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Anbieterwechsel: Wenn die Telekom-Subfirma nicht einmal klingelt

Laut VATM setzt die Telekom beim Anbieterwechsel billige Hilfskräfte aus Subunternehmen ein, die unter extremem Zeitdruck arbeiten. Oft würden nur Benachrichtigungskarten zur Abwesenheit eingeworfen, ohne an der Tür zu klingeln. Doch die Telekom soll nicht alleine Schuld sein.
/ Achim Sawall
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Telekom VDSL (Bild: Deutsche Telekom)
Telekom VDSL Bild: Deutsche Telekom

Weil die Deutsche Telekom völlig überforderte Subfirmen beauftrage, häuften sich die Probleme beim Anbieterwechsel. Wie VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner am 26. Februar 2015 in Berlin erklärte(öffnet im neuen Fenster) , würden oft Benachrichtigungszettel in den Briefkasten eingeworfen, nach denen der Kunde nicht angetroffen worden sei, ohne dass die Techniker überhaupt an der Tür geklingelt hätten. Dazu lägen eidesstattliche Versicherungen von Betroffenen vor.

"Die Branche braucht dringend eine eigene Service-Gesellschaft, die sich mit gut ausgebildetem Personal – gerne auch von der Telekom – diskriminierungsfrei um schnelle und reibungslose Umschaltprozesse kümmert" , sagte Grützner. "Unsere große Sorge ist, dass für diese wichtigen Leistungen zunehmend billige Hilfskräfte aus Subunternehmen eingesetzt werden, die unter extremem Zeitdruck arbeiten."

In den Jahren 2011 bis 2014 sei die Vergabequote bei der Tochtergesellschaft Deutsche Telekom Technischer Service von 9,7 auf 12,6 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der Vollzeitarbeitskräfte um knapp 10 Prozent, nämlich von 21.000 auf 19.000 gesunken, erklärte der VATM unter Berufung auf Angaben der Gewerkschaft Verdi.

Physikalische Umschaltung von Leitungen

Der VATM arbeite mit der Telekom intensiv an der Entwicklung und Nutzung von elektronischen Schnittstellen, die die Servicequalität deutlich verbessern sollen. Doch die physikalische Umschaltung von Leitungen stelle anders als beim Mobilfunk oder bei den Energieversorgern sehr hohe Anforderungen an die beteiligten Unternehmen.

Beim Telefonanbieterwechsel muss die Umschaltung auf den neuen Anbieter innerhalb eines Kalendertages erfolgen. Die Bundesnetzagentur hatte im August 2014 erklärt, dass die Telekom nicht allein schuld daran sei, wenn der Wechsel von Festnetz- und Internetanschlüssen mitunter wochenlang dauere.

Weil die Telekom wiederholt ihre Pflichten beim Anbieterwechsel verletzte, hatte die Bundesnetzagentur gestern ein Bußgeld in Höhe von 75.000 Euro verhängt. "Die ersten drei Bußgelder richteten sich nicht gegen die Telekom. Dieses Mal sind wir betroffen" , sagte Telekom-Sprecher Andreas Middel.


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