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Analyse: Europa macht bei digitaler Souveränität kaum Fortschritte

Die USA sind überraschenderweise bei digitaler Souveränität nicht führend – liegen aber deutlich vor Europa.
/ Johannes Hiltscher
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Deutsche und EU-Flagge vor dem Bundestag in Berlin (Bild: Niklas Jeromin, Pexels)
Deutsche und EU-Flagge vor dem Bundestag in Berlin Bild: Niklas Jeromin, Pexels / CC0 1.0

Spätestens mit der zweiten Amtszeit von Donald Trump in den USA hat das Thema digitale Souveränität in Europa an Bedeutung gewonnen. Trotz KI-Initiativen und Projekten zum Bau von Rechenzentren wird sich an der technologischen Abhängigkeit, insbesondere von den USA, aber wohl wenig ändern. Davon geht das Marktforschungsunternehmen Forrester Research aus(öffnet im neuen Fenster).

In seinem ersten Global Sovereignty Forecast haben Analysten des Unternehmens die Entwicklung der digitalen Souveränität von 14 Ländern im Zeitraum von 2025 bis 2030 prognostiziert. Von den untersuchten europäischen Ländern schneidet Deutschland mit einem Souveränitätsgrad von 34 Prozent 2025 noch am besten ab, liegt aber nur knapp vor Indien mit 32 Prozent.

Bis 2030 sehen die Analysten nur marginale Verbesserungen: Deutschland sehen sie dann bei einem Souveränitätsgrad von 36 Prozent, Frankreich bei 35 Prozent. Großbritannien und Italien sollen auf nur 32 und 29 Prozent kommen. Wenig verwunderlich liegen China und die USA hier weit vorn, wobei die Volksrepublik unabhängiger ist: Für 2030 erwartet Forrester Souveränitätsgrade von 82 und 79 Prozent.

Halbleiter erfordern internationale Kooperation

Für die Auswertung haben die Marktforscher neun Dimensionen einbezogen. Neben Investitionen und Vorhaben zur KI-Entwicklung sind dies Kapazität und Souveränität von Rechenzentren, Fachkräfteangebot und Softwareentwicklung sowie Halbleiterfertigung und Verarbeitung von Seltenerdmetallen.

Die Auswahl verdeutlicht die Komplexität digitaler Souveränität: Rechenzentren zu bauen ist nur ein Teilaspekt, schließlich müssen die auch mit Hardware bestückt werden. Und deren Hersteller sind wiederum auf eine komplexe Lieferkette an Materialien angewiesen.

Halbleiterfertigung und Softwareentwicklung werden dabei als kritischste Bereiche mit den meisten Abhängigkeiten gesehen. In der Softwarebranche dominieren wenige große Anbieter, die komplexe Halbleiterbranche ist geprägt von internationalen Abhängigkeiten. Bei Halbleitern erwarten die Analysten daher selbst für das sonst so souveräne China lediglich einen Souveränitätsgrad von 51 Prozent im Jahr 2030. Dank mehrerer neuer Werke für modernste Chips soll sogar Japan knapp vorbeiziehen.

Mit weitem Abstand erwarten die Marktforscher die höchste Souveränität bei Halbleitern in den USA und Südkorea. Deren Souveränitätsgrad soll dank Milliardeninvestitionen von 45 Prozent 2025 auf 79 Prozent 2030 ansteigen. Europa wird hier nicht einmal erwähnt – große Vorhaben wie die Chips for Europe Initiative 2.0 (g+) sind noch nicht einmal beschlossen und würden bis 2030 keine Wirkung entfalten. Damit bleibt Intels Fab 34 im irischen Leixlip vorerst das einzige Werk in Europa, das mit einem High-End-Prozess fertigt.

Europa wird damit auch in den kommenden Jahren stark von internationalen Partnern abhängig bleiben.


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