zuerst sind wir mit Ic von einem Baum gefallen, worauf der Knochen angeknackst war. Und dann hat uns ein Eber mit seinen Hauern zu Boden geworfen. Ic schluchzt und stöhnt, da kommt wieder ein Warzenschwein angerannt - aber ein Säbelzahntiger ist noch schneller.

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Was uns auf dem Bildschirm in Ancestors - The Humankind Odyssee mitleiden lässt, hat sich in der Evolution vermutlich ein paar Millionen oder Milliarden Mal ereignet. Immerhin: Im Spiel ist die Sache mit dem Tod von Ic nicht erledigt. Nach ihrem Ableben geht es fast nahtlos weiter, weil wir mit einem anderen Affen aus dem gleichen Stamm die Evolution vorantreiben können.

Das nie ausgesprochene oder angezeigte, sondern nur unterschwellig vorhandene Ziel ist, die Weiterentwicklung zum Vorfahren der Menschen schneller zu schaffen als die zehn Millionen Jahre, die das "Original" gebraucht hat. Die Jahre laufen in Ancestors nicht in Echtzeit ab, sondern in Sprüngen. Wenn wir zur nächsten Generation wechseln, vergehen 15 Jahre. Bei besonderen Ereignissen, etwa der Entdeckung einer Oase, verpuffen auch mal 30.000 Jahre auf einen Schlag.

Wir sind immer Teil eines Stamms von Menschenaffen, meist um die zwei bis acht Tiere - Erwachsene, Greise und Kinder. Einen der Erwachsenen steuern wir, um mit einem Kind auf dem Rücken die Welt zu erkunden. Wir ergreifen Pflanzen und untersuchen sie, lernen andere Spezies kennen, probieren Futter aus und spielen ab und zu mit Ästen herum, aus denen wir eher zufällig Spieße basteln. All das bringt uns unter anderem immer bessere neuronale Verknüpfungen ein - das wird auf dem Bildschirm mit einem Fortschrittssymbol so angezeigt.

Fast alles in Ancestors müssen wir selbst herausfinden, weil uns das Programm so gut wie keine Hinweise gibt. Die Sache mit dem Futter, das Schlafen und Lernen, Trinken und wie wir Nachwuchs zeugen - ohne Trial and Error und ohne sehr viel Geduld ist der Stamm zum Aussterben verdammt. Wir haben schon lange kein Spiel mehr so oft neu gestartet. Etwa, weil wir kurz nach dem Start von einer Schlange gebissen wurden, aber auch weil wir einfach nicht weitergekommen sind.

Leider ist der Alltag eines Affen nicht so spannend, wie sich das bis hierhin angehört haben mag. Klar, wir entdecken neue Gebiete und lernen. Aber das Vorgehen ist dabei immer gleich, echte Abenteuer sind die ganz große Ausnahme. So etwas wie Revierkämpfe mit anderen Stämmen oder bahnbrechende Entdeckungen haben wir in vielen Stunden nie erlebt.

Die Bewegungssteuerung funktioniert inklusive des Kletterns an Bäumen sowie den simplen Kämpfen mit Gamepad am Windows-PC einigermaßen gut. Alternativ kann man auch mit Tastatur und Maus antreten, dann wird das Ganze aber unkomfortabler. Zusätzlich müssen wir jede Menge weitere Tasten für Hören, Riechen oder schlicht das Verschieben eines Objekts von der einen in die andere Hand verwenden. Das ist kaum intuitiv, und für unseren Geschmack sind zu viele Tasten mehrfach und umständlich belegt.

Die KI der Tiere spielt in Ancestors eine geringere Rolle als man meinen könnte. Die anderen Menschenaffen im Lager sitzen meist nur herum. Sonst folgen sie uns oder trinken gemeinsam mit uns aus einem Fluss, aber interessante Beobachtungen können wir als Spieler so gut wie gar nicht machen.

Zwar hat das Programm einige interessante Visualisierungen, etwa wenn ein neues Gebiet mit halluzinierten Horrorfratzen überdeckt ist, um unsere Angst darzustellen. Aber sonst lernen wir über Primaten recht wenig. Die Talentbäume und Evolutionsketten erinnern eher an ein Rollenspiel, sind aber in einer merkwürdig gekünstelten Wissenschaftssprache gehalten, die nicht immer verständlich ist.

  • Anhand des Punktes in der Bildschirmmitte haben wir eine Ahnung vom Zustand der jeweiligen Hauptfigur. (Bild: Panache Digital Games / Screenshot: Golem.de)
  • In diesem Talentbaum schreitet die Evolution voran. (Bild: Panache Digital Games / Screenshot: Golem.de)
  • Mit einem Babyaffen auf dem Rücken schütteln wir Kokosnüsse vom Baum. (Bild: Panache Digital Games / Screenshot: Golem.de)
  • So sieht Ancestors leider stellenweise aus: viel zu viele Symbole. (Bild: Panache Digital Games / Screenshot: Golem.de)
  • Tja, das war's - unser Affe ist einem Jäger zum Opfer gefallen. (Bild: Panache Digital Games / Screenshot: Golem.de)
  • Die Entwickler empfehlen ausdrücklich, am PC mit Gamepad zu spielen. (Bild: Panache Digital Games / Screenshot: Golem.de)
Anhand des Punktes in der Bildschirmmitte haben wir eine Ahnung vom Zustand der jeweiligen Hauptfigur. (Bild: Panache Digital Games / Screenshot: Golem.de)

Ancestors - The Humankind Odyssee ist für Windows-PC (Epic Games Store) erhältlich und kostet rund 40 Euro. Im Dezember 2019 will das Entwicklerstudio Panache Digital Games Umsetzungen für die Xbox One und die Playstation 4 veröffentlichen. Das Programm bietet unter anderem deutsche und englische Bildschirmtexte, Sprachausgabe gibt es ebenso wenig wie einen Multiplayermodus oder Mikrotransaktionen.

Fazit

Nach ein paar Stunden Ancestors merkt man, dass die Sache mit der Evolution im Grunde ziemlich öde ist. Essen, trinken, paaren sowie ab und zu ein Umzug plus simple Kämpfe gegen wilde Tiere: sehr viel mehr passiert eigentlich nicht. Wir haben jedenfalls irgendwann gebetet, dass uns vielleicht doch die Sache mit dem lieben Gott und dem Apfel im Schnellverfahren auf die Stufe des Homo Sapiens hievt.

Ancestors macht ein paar Sachen richtig gut. Die Welt sieht vergleichsweise glaubwürdig aus, Visualisierungen wie die von Angst oder Hören finden wir gelungen. Man bekommt ein ganz gutes Gefühl dafür, wie die Tiere ihre Umgebung damals möglicherweise wahrgenommen haben könnten - das ist schon ganz interessant.

Auf Dauer haben uns aber der eintönige Alltag sowie viele wirre und unlogische Menüs und Symbole den Spielspaß verdorben. Ancestors geht ein paar mutige Schritte auf dem Weg zur Simulation der Evolution, hätte aber wohl ein paar Millionen Euro mehr Budget und ein oder zwei Jahre mehr Entwicklungszeit gebraucht, um richtig gut zu werden.

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qq1 30. Sep 2019

weil es bei männern ein überbleibsel ist

DeathMD 30. Aug 2019

kwt

sfr (golem.de) 30. Aug 2019

Upps ;). Danke für den Hinweis. Der Fehler ist korrigiert.

Anonymer Nutzer 30. Aug 2019

denn in 12 Monaten bei gog erscheint, wird es Mal in Erwägung gezogen. Eher sicher nicht...


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